Ist Abstinenz die Lösung? Privacy versus Social Media

20170214_190956-3-sprechblaseGestern war ich bei einem Vortrag von Richard Stallman zum Thema: „Free Software, Your Freedom, Your Privacy“. Der Verstalter, die Gesellschaft für Informatik, fasst Stallmans Vortrag so zusammen:

Die Bewegung für Freie Software setzt sich für die Freiheit der Kollaboration und der Kontrolle der Computernutzung durch den Einzelnen ein. […] Demokratie braucht den Schutz der Privatsphäre und Privatsphäre braucht den Schutz vor digitaler Überwachung. Freie Software kann einige Pfade der Überwachung verschließen, aber es braucht gesetzliche Maßnahmen, um Überwachung grundsätzlich zu blockieren.

Also: Freie Software gibt dem einzelnen die Kontrolle über seinen Computer und seine Daten, oder im Umkehrschluss: Proprietäre Software ist Unrecht. Wäre der Versammlungsort kein Hörsaal der Uni Köln gewesen, sondern eine Kirche, Stallman hätte als Prediger durchgehen können, der seine Gemeinde auf ihre Mission einschwört. Er ist überzeugend, Botschaft und persönliches Handeln stimmen überein. Stallman predigt nicht nur gegen proprietäre Software, er nutzt auch keine persönlich. Er hat – so sagt er – deswegen kein Smartphone, denn iOS und Android mit GooglePlay sind keine freien Systeme, die er als User kontrollieren könnte, sondern ferngesteuerte Handys, die ungewollt und unkontrollierbar Datenspuren hinterlassen. Aus demselben Grunde auch hört er kein Spotify oder nutzt nicht Netflix, Stallman wörtlich: „Kein Film kann so gut sein, dass ich deswegen Netflix nutze.“

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Seelsorge, Social Media und Schule

medium_cover-1485813555Letzte Woche durfte ich einen Vormittag auf einer Fortbildung für Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger zum Thema Social Media gestalten.

Zunächst Daten und Zahlen, die Online-Nutzung bei Jugendlichen steigt kontinuierlich,  ein guter Gradmesser ist die ARD/ZDF-Onlinestudie 2016:

„Je jünger die Befragungsteilnehmer der Onlinestudie, desto stärker steigt ihre
Nutzungsdauer . Bei den 14 – bis 29-Jährigen um eine gute halbe Stunde auf 4:05 Stunden pro Tag“

„Unter den Social Media-Angeboten rangiert Facebook vorne: Facebook
verzeichnet 34 Prozent mindestens wöchentliche Nutzung – mit einem Plus von
sieben Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Instagram steigert sich auf 9 Prozent wöchentliche Nutzung. Es sind vor allem die ganz Jungen, die das Netzwerk erreicht: 55 Prozent der 14-bis 19-Jährigen sind wöchentlich oder öfter auf Instagram, 27 Prozent der 20-bis 29-Jährigen. Snapchat liegt mit 5 Prozent wöchentlicher Nutzung auf Platz 3 in Deutschland. Das Besondere bei Snapchat ist, dass von den 14-bis 19-Jährigenjeder Zweite den Dienst auf wöchentlicher Basis nutzt(49Prozent).Von den 20-bis 29-Jährigen sind es nur 9 Prozent und in älteren Zielgruppen fast niemand. Twitter stagniert mit 4 Prozent wöchentlicher Nutzung auf niedrigem Niveau.“ (ARD/ZDF-Onlinestudie 2016)

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#reformaction: Handeln wir oder lassen wir uns beschenken?

www-reformaction2017-de_alle-challengesDie  Ice Bucket Challenge machte im Sommer 2014 die Runde auf Social Media. Sie sollte auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen und Spendengelder für deren Erforschung und Bekämpfung sammeln. Die Herausforderung bestand darin, sich einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf zu gießen und danach drei oder mehr Personen zu nominieren, es einem mit Ice Bucket Challenge binnen 24 Stunden gleichzutun, sowie 10 US-Dollar bzw. Euro an die ALS-Gesellschaft zu spenden.
Die Idee der Challenge, dass man sich einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf schüttet und so – für einige Sekunden – auch ein Mal das Gefühl der Lähmung im Körper spürt, das ein Erkrankter sein Leben lang ertragen muss. Wem das zu nass oder kalt war, sollte 100 US-Dollar bzw. Euro an die ALS-Gesellschaft spenden.

Seit der äußerst erfolgreichen Ice Bucket Challenge tauchen viele Challenges im Social Web auf. Wen wundert es, dass auch die Öffentlichkeitsfachleute der EKD mit Unterstützung einer Agentur die #reformaction erfanden. Auf der Website lesen wir:

Wir feiern 500 Jahre Reformation! Mit Challenges unter dem Motto „Gemeinsam Großes bewegen“ zeigen wir, dass Glaube bewegt und verbindet. An jeder Challenge sollen möglichst 500 Menschen teilnehmen.

Beteilige dich und erzähle anderen davon! Ab sofort kann jeder Ideen für eigene spannende Challenges einreichen. Mit der Vaterunser-Challenge versuchen wir das Gebet in 500 verschiedenen Sprachen und Dialekten einzusprechen. Bist du dabei?

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Soll man mit AfD-Vertreterinnen und -Vertretern reden? Ja, muss man.

http___praesesblog-ekir-de_von-pluHauptthema der medialen Berichterstattung über die rheinische Landessynode war die Auseinandersetzung mit der AfD.  Kurz vor Synodenbeginn am 8. Januar hatte idea eine Vorabmeldung  zu einem Streitgespräch zwischen Präses Manfred Rekowski und AfD-Sprecherin Frauke Petry veröffentlicht, welches in der ersten Dezemberhälfte (nicht: Ende Januar wie von idea berichtet) auf Einladung von idea im Düsseldorfer Landeskirchenamt stattfand. Der vollständige Text des Doppelinterviews Rekowski / Petri wurde einige Tage später während der Synode veröffentlicht. Mehr von diesem Beitrag lesen

#PrayforBerlin — ja das tun wir

#PrayforBerlin

#PrayforBerlin

„Micha 5,1-4 statt Hashtag-Keule” – so überschreibt knuuut seinen Blogpost, in dem er die kirchlichen Reaktionen auf den Anschlag in Berlin kritisiert:

„Die Stimmen, die eine „geistliche Rettungsgasse“ freihalten wollen sind selten. Wer als erster #prayforXXX brüllt, gilt als am Puls der Zeit. Ich möchte das nicht. Gaffern gleich wälzt sich die News-Desk-Redaktion durch den Stream. Flugs ein gepostetes Bildchen zur Anteilnahme und das Fürbittengebet aus der Cloud, schnell noch eine virtuelle Kerze auf einer Gedenkseite entzündet, fertig.”

Ja, noch in der späten Nacht – als in den deutschen Leitmedien noch diskutiert wurde, ob die Gewalttat in Berlin ein „Anschlag” sei – haben wir (EKiR-Online/Social Media Redaktion) ein Gebet auf Facebook gepostet (die Grafik dieses Posts übernimmt übrigens knuuut für seinen Blogpost). Mehr von diesem Beitrag lesen

Ganz nah dran und doch weit weg: Online-Lebensberatung und Online-Seelsorge, Online-Beichte – nichts ist unmöglich?

fireshot-screen-capture-186-ekd_-internetseelsorge-www_ekd_de_seelsorge_internet_internetseelsorge_htmlIm Oktober durfte in der Akademie in Tutzing einen Vortrag zur Online-Seelsorge auf der Tagung „Hilfe aus dem Netz. Chancen und Grenzen von Online-Medizin und Online-Psychologie” halten. Da die Zeit drängt, hier eine erste verschriftlichte Version, die ich noch etwas überarbeiten werde.
Hier der Text als PDF, das auch einige Grafiken und Screenshots enthält. Außerdem hier die Folienpräsentation.

Am 9.12. durfte ich im Zentrum Seelsorge in Hannover auch einen Vortrag zu Online-Seelsorge halten, die Vortragsfolien gibt es hier.

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Keine Angst vor Online-Gottesdiensten

fireshotcapture106-twompletSpiritualität im Internet – ist das heute noch ein Thema, mit dem sich eine Synode eigens beschäftigen muss?  Oder ist es einfach Realität für Menschen, die online leben und deren geistliches Leben sich auch im Netz vollzieht?

Vermutlich beides:  Daher hielt ich gerne auf der lippischen Landessynode heute einen Workshop über Spiritualität im Netz nach dem Hauptvortrag „Kommunikation der biblischen Botschaft in der digitalen Gesellschaft„.

Weil Synoden die Kirche leiten, müssen sie sich mit diesem Thema beschäftigen, denn Online-Spiritualität ist noch ein Randthema in unserer Kirche – während für die, die Online-Angebote nutzen, Spiritualität im Internet eine wichtige Möglichkeit ist, ihren Glauben zu leben.

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Chatandacht am Ewigkeitssonntag: Im Gedenken miteinander verbunden

andacht_webZum achten Mal laden wir auf Trauernetz.de zu einer Chatandacht am Ewigkeitssonntag ein.

Ab jetzt können Angehörige, Freundinnen und Freunde die Namen von Menschen, die Ihnen wichtig sind und derer sie in der Andacht gedenken wollen, in ein Online-Formular eintragen. Diese Namen werden dann in der Andacht „verlesen“ – d.h. während des Chats eingeblendet. Mehr von diesem Beitrag lesen

WhatsApp-Seelsorge: The Times They Are a-Changin‘

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Geht Seelsorge auf Facebook? Sieht man sich kirchliche Social Media Guidelines an oder liest das EKD-Datenschutzgesetz, kommt fast reflexartig die Antwort „Nein“. So habe ich bis vor kurzem auch immer geantwortet, wenn ich gefragt wurde. Aber die Zeiten ändern sich. Mehr von diesem Beitrag lesen

Free Software? – It’s Anthropology, Stupid

Screenshot_2016-09-04-07-41-08When I saw the call for papers, I submitted a proposal titled “The Anthropological Dimension of Free Software: a Philosophical Argument” as you can see in the announcement in the program.

Anthropology is the study of various aspects of humans within past and present societies. There are many cases one can make for Free Software but I believe if one is an advocate for or an opponent of Free Software ultimately depends on one’s idea of human beings – or anthroplogy.

I have to admit; sometimes I use Google and Google services.

We are having a family dinner in a nice restaurant, the food is marvelous, and I take out my cell phone and take a picture of the antipasti. When we are ready for dessert my phone vibrates, there is a notification from Google asking me to contribute my photo to the collection of the restaurant’s photos on Google maps and comment on the restaurant.

You all know what’s happened. Google knows my location, my photos are geo-tagged and uploaded to Google photos, Google uses this information to ask me for more information – and if I share my photo on Google maps and rate the restaurant, then I further contribute to Google’s world-wide knowledge. I will not focus on privacy issues but on the aspect of sharing. When asked, it is a reflex for many people to help. They freely give their information to Google without realizing that Google does not reciprocate by making this information available under a free license but controls who gets access to this information. Mehr von diesem Beitrag lesen