Pussy Riots und Beschneidungsdebatte: Welche Rolle soll Religion in unserer Gesellschaft spielen?

Was ist uns heilig? Welchen Raum soll Religion in unserer Gesellschaft einnehmen, was heißt Religionsfreiheit heute für uns? Matthias Jung zieht seine Schlüsse aus der Diskussion um Pussy Riots und die Beschneidungsdebatte.

bilder und gedanken

Zwei Blogbeiträge habe ich heute zum Thema Pussy Riot (übersetzt: „Mösen in Aufruhr“) gelesen:

Pop, Aktion und Überlegenheitskult und

Dann mach ich was ein Baum tun würde, wenn ein …. sich an ihm kratzt…

In manchem ähnlich und doch sehr verschieden. Mir fiel beim Lesen ein, dass zur Zeit noch eine andere Frage in der Öffentlichkeit diskutiert wird, in der es um Religionsfreiheit bzw. religiöse Empfindungen und Gefühle geht: das Beschneidungsurteil des Landgerichts in Köln. In beiden Fällen geht es um Grenzen: Was in kirchlichen Räumen erlaubt? Was darf an Kindern im Namen der Religion geschehen? Und dahinter steckt die Frage: Wer entscheidet hier eigentlich über Recht und Unrecht, oder besser: über richtig und falsch? Der Staat? Die Religionsgemeinschaft? Der einzelne Mensch? Die öffentliche „Meinung“? Der Ethikrat?

Es gibt noch weitere Diskssionen, die sich um diese Fragen ranken. Wie steht es um den Dritten Weg im Arbeitsrecht? Wie soll künftig…

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One Response to Pussy Riots und Beschneidungsdebatte: Welche Rolle soll Religion in unserer Gesellschaft spielen?

  1. Bernd Kehren says:

    Was ist uns heilig?

    Hm…

    Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, männlich wie weiblich.

    Schuf den Menschen.
    Nicht „den Juden“.
    Nicht „den Christen“.
    In einer Zeit, wo es – so habe ich es gelernt – in Ägypten kein Wort für „Mensch“, sondern nur für „Ägypter“ gab, und wer kein Ägypter war, war irgendwo darunter, in einer solchen Zeit schreiben die Juden etwa in der Zeit des Babylonischen Exils in die Bibel: Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.

    Das finde ich heilig.
    Das würde ich gerne den Palästinensern zurufen: Auch die Juden sind – wie Ihr – Ebenbilder Gottes. Behandelt sie so. Und ich würde es gerne den Juden zurufen: Schaut in Eure Schrift: Auch die Palästinenser sind Ebenbilder Gottes, wie ihr. Behandelt sie so.

    Das würde ich gerne alten Menschen zurufen, die – wenn die Schwester oder der Pfleger ihnen einen Gefallen tun möchte – still und schweigsam in der Ecke sitzen bleiben und nur niemandem zur Last fallen wollen: Ihr seid Gottes Ebenbilder. Behandelt Euch auch selbst so. Mutet Euch anderen zu. Das dürft Ihr! Bescheidenheit ist schön, aber Bescheidenheit ist nicht alles. Ihr habt ein Leben lang für andere geschuftet, da dürft ihr auch mal selber bedient werden. Heilig, das ist der Spannungsbogen zwischen „jedermanns Knecht“ und „niemandem untertan“.

    Heilig heißt, sich auf das Eigene besinnen und gleichzeitig darauf, wie integrativ dieses Eigene ist. Im Sinne von: Das Judentum grenzt sich scharf von den Kulten rundherum ab – und lässt sich genau von diesen Kulten den Tempel bauen.
    Und lässt dann im Gegensatz dazu das Allerheiligste leer. Zur Verblüffung aller anderen.

    Im Stammbaum Jesu tauchen Menschen auf, da würde mancher Fromme sich im Grabe herum drehen. Heiden, Unheilige…

    Richtig Fromme kennen genau den einen Weg, der ihrer Meinung nach in den Himmel führt.

    Da frage ich mich, was hat sich der liebe Gott wohl gedacht, als er gleich vier Evangelien ins neue Testament packte? Vielleicht: Eine Meinung ist einfach nicht genug. Heilig ist die Vielfalt, nicht die Einfalt. (Oder so. 🙂 )

    Was hat sich der liebe Gott dabei gedacht, als er ins Neue Testament schreiben ließ, dass man sich in der Urgemeinde gezankt hat wie die Kesselflicker? (Nicht nur, manchmal war man sich auch geschwisterlich einig. Wobei: Wer unter den Lesern Geschwister hat, sieht auch das wieder sehr relativ…) Vielleicht wollte er uns Mut machen dazu, die Uneinigkeit darüber, was Heilig ist, liebevoll und manchmal doch mit klaren Worten auszuhalten?

    Was ist Heilig? Am Feiertag Ähren auszureißen? Die Heiligen sind empört. Das macht man nicht. Die Jünger sagen, wieso? Sind wir für das Heilige da, oder ist das Heilige für uns da?

    Ich befürchte, die Frage konnten schon Weisere nicht kurz und knapp beantworten.
    Oder es waren Antworten, die neue Fragen aufwarfen und aufwerfen.
    Denen wir uns stellen müssen. Auf die wir Antworten finden müssen.
    Die uns gefallen und oft auch nicht.

    So ist das Leben, das der Heilige uns zumutet.
    Nur Mut. Er mutet es uns Heiligen zu.

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