Digitalisierung ist kein Allheilmittel, wir brauchen auch einen Kulturwandel

Am Montag in einer Sitzung zum Thema Digitalisierung eine angeregte und engagierte Diskussion, welche Projekte wir brauchen, um nahe bei den Menschen zu sein. Ja, wir brauchen auch in Deutschland einen Gemeindefinder wie z.B. A Church near you – aber was, wenn kirchenferne Menschen zur Gemeinde vor Ort kommen und auf eine Realität stoßen, die nicht wertschätzend ist. Wenn wir digitale Strukturen zur niederschwelligen Kontaktaufnahme wollen, müssen die dazu korrespondierenden Angebote vor Ort einladend sein. Sonst ist nichts gewonnen. Leider ist oft noch ein Kulturwandel notwendig, sonst hilft das beste Digitalisierungsprojekt nicht. Mehr von diesem Beitrag lesen

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Digitalisierung macht Milieuverengung deutlich und fragt, wie wir Kirche sein wollen

Arbeiten mit Personas und einer Empthy Map in Kleingruppen

Arbeiten mit Personas und einer Empthy Map in Kleingruppen

Wie kann eine Digitalstrategie für die evangelische Kirche aussehen? Es war spannend, gestern in einem Workshop dazu mitzuarbeiten. Ich hatte erwartet, die Tagesordnung würde schnell zu Apps, Infrastruktur, Websites, soziale Netzwerke und Kooperationen zwischen den Landeskirchen überleiten, und Fragen behandeln, wie man verhindern könne, dass das Rad mehrfach erfunden wird, dass alle alles machen, aber meistens dann nicht wirklich gut. Im Workshop wurde aber die Frage grundlegender gestellt: Wen will Kirche über Digitalisierung erreichen? Mehr von diesem Beitrag lesen

Wehrmachtssoldaten sind keine Helden!

"Kiregerdenkmahl" in Haidmühle

„Kriegerdenkmal“ in Haidmühle

Familienurlaub in den Winterferien im Bayerischen Wald, wir besteigen den Dreisessel im Schnee, das Gasthaus auf dem Gipfel ist geschlossen, wir kehren im benachbarten Ort Haidmühle ein. Während die Familie in einem Café sitzt, gehe ich zur Touristeninformation im Rathaus, um mich nach Sehenswertem in der Umgebung zu erkundigen. Auf dem Weg dahin sehe ich ein Denkmal mit der Inschrift:

„Den Helden zur Ehr

die dankbare Pfarrgemeinde Haidmühle

1914 – 1918
1939 – 1945“

Darunter folgt eine Liste von Namen gefallener, vermisster, oder im Lazarett oder Kriegsgefangenenlager verstorbener Soldaten des Zweiten Weltkrieges aus dem Ort.

Wehrmachtsoldaten als Helden zu bezeichnen und ihnen dankbar zu sein, bedeutet (anders kann ich es nicht verstehen) den Angriffskrieg der deutschen Wehrmacht unter Hitler gutzuheißen und zu billigen. Im Rathaus erhalte ich freundlicherweise eine Karte und eine Wegbeschreibung zur Grenze. Als ich wegen des Denkmals und der Inschrift nachfrage, antwortet eine jüngere Frau. Bisher habe es noch keine Anfragen gegeben, sagt sie und holt einen älteren Kollegen. Er sagt mir, früher habe man die Dinge eben anders gesehen, man hätte ja auch Heldengedenktag gesagt. Außerdem sei es ein Denkmal, man könne die Inschrift nicht verändern. Ich entgegne, der Tag heiße heute Volkstrauertag, außerdem könne man eine Erklärtafel anbringen, die den historischen Kontext herstellt und Geschichte erläutert. Auf Nachfrage erhalte ich die Postanschrift des örtlichen Krieger- und Soldatenvereins, der für das Denkmal zuständig sei.

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Refugee Reporting: wie wir die Erzählung verändern können

Changing_the_Narrative_Media_Representation_of_Refugees_and_Migrants_in_Europe-1

Wir haben keine Flüchtlingskrise, sondern Menschen, die bei uns Zuflucht suchen und die wir aufnehmen. Damit dies in unserer Gesellschaft gelingen kann, müssen wir gegen die Bilder einer Krise und Bedrohung die Bilder von Chancen setzen.  Dazu müssen wir verstehen, wie Medien über Flüchtlinge berichten. Deshalb haben wir die Studie „Refugees Reporting. Changing the Narrative“ unterstützt. Für Flüchtlinge einzutreten heißt für uns nämlich auch, sich für ihre Kommunikationsrechte einzusetzen, dass sie nicht nur Objekt der Berichterstattung sind, sondern in den Medien selber zu Gehör kommen.

So schreibt Präses Manfred Rekowski in seinem Blog und gibt damit das Eingangsstatement wieder, mit dem gestern die Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichtes „Refugees Reporting: Changing the Narrative“  im Brüssseler Presseclub eröffnet wurde.

Dieser Bericht ist das Ergebnis einer Medienbeobachtung und –analyse in sieben europäischen Ländern und einer Konsultation mit Vertreterinnen und Vertretern aus Flüchtlingsnetzwerken und Medien. In der Steuerungsgruppe durfte ich die Erarbeitung des Berichtes und der Empfehlungen begleiten.

Bei der Begleitung dieses Projektes gab es natürlich auch für mich einige Entdeckungen.

  • In der Berichterstattung über Flüchtlinge erscheint „Flüchtling“ oft fast ein Beruf zu sein, denn das einzige biografische Detail, das oft berichtet wird, ist das Herkunftsland, aus dem der Flüchtling stammt. Welche Fähigkeiten, Begabungen und Erfahrungen Flüchtlinge haben, kommt in der Berichterstattung fast nicht vor. Dabei gäbe es sehr interessante Geschichten zu erzählen, das erlebte ich persönlich bei der Konsultation im September bei der Erarbeitung der Empfehlungen.
  • Frauen sind in der Medienberichterstattung deutlich unterrepräsentiert, auch das prägt die öffentliche Meinung.
  • Auch Medienberichterstattung, die von Sympathie geprägt ist, kann Flüchtlinge in eine Opferrolle bringen; sie werden zum Gegenstand mitfühlender Berichte, aber sind keine Subjekte, die selbst ihre Geschichten erzählen.
  • Obergrenze, Flüchtlingsflut – gegen mit solchen Begriffen verbundene sprachliche Bilder müssen wir positive Bilder setzen.

Dazu nochmals Präses Rekowski auf der Pressekonferenz:

Dies gelingt am besten, wenn wir die Menschen zu Wort kommen lassen, die bei uns angekommen sind, anstatt nur über sie zu reden, denn sie bereichern unsere Gesellschaft.



Video von der Präsentation des Berichtes im Brussels Press Club, hier die Einführung und Darstellung der wichtigsten Ergebnisse

Gottesdienst: und alle twittern „Amen“

Eine Dialogpredigt zum Thema „Fake News“ und „Faith News“, die Predigthörerinnen und –hörer werden eingeladen, die Predigt abzuschließen, indem sie ihre Glaubensgeschichten mitteilen über Twitter, Facebook, Instagram oder Karteikarten. Diese Geschichten laufen auf eine Leinwand in der Kirche und im Videostream  ein. Am Ende schließen alle die Predigt mit Amen ab, in der Kirche sprechen es die Gemeindeglieder, wer online am Gottesdienst teilnimmt, twittert es. Mehr von diesem Beitrag lesen

Lutherkondome: Ist Locker-Room-Banter wirklich witzig?

lutherkondomeSex sells – und Kirche und Kondome bringt immer Schlagzeilen. Das gilt auch für die von der evangelischen Jugendkirche Kirche Düsseldorf mit Luthersprüchen bedruckten Kondome. Wenn eine Aktion verunglückt ist und abgebrochen wird, ist in der Regel im Vorfeld schon viel kommunikativ schief gegangen. In der Öffentlichkeitsarbeit beim Abbruch einer Aktion geht es dann nur noch um Schadensbegrenzung.

Mein Thema ist nicht eine eingestellte Aktion, sondern die Reaktionen darauf in Social Media. Mehr von diesem Beitrag lesen

Frauenordination, weil vom Evangelium geboten

Talar

Talar

Der Beschluss der  Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland, die Frauenordination abzuschaffen, hat in Deutschland zu großer Empörung geführt, eine Wiederkehr des Mittelalters wurde beschworen. Angst vor einer Rückkehr ins Mittelalter ist jedoch kein theologisches Kriterium, sondern der Beschluss ist falsch, weil er – so wie ich die Bibel gemäß reformatorischer Lehre verstehe – gegen das Evanglium verstößt.

Frauenordination? Kommt in der Bibel nicht vor. Schwule Pfarrer im Pfarrhaus? Gibt es in der Bibel auch nicht.  Aber wir finden in der Bibel Polygamie und Todesstrafe, trotzdem sieht keine Lebensordnung einer Kirche Polygamie vor oder hat die Todesstrafe im Kirchenrecht. Etwas ist theolgisch  nicht deshalb erlaubt oder deswegen verboten, weil es in der Bibel vorkommt oder eben nicht vorkommt, sondern die Frage lautet: Wie kommt in einer Frage das Evangelium zum Tragen? Mehr von diesem Beitrag lesen

Kommen Flüchtlinge in der Weihnachtsgeschichte vor? #RefugeesWelcome #ChristmasStory.World

Wie lässt sich 2015 Weihnachten feiern? Die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium erzählt von einer Herbergssuche. In Krippenspielen wird das oft ausgeschmückt dargestellt. In Mexiko gibt es die Tradition der Posada  – die Herbergssuche wird in einem Singespiel dargestellt: Das Heilige Paar bittet um Herberge, der Wirt weist sie ab („Da könnte doch jeder daherkommen”), erst als er sie als Maria und Josef erkennt, lässt er sie ein, denn der Heiligen Familie muss man doch Unterkunft gewähren. Mehr von diesem Beitrag lesen

#AllAreWelcome: Das Kino läuft im Kopf

allarewelcome.pngZwei Begebenheiten vom Wochenende. Ich jogge auf meiner gewöhnlichen Runde, zwischen zwei Autos neben dem Vorderrad kniet ein Mann, den ich nur flüchtig sehe, daneben eine Matte. Ein Nachbar, der verspätet die Winterreifen aufzieht, aber habe ich neben dem Auto Reifen liegen sehen? Oder ein Flüchtling, der in der nahegelegenen Turnhalle untergebracht ist und sein Gebet verrichtet? Mehr von diesem Beitrag lesen

Online-Kirche neu denken

Manchmal mag es auch an den Begrifflichkeiten liegen, wenn man sieht, wie lange gerungen wurde, ob man von Online-Gemeinde sprechen darf oder doch nur von Online-Community. Auch wenn nun endlich die Terminologie theologisch und kirchenamtlich geklärt ist, entsteht dadurch keine Online-Gemeinde von selbst.
Die Erfahrungen beim Aufbau der amerikanischen Online-Gemeinde UCC Extravagance, von denen Lawrence T. Richardson, Digital Minister der United Church of Christ, auf der Loccumer Tagung „Mache den Raum deines Zeltes weit. Formen der Glaubenskommunikation im Social Web“ berichtete, lassen mich nun in eine andere Richtung denken.

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