Von AI zu Zappar, von Print zu YouTube – Rückblick auf ECIC24

Seit der fünften European Christian Internet Conference (ECIC) in Kopenhagen habe ich regelmäßig an dieser Konferenz teilgenommen. Gerade die starke Präsenz von Kollegen – und in den letzten Jahren auch Kolleginnen – aus Skandinavien gab für die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, Entwicklungen der kirchlichen Internetnutzung zu antizipieren, gefühlt war und ist Skandinavien Deutschland zwei Jahre voraus.

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Gemeindeaufbau beginnt online

Freier WLAN-Zugang in einer amerikanischen Kirchengemeinde
Freier WLAN-Zugang in einer amerikanischen Kirchengemeinde
Freier WLAN-Zugang in einer amerikanischen Kirchengemeinde

Karfreitag wollte ich in den Gottesdienst gehen, war mir aber bei der Uhrzeit unsicher. Der Gemeindebrief lag längst im Altpapier, ich musste auf Google suchen. Ich finde die Homepage der Gemeinde, aber dort sind die Gottesdienste zunächst unauffindbar. Endlich finde ich den Gemeindebrief zum Download als PDF-Datei, lade ihn herunter und finde auf den letzten Seiten den Gottesdienstplan. Es war gut, dass ich nachgesehen habe, denn in einer Gottesdienstsstätte fiel der Gottesdienstes wegen eines Passionskonzertes am Nachmittag aus.

Unternehmen legen Wert darauf, die Öffnungszeiten ihrer Filialen online richtig abzubilden. Sie wissen, eine Kundin oder ein Kunde, die vor verschlossener Türen stehen, sind frustriert und kommen in der Regel nicht mehr wieder und kaufen künftig bei der Konkurrenz.

Kirchengemeinden haben keine direkte Konkurrenz wie Discounter oder Drogerie-Märkte, aber sie müssen sich auch darum kümmern, dass Kundinnen und Kunden zu ihnen kommen. Das nennt man dann nicht Marketing, sondern Gemeindeaufbau. Die Kerngemeinde sind Stammkunden. Diese erreicht man auch durch Kanzelabkündigungen oder Schaukästen vor dem Gemeindehaus. Neukundenakquise ist eine große Herausforderung; bestehende Kundenbeziehungen aufrecht zu erhalten, ist schwierig genug. Wie erreicht man Gemeindeglieder, die (noch) dabei sind, aber nicht in Veranstaltungen auftauchen?

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Mehr als ein Relaunch

Zielgruppen für Öffentlichkeitsarbeit
Zielgruppen für Öffentlichkeitsarbeit
Zielgruppen für Öffentlichkeitsarbeit

Seit längerem stand der Relaunch unserer landeskirchlichen Website ekir.de an. Bald wurde uns jedoch klar, es geht um viel mehr, nämlich wie wir als Kirche kommunizieren wollen.

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„Alexa, wo ist die nächste evangelische Kirche?“ – Pilotprojekt zum digitalen Wissensmanagement

Die Frage „Alexa, wo ist die nächste evangelische Kirche? lässt den Home-Assistenten Alexa oft sprachlos zurück bzw. liefert eine nicht zufriedenstellende Antwort. Auch andere Assistenten – neben Alexa (Amazon) sind in Deutschland Google Assistent (auf Android-Smartphones) oder Siri (Apple) weit verbreitet – können solche Fragen oft nur schlecht beantworten. Um dies zu ändern, haben wir ein Pilotprojekt gestartet, um Kirchen und Gemeinden bei Sprachassistenten und Suchdiensten besser sichtbar zu machen.

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Digitale Pioniere: Nachtragendes zur "Digitalisierung der Kirche" – eine kurze Replik

Website der rheinischen Kirche aus dem Jahre 1997

Ob christlicher Internet-Pionier oder doch Online-Dinosaurier, dieses Urteil mögen andere fällen. Jedenfalls bin ich seit nun zwanzig Jahren im Internet für Kirche unterwegs – in dieser Zeit hat sich viel verändert. Als ich begann, konnte man Entscheidungsträger daran erkennen, dass kein PC in ihren Büros standen, mit der Zeit hielten E-Mails Einzug im Kommunikationsalltag, wer wichtig war, erhielt seine Mails ausgedruckt. Dies hat sich seit langem geändert, heute bloggen und facebooken Leitende Geistliche.

Seit 1996 ist die EKD online, im selben Jahr gab es unter der Ägide der EKD das erste Netzwerktreffen der European Christian Internet Conference, ein Netzwerk, das bis heute kirchliche Online-Arbeit konstruktiv-kritisch begleitet.

Andreas Mertin holt zum publizistischem Rundumschlag zu Digitalisierung in der evangelischen Kirche aus mit seinem Aufsatz in tà katoptrizómena / Theomag: Digitale Pioniere: Nachtragendes zur “Digitalisierung der Kirche”. Bei der rasanten Entwicklung des Internet ist Andreas Mertins Aufriss fast schon historisch, wenn er die Suchmaschine crossbot betrachtet, die heute nur noch wenigen bekannt sein dürfte.

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Digitalisierung ist kein Allheilmittel, wir brauchen auch einen Kulturwandel

Am Montag in einer Sitzung zum Thema Digitalisierung eine angeregte und engagierte Diskussion, welche Projekte wir brauchen, um nahe bei den Menschen zu sein. Ja, wir brauchen auch in Deutschland einen Gemeindefinder wie z.B. A Church near you – aber was, wenn kirchenferne Menschen zur Gemeinde vor Ort kommen und auf eine Realität stoßen, die nicht wertschätzend ist. Wenn wir digitale Strukturen zur niederschwelligen Kontaktaufnahme wollen, müssen die dazu korrespondierenden Angebote vor Ort einladend sein. Sonst ist nichts gewonnen. Leider ist oft noch ein Kulturwandel notwendig, sonst hilft das beste Digitalisierungsprojekt nicht. „Digitalisierung ist kein Allheilmittel, wir brauchen auch einen Kulturwandel“ weiterlesen

Digitalisierung macht Milieuverengung deutlich und fragt, wie wir Kirche sein wollen

Arbeiten mit Personas und einer Empthy Map in Kleingruppen

Arbeiten mit Personas und einer Empthy Map in Kleingruppen
Arbeiten mit Personas und einer Empthy Map in Kleingruppen

Wie kann eine Digitalstrategie für die evangelische Kirche aussehen? Es war spannend, gestern in einem Workshop dazu mitzuarbeiten. Ich hatte erwartet, die Tagesordnung würde schnell zu Apps, Infrastruktur, Websites, soziale Netzwerke und Kooperationen zwischen den Landeskirchen überleiten, und Fragen behandeln, wie man verhindern könne, dass das Rad mehrfach erfunden wird, dass alle alles machen, aber meistens dann nicht wirklich gut. Im Workshop wurde aber die Frage grundlegender gestellt: Wen will Kirche über Digitalisierung erreichen? „Digitalisierung macht Milieuverengung deutlich und fragt, wie wir Kirche sein wollen“ weiterlesen

Wehrmachtssoldaten sind keine Helden!

"Kriegerdenkmal" in Haidmühle

"Kiregerdenkmahl" in Haidmühle
“Kriegerdenkmal” in Haidmühle

Familienurlaub in den Winterferien im Bayerischen Wald, wir besteigen den Dreisessel im Schnee, das Gasthaus auf dem Gipfel ist geschlossen, wir kehren im benachbarten Ort Haidmühle ein. Während die Familie in einem Café sitzt, gehe ich zur Touristeninformation im Rathaus, um mich nach Sehenswertem in der Umgebung zu erkundigen. Auf dem Weg dahin sehe ich ein Denkmal mit der Inschrift:

„Den Helden zur Ehr
die dankbare Pfarrgemeinde Haidmühle
1914 – 1918
1939 – 1945“

Darunter folgt eine Liste von Namen gefallener, vermisster, oder im Lazarett oder Kriegsgefangenenlager verstorbener Soldaten des Zweiten Weltkrieges aus dem Ort.
Wehrmachtsoldaten als Helden zu bezeichnen und ihnen dankbar zu sein, bedeutet (anders kann ich es nicht verstehen) den Angriffskrieg der deutschen Wehrmacht unter Hitler gutzuheißen und zu billigen. Im Rathaus erhalte ich freundlicherweise eine Karte und eine Wegbeschreibung zur Grenze. Als ich wegen des Denkmals und der Inschrift nachfrage, antwortet eine jüngere Frau. Bisher habe es noch keine Anfragen gegeben, sagt sie und holt einen älteren Kollegen. Er sagt mir, früher habe man die Dinge eben anders gesehen, man hätte ja auch Heldengedenktag gesagt. Außerdem sei es ein Denkmal, man könne die Inschrift nicht verändern. Ich entgegne, der Tag heiße heute Volkstrauertag, außerdem könne man eine Erklärtafel anbringen, die den historischen Kontext herstellt und Geschichte erläutert. Auf Nachfrage erhalte ich die Postanschrift des örtlichen Krieger- und Soldatenvereins, der für das Denkmal zuständig sei.
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Refugee Reporting: wie wir die Erzählung verändern können

Changing_the_Narrative_Media_Representation_of_Refugees_and_Migrants_in_Europe-1

Wir haben keine Flüchtlingskrise, sondern Menschen, die bei uns Zuflucht suchen und die wir aufnehmen. Damit dies in unserer Gesellschaft gelingen kann, müssen wir gegen die Bilder einer Krise und Bedrohung die Bilder von Chancen setzen.  Dazu müssen wir verstehen, wie Medien über Flüchtlinge berichten. Deshalb haben wir die Studie „Refugees Reporting. Changing the Narrative“ unterstützt. Für Flüchtlinge einzutreten heißt für uns nämlich auch, sich für ihre Kommunikationsrechte einzusetzen, dass sie nicht nur Objekt der Berichterstattung sind, sondern in den Medien selber zu Gehör kommen.

So schreibt Präses Manfred Rekowski in seinem Blog und gibt damit das Eingangsstatement wieder, mit dem gestern die Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichtes „Refugees Reporting: Changing the Narrative“  im Brüssseler Presseclub eröffnet wurde.
Dieser Bericht ist das Ergebnis einer Medienbeobachtung und –analyse in sieben europäischen Ländern und einer Konsultation mit Vertreterinnen und Vertretern aus Flüchtlingsnetzwerken und Medien. In der Steuerungsgruppe durfte ich die Erarbeitung des Berichtes und der Empfehlungen begleiten.
Bei der Begleitung dieses Projektes gab es natürlich auch für mich einige Entdeckungen.

  • In der Berichterstattung über Flüchtlinge erscheint „Flüchtling“ oft fast ein Beruf zu sein, denn das einzige biografische Detail, das oft berichtet wird, ist das Herkunftsland, aus dem der Flüchtling stammt. Welche Fähigkeiten, Begabungen und Erfahrungen Flüchtlinge haben, kommt in der Berichterstattung fast nicht vor. Dabei gäbe es sehr interessante Geschichten zu erzählen, das erlebte ich persönlich bei der Konsultation im September bei der Erarbeitung der Empfehlungen.
  • Frauen sind in der Medienberichterstattung deutlich unterrepräsentiert, auch das prägt die öffentliche Meinung.
  • Auch Medienberichterstattung, die von Sympathie geprägt ist, kann Flüchtlinge in eine Opferrolle bringen; sie werden zum Gegenstand mitfühlender Berichte, aber sind keine Subjekte, die selbst ihre Geschichten erzählen.
  • Obergrenze, Flüchtlingsflut – gegen mit solchen Begriffen verbundene sprachliche Bilder müssen wir positive Bilder setzen.

Dazu nochmals Präses Rekowski auf der Pressekonferenz:

Dies gelingt am besten, wenn wir die Menschen zu Wort kommen lassen, die bei uns angekommen sind, anstatt nur über sie zu reden, denn sie bereichern unsere Gesellschaft.



Video von der Präsentation des Berichtes im Brussels Press Club, hier die Einführung und Darstellung der wichtigsten Ergebnisse

Gottesdienst: und alle twittern „Amen“


Eine Dialogpredigt zum Thema „Fake News“ und „Faith News“, die Predigthörerinnen und –hörer werden eingeladen, die Predigt abzuschließen, indem sie ihre Glaubensgeschichten mitteilen über Twitter, Facebook, Instagram oder Karteikarten. Diese Geschichten laufen auf eine Leinwand in der Kirche und im Videostream  ein. Am Ende schließen alle die Predigt mit Amen ab, in der Kirche sprechen es die Gemeindeglieder, wer online am Gottesdienst teilnimmt, twittert es. „Gottesdienst: und alle twittern „Amen““ weiterlesen