Refugee Reporting: wie wir die Erzählung verändern können

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Wir haben keine Flüchtlingskrise, sondern Menschen, die bei uns Zuflucht suchen und die wir aufnehmen. Damit dies in unserer Gesellschaft gelingen kann, müssen wir gegen die Bilder einer Krise und Bedrohung die Bilder von Chancen setzen.  Dazu müssen wir verstehen, wie Medien über Flüchtlinge berichten. Deshalb haben wir die Studie „Refugees Reporting. Changing the Narrative“ unterstützt. Für Flüchtlinge einzutreten heißt für uns nämlich auch, sich für ihre Kommunikationsrechte einzusetzen, dass sie nicht nur Objekt der Berichterstattung sind, sondern in den Medien selber zu Gehör kommen.

So schreibt Präses Manfred Rekowski in seinem Blog und gibt damit das Eingangsstatement wieder, mit dem gestern die Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichtes „Refugees Reporting: Changing the Narrative“  im Brüssseler Presseclub eröffnet wurde.

Dieser Bericht ist das Ergebnis einer Medienbeobachtung und –analyse in sieben europäischen Ländern und einer Konsultation mit Vertreterinnen und Vertretern aus Flüchtlingsnetzwerken und Medien. In der Steuerungsgruppe durfte ich die Erarbeitung des Berichtes und der Empfehlungen begleiten.

Bei der Begleitung dieses Projektes gab es natürlich auch für mich einige Entdeckungen.

  • In der Berichterstattung über Flüchtlinge erscheint „Flüchtling“ oft fast ein Beruf zu sein, denn das einzige biografische Detail, das oft berichtet wird, ist das Herkunftsland, aus dem der Flüchtling stammt. Welche Fähigkeiten, Begabungen und Erfahrungen Flüchtlinge haben, kommt in der Berichterstattung fast nicht vor. Dabei gäbe es sehr interessante Geschichten zu erzählen, das erlebte ich persönlich bei der Konsultation im September bei der Erarbeitung der Empfehlungen.
  • Frauen sind in der Medienberichterstattung deutlich unterrepräsentiert, auch das prägt die öffentliche Meinung.
  • Auch Medienberichterstattung, die von Sympathie geprägt ist, kann Flüchtlinge in eine Opferrolle bringen; sie werden zum Gegenstand mitfühlender Berichte, aber sind keine Subjekte, die selbst ihre Geschichten erzählen.
  • Obergrenze, Flüchtlingsflut – gegen mit solchen Begriffen verbundene sprachliche Bilder müssen wir positive Bilder setzen.

Dazu nochmals Präses Rekowski auf der Pressekonferenz:

Dies gelingt am besten, wenn wir die Menschen zu Wort kommen lassen, die bei uns angekommen sind, anstatt nur über sie zu reden, denn sie bereichern unsere Gesellschaft.



Video von der Präsentation des Berichtes im Brussels Press Club, hier die Einführung und Darstellung der wichtigsten Ergebnisse

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Gott – Freiheit – Welt: Jubileusz Reformacji in Polen

Festgottesdienst in der Warschauer Trinitatiskirche

Festgottesdienst in der Warschauer Trinitatiskirche

Auf Polnisch und Englisch lädt dieses Motto zu den Reformationsfeierlichkeiten ein. Gegenüber dem sonst gebräuchlichen Dreiklang „Gott – Ehre – Vaterland“ setzt sich die polnische evangelische Kirche ab, statt Nation und Ehre setzt sie Freiheit und Weltverantwortung und gibt sich durch die englische Übersetzung europäisch.

Reformationsmotto
Reformationsmotto: Gott – Freiheit – Welt

Rund 70.000 Gemeindeglieder hat die evangelische Kirche Augsburger Bekenntnisses in Polen  (Kościół Ewangelicko-Augsburski w Rzeczypospolitej Polskiej), das sind rund 0,2 Prozent der polnischen Bevölkerung. Wenn auch zahlenmäßig klein, hat diese Kirche das 500-jährige Jubiläum der Kirche groß in Warschau gefeiert. Schon auf den Anzeigetafeln in Bussen und Straßenbahnen sah man das Logo des Jubiläums und die Einladungen zu den Veranstaltungen von Freitag, 27.10. bis Sonntag 29.10.2017. Mehr von diesem Beitrag lesen

Podcast im Selbstversuch: Kirchensendungen auf Spotify?

Android Auto

Android Auto

Der Einbruch ins Auto und der Diebstahl des eingebauten Navis mit Autoradio in der Nacht vor dem Urlaub machten mich zum Podcasthörer im Auto. Für das ausgesuchte Ersatzgerät gab es Lieferengpässe, daher hatte ich für sechs Wochen nur ein Smartphone mit Bluetooth-Lautsprecher im Auto. Mehr von diesem Beitrag lesen

Social Media im Kirchenkreis: wer schaltet was?

35997159470_f6813b8dfe_kBin heute am Vormittag bei den bergischen Öffentlichkeitsreferentinnen und -referenten zum Thema Social Media im Kirchenkreis eingeladen. Hier einige Gedanken zum Gesprächsauftakt: Mehr von diesem Beitrag lesen

Refugees Reporting: Diese Stimmen müssen gehört werden

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Zurzeit führen CCME und WACC Europe eine Studie zur Medienberichterstattung über Flüchtlinge durch. Als WACC-Vertreter durfte ich vorgestern an einer Konsultation zu dieser Studie teilnehmen. Die Ergebnisse der Studie werden am 16. November in Brüssel vorgestellt. Beim Treffen ging es darum, die vorläufigen Ergebnisse dieser Medienuntersuchung mit Journalistinnen, Journalisten und Flüchtlingen zu interpretieren und Folgerungen daraus zu ziehen. Mehr von diesem Beitrag lesen

Beacons & Chatbots: Welcome Brave New World

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Die dmexco ist die weltweit größte Fachmesse für digitales Marketing & Werbung, sie findet seit seit 2009 jährlich in Köln statt. Nach fünf Jahren war ich wieder dabei, der zeitliche Abstand zwischen den Besuchen hilft, Entwicklungen deutlicher wahrzunehmen. Was vor fünf Jahren ein Buzzword war, gehört heute zum Fachjargon und ist Alltag im Marketing geworden.

Big Data stellt die großen Zusammenhänge dar, User Tracking (am besten als Cross Device und Cross Plattform Tracking) identifiziert Nutzerverhalten auf den verschiedenen Endgeräten und blendet individuell passende Werbung am Smartphone, Tablet und Büro-PC ein, die Werbenetzwerke kennen und erkennen den User in verschiedenen Kontexten. Das ist heute Normalität, vor fünf Jahren war Werbung auf mobilen Endegräten noch kein Standard. Mehr von diesem Beitrag lesen

Die gläserne Familie? – Gedanken zum Datenschutz

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„Papa, Papa, ich habe ein ‚musical.ly‘ gemacht, kann ich das online stellen?,“ so fragt die zehnjährige Tochter ihren Vater, als er nach Hause kommt. Neben ihr steht die Freundin, mit der sie gemeinsam das Musik-Video aufgenommen hat. Eine nicht untypische Momentaufnahme einer Familie, die eine musikbegeisterte Tochter im Teenager-Alter hat, und die deutlich macht, welche Komplexität das Thema Umgang mit personenbezogenen Daten in Familien haben kann.

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Gesellschaft 4.0 – Leistung bestimmt nicht unseren Wert

Weinberg

Weinberg

Bei Software werden die Versionsnummern hochgezählt, je höher, desto aktueller die Software. Ein Sprung zur nächsten ganzen Zahl bedeutet einen Entwicklungssprung nach vorne. Vom Web 2.0 redet heute niemand mehr, wir bewegen uns nun in der vierten Stufe der Digitalisierung, zumindest was die Arbeit angeht. Der Begriff Arbeiten 4.0 schließt an die Diskussion über die vierte industrielle Revolution (Industrie 4.0) an, legt dabei aber den Schwerpunkt auf Arbeitsformen. Abgeleitet davon dann von Gesellschaft 4.0 zu sprechen, bedeutet, unsere Gesellschaft über die Arbeit zu definieren: Was Du als Mensch bist, hängt von deiner Arbeit ab. Mehr von diesem Beitrag lesen

Wir brauchen Chorbischöfinnen – oder Social Media gehört in die Ortsgemeinde

Zukunft der Parochie„Die Zukunft der Parochie in Zeiten von Social Media und Digitalisierung. Entdeckungen, Chancen, neue Landkarten.“

Ich habe noch für den Untertitel ergänzt: „wir brauchen neue Chorbischöfinnen und Chorbischöfe“, nachdem ich nochmals etwas in die Kirchengeschichte und die Entwicklung der Parochie  geschaut habe.

Bisher habe ich Vorträge gehalten und Aufsätze verfasst mit Titeln wie „Jenseits der Parochie“ – aber ich weiß nicht, ob ich mit solch einem Titel zu diesem Vortrag auf der EKBO-Fachtagung „Hyperlink zur Ewigkeit“ am 17. Juli 2017 eingeladen worden wäre.

Daher wollte ich die Chancen der Parochie herausstellen. Dies hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe einige Positionen für mich neu gefunden.

Klar ist: Das Internet hält sich nicht an parochiale Grenzen, es legt sich in gewisser Weise über territoriale Abgrenzungen. Früher habe ich deshalb eingenständige Online-Gemeinde gefordert, heute sehe ich jedoch verstärkt Chancen im Social Media Engagement von Ortsgemeinden. Vor diesem Hintergrund bin ich einen Aufsatz durchgegangen, den ich vor vier Jahren mit Matthias Jung geschrieben habe.

Heute frage ich kritischer: Wollen (brauchen) wir reine Online-Gemeinden wirklich? Vor vier Jahren stand im Aufsatz noch ein Plädoyer dafür im Text. Heute sehe ich das kritischer. Mehr von diesem Beitrag lesen

Snapchat für Pfarrer? Als 18-jährige Schülerpraktikantin auf einem Pfarrkonvent

image2-2Letzte Woche war ich auf einem Pfarrkonvent dabei. Ich bin 18 Jahre jung und quasi mit dem Internet aufgewachsen und mache im Arbeitsbereich Kommunikation des Landeskirchenamtes ein Schülerpraktikum. Ich durfte einen Vortrag über Snapchat vor einer Gruppe von Pfarrerinnen und Pfarrern halten, die mindestens so alt zu sein schienen wie meine Eltern. Mein erster Gedanke, als ich diese Aufgabe erhielt, wie erkläre ich jemandem, der noch nie etwas davon gehört hat, Wörter wie Bitmoji, Snapcode, Memories, Shazam und andere. Mehr von diesem Beitrag lesen