Freie Daten – Freies Teilen – Frei sein

Die Tweets unten im Post geben (zusammen mit dem Video) den Diskussionsverlauf der Veranstaltung gut wieder. Zwischen Harald Geywitz und Matthias Kirschner hatte ich im Vorfeld ein größeres Maß an Meinungsverschiedenheit erwartet, so dass ich angenehm überrascht war, wo sie übereinstimmten: Vertrauen ist notwendig, so müssen die Kundinnen und Kunden einem Mobilfunkunternehmen vertrauen, dass es ihre Daten mit höchster Sorgfalt behandelt. Ebenso will Freie Software Vertrauen herstellen, denn die Offenlegung des Quelltextes ermöglicht Transparenz, die Grundlage für Vertrauen ist. Beide wandten sich auch gegen eine Alles-Kostenlos-Kultur im Netz, hierfür gab es auch große Zustimmung in der nachfolgenden Diskussion. Wenn niemand bereit ist, für Dienstleistungen zu bezahlen, dann geht das nur, wenn Unternehmen die Daten ihrer User monetarisieren. Andersherum: Wer für difitle Dienstleitungen zahlt, kann auch Datenschutz erwarten. Auch Freie Software darf Geld kosten. Pointiert: Geiz ist geil führt dazu, dass User mit ihren Darten bezahlen. Mehr von diesem Beitrag lesen

Kirche auf der #rp17: Nun im Programm, aber was ist ihr Programm?

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Eine gute Zusammenfassung der „christlichen Stunde“ auf der re:publica #rp17 bietet  Felix Neumann. Zuerst war evangelischerseits Professorin Johanna Haberer dran, dann katholischerseits Professor Andreas Büsch, mit ihm auf der gut gefüllten Bühne SPD-MdB Saskia Esken, Mitglied im Ausschuss „Digitale Agenda“.

Haberer verglich Google und Facebook mit der katholischen Kirche des Mittelalters. Ob durch Beichte oder exzessives Datensammeln, das Streben nach umfassenden Wissen über einen Menschen sei abzulehnen, da nur Gott unsere intimsten Geheimnisse kenne und kennen dürfe – so die Folgerung aus Psalm 139.

Die evangelische Kirche als Advokatin für Privacy, nur konsequent, dass Haberer selbst kein Facebook nutzt.

Büsch stellt das netzpolitischen Papier der (katholischen) Bischofskonferenz vor und konzentriert sich dabei auf Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit. Die SPD-Bundestagsabgeordnete kommentiert, aber Dissens kommt nicht auf. Büsch stellt abschließend fest, dass man nur in der Letztbegründung auseinanderliege, ob man „im Humanum bleiben will oder doch dieses Gott-Thema einbeziehen muss.“

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Erreicht man über eine Online-Gemeinde neue Zielgruppen? Impulse von der #ECIC22

Sanctuary First

Sanctuary First

Erstmalig wurden zwei Online-Gemeinden auf der Konferenz vorgestellt, die sich als offizielle Gemeinden ihrer Kirche verstehen. www.i-church.org ist eine Online-Gemeinde des anglikanischen Bistums Oxford. i-church ist als Kommunität aufgebaut und wendet die benediktinischen Mönchsregeln für den Aufbau der Gemeinde an.
Gegenüber der im Internet häufig vorkommenden Unverbindlichkeit setzt i-church darauf, dass Gemeindemitglieder verbindlich miteinander ihr Leben teilen und sich in ihrem Umfeld sozial engagieren. Die Website ist einfach gehalten, der Austausch der Gemeindeglieder erfolgt über Email und Foren.
Die Cyber-Gemeinde der dänisch-lutherischen Volkskirche ist unter www.cyberkirken.dk abrufbar. Die dänische Online-Gemeinde setzt auf modernste Technik. Über Webcam und Mikrofon kann man mit Webpastorinnen und -pastoren Verbindung aufnehmen, die zeitweise in der Cyberchurch Dienst tun, sonst aber in ganz normalen Kirchengemeinden arbeiten.
Die Technik ermöglicht der dänischen Online-Gemeinde, allen Gemeindegliedern ein virtuelles Gemeindehaus zur Verfügung zu stellen. In dem Haus gibt es verschiedene Gruppen, die sich zu bestimmten Zeiten treffen.

Vor zwölf Jahren waren dies Schlagzeilen von der Europäischen Christlichen Internet-Konferenz (ECIC), die sich 2005 zum zehnten Mal in Rom traf. Als dieses Jahr auf der ECIC in Warschau Vertreter der Kirche von Schottland eine schottische Internetgemeinde vorstellten, war dies nichts Außergewöhnliches mehr. Sanctuary First – so der Name der Gemeinde – zeigt, dass Online-Gemeinden in der Mitte des kirchlichen Lebens angekommen sind. Mehr von diesem Beitrag lesen

Fake News: An ihren Großuchstaben und Formatierungen sollt ihr sie erkennen!

Beim Einloggen auf Facebook bekam ich heute einen Hinweis auf Fake News eingeblendet mit einem Link auf eine Seite, die Tipps zum Erkennen eben solchiger anbot. Was ich da las, hat mich einigermaßen überrascht, Großbuchstaben im Titel und ungewöhnliche Formatierungen seien ein Hinweis auf Fake News. Mehr von diesem Beitrag lesen

Social-Media-Gottesdienst #unverzagt2017: Digitalisierung als Thema und Umsetzung

walls.io_unverzagt2017Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft und unseren Alltag. Angela Merkel hat für den Satz, dass Internet Neuland sei, viel Häme im Netz abbekommen. Für uns als Kirche ist die Digitalisierung in vielen Bereichen auch ein neues Land, in dem wir uns noch zurechtfinden müssen.

Zum Reformationsjubiläum feiert die Evangelische Kirche im Rheinland 95 Gottesdienste an besonderen Orten. Kirche macht sich auf in die Welt, sie zieht aus ihren Mauern aus und bewegt sich auf andere Lebensbereiche zu.

Kirche und Digitalisierung – wie geht das zusammen? An welchen Ort können wir uns aufmachen, um uns auch vom Ort inspirieren zu lassen? Ein Rechenzentrum war ein erster Gedanke, schied aber aus praktischen Gründen aus, da es Zugangskontollen gibt und ein Rechenzentrum nicht dafür ausgelegt ist, dass sich Menschen dort versammeln. Außerdem: ein Rechenzentrum ist ein Ort, wo Computer ihren Dienst verrichten, Digitalisierung wird aber von Menschen betrieben, Computer sind nur die Instrumente dafür. Also: dahin gehen, wo Menschen Digitalisierung umsetzen, zu einem IT-Dienstleister. Mehr von diesem Beitrag lesen

Lutherkondome: Ist Locker-Room-Banter wirklich witzig?

lutherkondomeSex sells – und Kirche und Kondome bringt immer Schlagzeilen. Das gilt auch für die von der evangelischen Jugendkirche Kirche Düsseldorf mit Luthersprüchen bedruckten Kondome. Wenn eine Aktion verunglückt ist und abgebrochen wird, ist in der Regel im Vorfeld schon viel kommunikativ schief gegangen. In der Öffentlichkeitsarbeit beim Abbruch einer Aktion geht es dann nur noch um Schadensbegrenzung.

Mein Thema ist nicht eine eingestellte Aktion, sondern die Reaktionen darauf in Social Media. Mehr von diesem Beitrag lesen

Ist Abstinenz die Lösung? Privacy versus Social Media

20170214_190956-3-sprechblaseGestern war ich bei einem Vortrag von Richard Stallman zum Thema: „Free Software, Your Freedom, Your Privacy“. Der Verstalter, die Gesellschaft für Informatik, fasst Stallmans Vortrag so zusammen:

Die Bewegung für Freie Software setzt sich für die Freiheit der Kollaboration und der Kontrolle der Computernutzung durch den Einzelnen ein. […] Demokratie braucht den Schutz der Privatsphäre und Privatsphäre braucht den Schutz vor digitaler Überwachung. Freie Software kann einige Pfade der Überwachung verschließen, aber es braucht gesetzliche Maßnahmen, um Überwachung grundsätzlich zu blockieren.

Also: Freie Software gibt dem einzelnen die Kontrolle über seinen Computer und seine Daten, oder im Umkehrschluss: Proprietäre Software ist Unrecht. Wäre der Versammlungsort kein Hörsaal der Uni Köln gewesen, sondern eine Kirche, Stallman hätte als Prediger durchgehen können, der seine Gemeinde auf ihre Mission einschwört. Er ist überzeugend, Botschaft und persönliches Handeln stimmen überein. Stallman predigt nicht nur gegen proprietäre Software, er nutzt auch keine persönlich. Er hat – so sagt er – deswegen kein Smartphone, denn iOS und Android mit GooglePlay sind keine freien Systeme, die er als User kontrollieren könnte, sondern ferngesteuerte Handys, die ungewollt und unkontrollierbar Datenspuren hinterlassen. Aus demselben Grunde auch hört er kein Spotify oder nutzt nicht Netflix, Stallman wörtlich: „Kein Film kann so gut sein, dass ich deswegen Netflix nutze.“

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Seelsorge, Social Media und Schule

medium_cover-1485813555Letzte Woche durfte ich einen Vormittag auf einer Fortbildung für Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger zum Thema Social Media gestalten.

Zunächst Daten und Zahlen, die Online-Nutzung bei Jugendlichen steigt kontinuierlich,  ein guter Gradmesser ist die ARD/ZDF-Onlinestudie 2016:

„Je jünger die Befragungsteilnehmer der Onlinestudie, desto stärker steigt ihre
Nutzungsdauer . Bei den 14 – bis 29-Jährigen um eine gute halbe Stunde auf 4:05 Stunden pro Tag“

„Unter den Social Media-Angeboten rangiert Facebook vorne: Facebook
verzeichnet 34 Prozent mindestens wöchentliche Nutzung – mit einem Plus von
sieben Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Instagram steigert sich auf 9 Prozent wöchentliche Nutzung. Es sind vor allem die ganz Jungen, die das Netzwerk erreicht: 55 Prozent der 14-bis 19-Jährigen sind wöchentlich oder öfter auf Instagram, 27 Prozent der 20-bis 29-Jährigen. Snapchat liegt mit 5 Prozent wöchentlicher Nutzung auf Platz 3 in Deutschland. Das Besondere bei Snapchat ist, dass von den 14-bis 19-Jährigenjeder Zweite den Dienst auf wöchentlicher Basis nutzt(49Prozent).Von den 20-bis 29-Jährigen sind es nur 9 Prozent und in älteren Zielgruppen fast niemand. Twitter stagniert mit 4 Prozent wöchentlicher Nutzung auf niedrigem Niveau.“ (ARD/ZDF-Onlinestudie 2016)

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#reformaction: Handeln wir oder lassen wir uns beschenken?

www-reformaction2017-de_alle-challengesDie  Ice Bucket Challenge machte im Sommer 2014 die Runde auf Social Media. Sie sollte auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen und Spendengelder für deren Erforschung und Bekämpfung sammeln. Die Herausforderung bestand darin, sich einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf zu gießen und danach drei oder mehr Personen zu nominieren, es einem mit Ice Bucket Challenge binnen 24 Stunden gleichzutun, sowie 10 US-Dollar bzw. Euro an die ALS-Gesellschaft zu spenden.
Die Idee der Challenge, dass man sich einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf schüttet und so – für einige Sekunden – auch ein Mal das Gefühl der Lähmung im Körper spürt, das ein Erkrankter sein Leben lang ertragen muss. Wem das zu nass oder kalt war, sollte 100 US-Dollar bzw. Euro an die ALS-Gesellschaft spenden.

Seit der äußerst erfolgreichen Ice Bucket Challenge tauchen viele Challenges im Social Web auf. Wen wundert es, dass auch die Öffentlichkeitsfachleute der EKD mit Unterstützung einer Agentur die #reformaction erfanden. Auf der Website lesen wir:

Wir feiern 500 Jahre Reformation! Mit Challenges unter dem Motto „Gemeinsam Großes bewegen“ zeigen wir, dass Glaube bewegt und verbindet. An jeder Challenge sollen möglichst 500 Menschen teilnehmen.

Beteilige dich und erzähle anderen davon! Ab sofort kann jeder Ideen für eigene spannende Challenges einreichen. Mit der Vaterunser-Challenge versuchen wir das Gebet in 500 verschiedenen Sprachen und Dialekten einzusprechen. Bist du dabei?

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Soll man mit AfD-Vertreterinnen und -Vertretern reden? Ja, muss man.

http___praesesblog-ekir-de_von-pluHauptthema der medialen Berichterstattung über die rheinische Landessynode war die Auseinandersetzung mit der AfD.  Kurz vor Synodenbeginn am 8. Januar hatte idea eine Vorabmeldung  zu einem Streitgespräch zwischen Präses Manfred Rekowski und AfD-Sprecherin Frauke Petry veröffentlicht, welches in der ersten Dezemberhälfte (nicht: Ende Januar wie von idea berichtet) auf Einladung von idea im Düsseldorfer Landeskirchenamt stattfand. Der vollständige Text des Doppelinterviews Rekowski / Petri wurde einige Tage später während der Synode veröffentlicht. Mehr von diesem Beitrag lesen