Bobby-Car, Kopfhörer und Apfelbäumchen – oder doch Gott?

Mitgliedschaftswerbung

Mitgliedschaftswerbung

Warum Mitglied der Kirche werden? In Lechenich bei Erftstadt gibt es Prämien für die Gemeindeglieder, die neue Mitglieder werben. Die Werberinnen und Werber erhalten als Dankeschön für das neu gewonnene Gemeindemitglied als Prämie beispielsweise ein Bobby-Car, einen Kopfhörer oder Apfelbäumchen. Diese Aktion gibt es schon seit März, bin heute aber durch Holger Pykas Blogpost erneut darauf gestoßen.Dies ist keine Satire – wie Holger Pyka erst vermutete – sondern protestantische Realität. Positiv ist, dass eine Kirchengemeinde sich nicht damit abfindet, dass sie schrumpft, sondern wieder wachsen will.  Allerdings muss sie dafür auch einen Grund haben und benennen können, hier ist die Gemeinde sehr ehrlich. Mögliche Kritik vorwegnehmend antwortet Pfarrer Helmut Schneider-Leßmann:

 

Nun höre ich den Aufschrei: „Das ist der Ausverkauf von Kirche!“. Vielleicht haben Sie dann andere Ideen, wie wir dem Schwund unserer Gemeinde entgegenwirken können. Durch Todesfälle und Wegzüge sank die Zahl unserer Gemeindeglieder von 5.751 im Jahr 2011 auf heute 5.195. Das bedeutet weniger Einnahmen. Dafür steigen die Kosten für Personal,Gebäude, Energie und Verwaltung. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Kirche ist immer Kirche im Aufbruch – es bleibt spannend und aufregend, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

 

Habe ich richtig gelesen, die Motivation zur Werbung neuer Mitglieder liegt darin, dass die Gemeinde die steigenden Kosten für Personal,Gebäude, Energie und Verwaltung weiter stemmen kann? Neue Mitglieder sollen aufgrund des ökonomischen Drucks, der auf der Gemeinde lastet, gewonnen werden. (An einer Stelle habe ich sogar gelesen, dass es die Prämien nur für neu gewonnene, zahlende Mitglieder gibt.) Falls die potenziellen Gemeindeglieder sich fragen, was Ihnen denn die Kirchenmitgliedschaft bringt, antwortet die Gemeinde:

Was habe ich von der Mitgliedschaft in der Kirche?

Die Kirche ist eine große Gemeinschaft. In ihr tauschen sich die Menschen über ihren Glauben aus und bekommen dadurch neue Anregungen für die großen Fragen nach Ursprung, Sinn und Ziel des Lebens. Darüber hinaus erwerben Sie mit der Kirchenmitgliedschaft verschiedene Rechte, z. B. das Recht, ein Patenamt zu übernehmen, kirchliche Dienste in Anspruch zu nehmen (z. B. die kirchliche Trauung, das kirchliche Begräbnis) und an vielen Angeboten Ihrer Kirchengemeinde teilzunehmen. Sie haben zudem das Recht, an den alle sechs Jahre stattfindenden Wahlen zum Leitungsgremium teilzunehmen, selbst zu wählen oder sich in ein kirchliches Amt wählen zu lassen.

 

Die Reformation sprach vom homo curvatus in se, ich sehe hier eine ecclesia curvata in se, sie ist nur noch auf sich selbst bezogen und redet nicht mehr von Gott. Ohne Gott ist die Kirche aber nichts anderes als ein Verein, wie es viele andere auch gibt, dabei verliert sie allerdings ihr Alleinstellungsmerkmal (um die Marketingsprache zu gebrauchen) Gott. Wo, wenn nicht in der Kirche, können wir von Gott reden? Fehlt uns etwa die Sprache, niederschwellig von Gott zu reden, dass wir lieber ganz darauf verzichten? — An dieser Stelle, bei aller Kritik, die positive Anmerkung, dass die Gemeinde Lechenich einen niederschwelligen Weg wählt.

Erstaunlich ist, dass die Verantwortlichen für diese Aktion in Lechenich im ADAC ein Vorbild sehen, der  „mit seinen ‚gelben Engeln‘ auch erst einmal eine Anleihe im Religiösen“ aufnimmt. Wenn schon der Automobilclub mit religiöser Symbolik wirbt, um wieviel mehr hätte die Kirchengemeinde jedoch religiöse Gründe für den Kircheneintritt anführen können und Gott zur Sprache bringen können, wenn man sich schon auf den ADAC beruft; so aber bleibt es nur bei einer sehr innerweltlichen und ökonomischen Kostennutzenrechung für die Kirchenmitgliedschaft.

Fairerweise muss man sagen, dass sich diese Aktion nur noch übers Googlen auf der Gemeindehomepage finden lässt, der ADAC ist nach den letzten Enthüllungen auch  kein Vorbild mehr, sondern wird selbst von Austrittswellen gebeutelt.

Ganz kann ich es auch nicht glauben, dass in Lechenich nur wegen „Wegzügen und Tdesfällen“ die Gemeindegliedezahlen sinken. Aus verschiedenen Quellen höre ich, dass aufgrund der nun über die Banken eingezogene Abgeltungssteuer sich auch die Kirchenaustritte vielerorts mehren. Es gibt Tipps, wie sich über den Kirchenaustritt Steuer vermeiden lässt. Kirchenmitglieder, die einen Austritt erwägen,  zu halten, ist daher ein Gebot der Stunde.

Natürlich darf man dabei aufzählen, was die Kirche alles Gutes tut, welche Angebote sie für Ihre Mitglieder macht, aber damit es nicht zu einer rein wirtschaftlichen Abwägung kommt – welche kirchlichen Dienstleistungen gibt es gegen wieviel Geld – ist es entscheidend, dass wir auch von Gott reden.

Es gibt sicherlich viele positive Beispiele, wie Gemeinden auf ihre Mitgliederzugehen, ein gelungenes Beispiel zeigt dabei die Gemeinde Heftrich:

 

Schauen Sie selbst, was unsere Kirche alles bewegt:
Vieles in der Kirche wird von Ehrenamtlichen mitgetragen. Dennoch entstehen Kosten. Die Vielzahl an Angebote und Hilfen kann es nur geben, weil Menschen wie Sie Kirchensteuer zahlen – auch dann wenn Sie diese zu bestimmten Zeiten selbst vielleicht nicht nutzen. Indem einer für den anderen einsteht, sind wir eine starke Gemeinschaft. Für Ihren Beitrag danken wir Ihnen! Übrigens: Bei der Steuererklärung ist Ihr Beitrag wie eine Spende steuerabzugsfähig.

 

Als Gemeinden in Heftrich und Bermbach engagieren wir uns für Menschen in verschiedenen Lebensphasen:

 

  • Mit einer Vielzahl von Angeboten für Kinder und Jugendliche zeigen wir den Jüngsten in unserer Mitte einen Weg zu Gott und zum Glauben. Wir tun das, weil wir davon überzeugt sind, dass wir Menschen unser Leben mit seinen Höhen und Tiefen besser meistern, wenn wir wissen, wer Gott ist und dass er für uns da ist.
  • Im Religionsunterricht an den Schulen vermitteln wir den Schülerinnen und Schülern Wissen zu den Grundfragen des Lebens. Damit leisten wir unseren Beitrag zu der Werteerziehung. Diese wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger, damit wir eine solidarische Gesell-schaft bleiben, in der Menschen nicht alleine gelassen werden.
  • Unser Besuchdienst und unsere Nachbarschaftshilfe besucht diejenigen, die selten Besuch bekommen und die sich alleine fühlen.
  • Unsere Pfarrerinnen und Pfarrer besuchen Menschen in unseren Gemeinden, die Lasten zu tragen haben und denen etwas auf der Seele brennt. Als Seelsorger sind sie Ansprechpartner für viele, die ein offenes Ohr suchen.
  • Wir feiern Gottesdienste am Sonntag, in denen wir auf Gottes Wort hören und danach fragen, wie Gott für uns sorgt und was er von uns erwartet. Wir feiern in diesen Gottesdiensten das Leben und das kann man auch merken.
  • Wir feiern Gottesdienste an den besonderen Momenten des Lebens: wenn ein Mensch geboren wird feiern wir mit der Familie Taufe, wenn ein Paar bei der Trauung Ja zueinander sagt, bitten wir Gott um seinen Segen für den gemeinsamen Lebensweg, wenn ein Mensch verstirbt, nehmen wir bei der Beerdigung in einem würdigen Rahmen Abschied und suchen Trost bei Gott.
  • Unsere Seniorenclubs bieten Geselligkeit und Heimat für unsere älteren Mitbürger. Sie sind ein Ort, an dem man sich trifft und die Gemeinschaft genießen kann.
  • Wir engagieren uns im Verbund mit den anderen Gemeinden im Idsteiner Land für arme Menschen. Die Tafeln im Untertaunus versorgen viele hundert Menschen mit Lebensmitteln und dem Nötigsten, das sie sich selbst nicht mehr leisten können.
  • Wir engagieren uns mit der Diakoniestation für alte und behinderte Menschen, die Hilfe beim täglichen Leben brauchen. Unsere Schwestern und Pfleger versorgen und begleiten diese Menschen und beraten ihre Angehörigen. Unser Diakonie-Förderverein finanziert „Zeit für Menschlichkeit„.
  • Wir geben den Menschen ein Zuhause, die aufgrund einer seelischen Erkrankung Begleitung brauchen. Dazu betreibt unsere Diakonie eine Tagesstätte und ein Wohnheim für psychisch Kranke.
  • Unsere Notfallseelsorge ist zur Stelle, wo Menschen durch Notfälle oder akute Krisen Begleitung brauchen.
  • Unsere Hospizbewegung Idstein, die wir gemeinsam mit den katholischen Gemeinden tragen, begleitet zu Tode erkrankte Menschen und ihre Familien auf ihrem letzten Weg.
  • In Krankenhäusern und Altenheimen haben unsere Klinikseelsorger Zeit für die Patienten.
  • Unsere bundesweite Diakonie, der soziale Dienst der evangelischen Kirche, unterhält Krankenhäuser und Altenheime und bietet für viele Menschen mit Behinderung ein Zuhause.
  • Für die Krisen des Lebens haben wir viele Beratungsangebote, die jeder nutzen kann. Dazu gehört zum Beispiel auch die Telefonseelsorge oder Angebote im Internet.
  • Gemeinsam erheben wir als Evangelische Kirche in Deutschland unsere Stimme für die, die nicht gehört werden. Wir mischen uns ein, wenn in Politik und Wirtschaft Dinge falsch laufen und die Gerechtigkeit, das friedliche Zusammenleben und unsere Schöpfung gefährdet sind.
  • In der weltweiten Ökumene sorgen wir für Menschen in den armen Ländern des Südens und Ostens. Wir sind da mit unserer Hilfe zur Stelle, wo Katastrophen und Kriege geschehen, zum Beispiel mit „Brot für die Welt“ oder der „Diakonie Katastrophenhilfe„.

Jesus selbst ist uns ein Vorbild:

  • „So wie ich euch diene, so soll einer dem anderen dienen“, hat Jesus gesagt.

Alles was wir als Kirche und Gemeinde tun, orientiert sich an dem einfachen Gebot Jesu:

  • „Du sollst Gott, deinen Herrn lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit deinem ganzen Verstand. Und du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“

Gemeinsam sind wir als Kirche Jesu Christi eine starke Gemeinschaft!

Gott sei Dank!

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