Facebook-Titelbilder: Ein echter Prädikant

Was soll, was kann  ein Facebook-Titelbild einer kirchlichen Website (konkret: https://www.facebook.com/ekir.de) zeigen? Was geht? Was nicht? Zum einen macht Facebook selbst Vorgaben. Das betrifft sowohl die inhaltliche Gestaltung, aber auch das Format. Bestimmte Motive gehen wegen des Querformates einfach nicht.

Viel schwieriger war jedoch die inhaltliche Abstimmung im Team, was wir auf unserem Titelfoto haben wollen. Es ist ja auch eine Art Programm für die Facebook-Page. Wir konnten schnell sagen, was wir alles nicht wollten. Kein Kirchengebäude, denn bei Facebook geht es um Kommunikation von Menschen und nicht um Kirchenarchitektur. Außerdem waren wir bereit, uns auf ein Foto einzulassen, zu diskutieren, was uns wichtig ist und uns für eine Aussage zu entscheiden. Daher kam auch für uns kein  Mosaik vieler Fotos in Frage. Dies wäre nur eine Kompromisslösung, weil wir uns nicht hätten entscheiden können.

Also: Welches Foto? Eine Stockfoto-Recherche führte uns zwar zu guten Bildmotiven, aber sie gingen nicht für die rheinische Kirche. Berge im Hintergrund sind eben nicht rheinisch oder eine Pfarrerin mit lutherischem Beffchen wirkt nicht identitätsstiftend für eine unierte Kirche mit reformiertem Einschlag.

Eine Konsequenz der Bildersuche in Datenbanken:  wir  wissen nun, wir wollen ein „echtes“ Foto. Cool wäre ein Open-Air-Gottesdienst. Dann hätten wir feiernde Menschen und auch einen Gottesdienst, also die Aussage, Verkündigung ist uns wichtig. Ein blauer Himmel und Sonnenschein würden sich auch atmosphärisch gut machen. Allerdings lässt sich Sonne in diesem Sommer nicht bestellen und ein verregneter Gottesdienst sähe nun wirklich nicht einladend aus. Außerdem: ein Sonnen-  oder Sommerfoto müsste im Herbst auf jeden Fall gewechselt werden.

Also doch eine Innenaufnahme: eine Kirche, aber von innen. Gemeinde mit Chor würde die Kirchenmusik zu stark betonen. Nur Gemeinde? Oder mit Pfarrer? Oder auf jeden Fall eine Pfarrerin? Beim Gebet? Oder beim Segen?

Mit der Kirche haben wir Glück, Fotoaufnahmen in der Gemarker Kirche in Wuppertal  ließen sich unproblematisch organisieren. Auch wenn wir in der rheinischen Kirche keine Hauptkirche haben, Gemarke steht für Barmen und die Barmer Theologische Erklärung ist grundlegend für unsere Kirche.

Wir fragen noch in unserer Facebook-Gruppe nach. Nur keine grauen Haare geben uns unsere Gruppenmitglieder noch mit zur Foto-Session.

Da wir uns auf den Segen verständigt haben, sind wir auch beim Pfarrer bzw. der Pfarrerin, die oder der den Segen der Gemeinde zuspricht. Da wir keinen Schauspieler wollen, sind wir auf die angewiesen, die regelmäßig in der Gemeinde predigen und auch zum Foto-Termin können. Zufällig ist es ein Mann  –  können wir das unter Gendergesichtspunkten auch vertreten? Wie viele Personen brauchen wir für die Gemeinde? Wir unternehmen zwei Anläufe. Eine Frau und einen Jugendlichen wählen wir beim zweiten Mal aus. Als wir die Fotos zur Auswahl vorliegen haben, überlegen wir kurzfristig, doch nur den Geistlichen zu zeigen. Aber das wäre dann doch zu pastoral, wir wollen keine Pastorenkirche darstellen.

Was muss noch im Kirchraum zu sehen sein? Eine  Altarbibel? Eine Kerze? Das Kreuz? Oder dürfen diese Gegenstände auch durch den Liturgen verdeckt sein?  Was ist so wichtig, dass es unbedingt auf dem Bild sein muss? Gute Fragen, die wir fürs nächste Foto-Shooting alle beantworten wollen. Denn Facebook ist eine Baustelle, wie uns ein User schrieb, daher wissen wir um die Halbwertszeit bei Facebook, das gilt natürlich auch fürs Cover-Foto.

Als wir unser Titelbild online stellten, gab es „Gefällt mir“-Klicks und auch Fragen, die wir vorher im Team auch diskutiert hatten.

Auf eine Frage konnten wir jedoch schnell eine Antwort geben, so wollte jemand wissen:  „Ist das ein echter Pfarrer?“ – und wir konnten gut rheinisch antworten: „Er ist ein echter Prädikant“ – denn eine Pastorenkirche ist die Evangelische Kirche im Rheinland nämlich nicht, auch wenn ein Talarträger auf ihrem Facebook-Titelfoto ist.-

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One Response to Facebook-Titelbilder: Ein echter Prädikant

  1. Jordanus says:

    Immer wieder faszinierend, wieviel Gedanken Ihr Euch macht. Wenn man jede Kleinigkeit abstimmen muss, geht bestimmt viel Zeit den Bach runter. Dabei kann man das Bild auch einfach austauschen, wenn kein Konsens mehr darüber besteht!
    Ich finde das Bild drückt aber doch eine gewisse Fixierung auf Pfarrer aus. Auch wenn er kein Pfarrer ist, sieht er aus wie ein Pfarrer. Und unwillkürlich fragt man sich doch, ob das wirklich Kirche ist, ob der Pfarrer wirklich die Kirche ausmacht. Warum nicht ein Bild von der Gemeinschaft?
    Andererseits: Das mit dem Segen ist natürlich auch nett!

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