Etwas mehr Aufmerksamkeit

Seit letztem Sonntag geht es mir nach. Anmeldegottesdienst für die Katechumenen, wir waren per Brief dazu eingeladen worden. Im Brief auch der Hinweis, diese Einladung weiterzugeben, wenn man andere Kinder im Katechumenenalter kenne, die diese Einladung vielleicht nicht erhalten hätten.

 

Das habe ich getan, aber die Eltern des Nachbarskindes hatten schon Probleme beim Ausfüllen des Formulars. Die Kategorie, katholisch getauft, aber kein Mitglied der katholischen Kirche mehr, stattdessen aber Teilnahme am evangelischen Religionsunterricht, war nicht vorgesehen. Ich las den Brief erneut. Eingeladen wurden evangelisch getaufte Kinder oder ungetaufte Kinder evangelischer Eltern und der Hinweis, die Einladung weiterzugeben bezog sich darauf, dass das Gemeinderegister eventuell nicht alle dieser Kinder enthalte.

Was spricht aber eigentlich dagegen, auch interessierte konfessionslose Kinder zum Katechumenen-Unterricht einzuladen? Zumal der Unterricht im ersten Jahr in dieser Gemeinde darauf angelegt ist, dass die Katechumenen niederschwellig die Gemeinde kennenlernen. Hier böte sich gut die Gelegenheit, dass interessierte Jugendliche die Gemeinde und Kirche kennenlernen und dann nach einer gewissen ich entscheiden, ob sie konfirmiert werden wollen.

Am Ende des kirchlichen Unterrichts sind sie mündige Christinnen und Christen, da wäre es doch nur konsequent, wenn die Gemeinde interessierte Jugendliche in den Blick nähme, ohne sich vorher zu vergewissern, dass ihre Eltern (oder zumindest ein Elternteil) evangelische Kirchenmitglieder sind.

Wenn man – gerade im Hinblick auf die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung – den Traditionsabbruch beklagt, muss doch gleichzeitig die Möglichkeit schaffen, dass Jugendliche zur Kirche kommen, ohne in einer evangelischen Familie vorab religiös sozialisiert worden zu sein.

Die Anmeldung war nach dem Gottesdienst vorgesehen, der Gottesdienst selbst wurde vom gegenwärtigen Konfirmandenjahrgang gestaltet. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden stellte der Pfarrer vor, sich selber aber nicht. Welches Selbstverständnis drückt sich darin aus, dass jeder den Pfarrer kennen muss, auch wenn einige Gottesdienstbesucherinnen und –besucher vielleicht aus Anlass der Anmeldung zum Kirchlichen Unterricht vielleicht das erste Mal in diese Kirche gehen? Oder ist es vielleicht nur Gedankenlosigkeit, dass man sich nicht in die Lage eines Menschen versetzt, der neu in diese Gemeinde kommt — oder ist solch ein Fall gar nicht vorgesehen.

Nach dem Gottesdienst kam der zweite Pfarrer dran, nachdem Pfarrer Numero Eins die Gemeinde verabschiedet hatte und nur die gebeten hatte sitzen zu bleiben, die sich zum Kirchlichen Unterricht anmelden wollten. Während nun ein Großteil der Gemeinde aus der Kirche strömte, bestand bei den Eltern und Jugendlichen eine gewisse Verunsicherung, ob nun der Info-Teil für Jugendliche oder für Eltern oder für beide folge. Auf jeden Fall wirkte die Anmeldung etwas lieblos an den Gottesdienst drangeklatscht.

Nach den obligatorischen Hinweisen auf den verpflichtenden Gottesdienstbesuch verabschiedete sich der Pfarrer mit der Aufforderung, die Anmeldezettel auf einen Tisch im Altarraum zu legen. Das war es.

Unsere Nachbarn mit dem katholisch getauften, aber zurzeit konfessionslosen Kind, mussten sich alleine durch das unpassende Formular kämpfen, während ich das Formular schnell ausfüllen konnte und auf den Tisch legte und zum Kirchcafé ging

Der von den Konfirmandinnen und Konfirmanden gestaltete Gottesdienst hat mein Tochter und mich mitgenommen, aber es sind eben diese Kleinigkeiten, die Unbehagen auslösen. Etwas mehr Aufmerksamkeit in der Vorbereitung und Durchführung und die Gemeinde könnte sehr einladend sein.

Während ich mit unsern Nachbarn dann beim Kirchcafé stand, rief ich doch noch meine Tochter, ging mit ihr zum Pfarrer und stellte sie vor. Wenigstens ein persönlicher Gruß zum Abschied, soviel Aufmerksamkeit muss schon sein.

 

 

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One Response to Etwas mehr Aufmerksamkeit

  1. Bernd says:

    Bei der Gelegenheit:

    Viele Gemeinden haben eine eigene Homepage.
    Versuch mal, die Adresse der Kirche zu finden!

    Wie oft habe ich als ein Ortsfremder versucht, über die Homepage der Gemeinde die Adresse ihrer Kirche herauszufinden.

    Warum meinen so viele, die Adresse müsste doch allen bekannt sein?
    Als sei das Gebäude der Nabel der Welt…

    Was ich mal wieder herauskramen muss:

    Kommunikation. Wie christlicher Glaube funktioniert. (Bd. 13), Kreuz-Verlag 1982
    von Hans-Dieter Bastian

    Alles weit vor Internet und Mailboxen.
    Und doch: Der Titel hat immer noch recht!

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