Snapchat für Pfarrer? Als 18-jährige Schülerpraktikantin auf einem Pfarrkonvent

image2-2Letzte Woche war ich auf einem Pfarrkonvent dabei. Ich bin 18 Jahre jung und quasi mit dem Internet aufgewachsen und mache im Arbeitsbereich Kommunikation des Landeskirchenamtes ein Schülerpraktikum. Ich durfte einen Vortrag über Snapchat vor einer Gruppe von Pfarrerinnen und Pfarrern halten, die mindestens so alt zu sein schienen wie meine Eltern. Mein erster Gedanke, als ich diese Aufgabe erhielt, wie erkläre ich jemandem, der noch nie etwas davon gehört hat, Wörter wie Bitmoji, Snapcode, Memories, Shazam und andere.

Falls auch Sie nicht zur „Snap-Generation“ gehören und dies alles Neuland ist und sich jetzt fragen: „Snapchat? Was ist denn das?“, – Snapchat ist eine kostenlose App für mobile Endgeräte, um Bild- und Videonachrichten zu versenden. Aufnahmen, egal ob Foto oder Video, können dann mit Filtern, Effekten, Emojis und Texten versehen werden.

Ich stand dann mit meinen 18 Jahren vor 15 bis 20 Pfarrerinnen und Pfarrern, deren Mehrzahl der Generation 50+ anzugehören schien. Mein Handy am Beamer angeschlossen, so dass ich live meinen Bildschirm zeigen konnte. Es ist komplizierter als man denkt, erstmal den Aufbau von Snapchat zu erklärt (wo man was findet..), was man alles machen kann, was für Einstellungen es gibt, wie man seine Daten schützen kann und so weiter.

Was mich überrascht hat, dass das Thema Datenschutz für diese Generation ziemlich unverständlich und auch kompliziert ist. Für mich ist klar, dass ich bei verschiedenen Features verschiedene Privatsphäreeinstellungen setze, so bestimme ich, wer was von mir wissen darf. Einige stellten grundsätzliche Fragen zum Datenschutz, für andere waren Detaileinstellungen zum Datenschutz kein Thema, da sie von vorne rein nur das in Social Media einstellen, was sie auch weitergeben wollen.

Sie waren ziemlich erstaunt, als ich davon erzählt habe, dass man über Snapchat sehen kann, wo seine Freunde gerade sind. Beim Vorstellen dieses Features kam direkt die kritische Rückfrage, ob das kein Stress gibt, wenn man zum Beispiel sieht, dass die Freundin gerade bei einem Jungen ist, obwohl sie erzählt hat, sie müsste heute zuhause bleiben. Bei mir ist sowas zum Glück noch nicht vorgekommen. Natürlich kann es wegen dieser Funktion Ärger geben, aber ich war schon erstaunt, dass als allererstes gesehen wird, was schief gehen kann. Als diese Funktion bei Snapchat aufkam, bin ich zunächst meine Freundesliste durchgegangen, wer sehen darf, wo ich bin. Außerdem aktualisiere ich diese Liste regelmäßig.

Für meinen Vortrag habe ich durch die Reihe weg nur positives Feedback bekommen, worüber ich mich auch riesig gefreut habe. Es schien mir, als hätte ich ihnen eine völlig neue Welt gezeigt. Allerdings hatten die Pfarrerinnen und Pfarrer danach noch immer so einen skeptischen Blick drauf, als würden sie noch immer nicht ganz verstehen, weswegen man Snapchat haben muss und warum es so populär ist.

Ich denke nicht, dass sich eine Person von ihnen Snapchat herunterladen wird. Sie schienen mir so, dass sie trotz des positiven Feedbacks und der interessierten Fragen noch sehr skeptisch blieben. Ich denke, mein Vortrag hat ihnen deutlich gemacht, wie die Generation Snapchat tickt und sie haben selber gemerkt haben, dass sie in einer anderen Welt leben als meine Generation.

Bei den anderen Vorträgen über Facebook und Twitter wurden Fragen gestellt, auf welche ich nie gekommen wäre. Eine Frage ist mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben, als jemand gefragt hat, ob man auf Hashtags eine Art Patent bekommen kann. Der Wunsch war ganz deutlich, alles kontrollieren zu wollen. Aber Social Media funktioniert anders, keine zentrale Kontrolle, Menschen nutzen einfach, was ihnen Spaß macht oder ihr Leben vereinfacht. Daher war es immer logisch für mich, dass jeder Hashtag von jedem Menschen genutzt werden kann unter allen Dingen, unter die jemand den Hashtag setzen will.

Große Social Media-Fans werden diese Pfarrerinnen und Pfarrer meiner Meinung nach nicht werden, aber vielleicht war mein Vortrag ein kleiner Anstupser, sich auf neue Netzwerke einzulassen. Vielleicht nutzen sie weitere Plattformen außer WhatsApp und Skype.

Und wie sagt man so schön: Übung macht den Meister, dass gilt auch für Pfarrerinnen und Pfarrer, wenn sie sich in sozialen Netzen bewegen.

Maresa Hanke

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