Was wir von Suchmaschinen wissen sollten….

Für die meisten Menschen sind Suchmaschinen die Gatekeeper zur weiten Welt des Internet. Immer wieder erlebe ich es, dass Menschen in den Suchschlitz von Suchmaschinen Internetanschriften von Websites eintippen und so über den Umweg einer Suchmaschine eine Internetseite aufrufen.

Laut Googlewatchdog hat Google derzeit in Deutschland einen Marktanteil von über 90 Prozent, d.h. für neun von zehn Personen strukturiert Google, was sie im Web finden und wahrnehmen. Daher sollte eigentlich jeder wissen, wie Google-Suchtreffer zustande kommen.

In einem Gastbeitrag mit dem Titel „Mehr Transparenz: Was wir von Suchmaschinen wissen wollen“ schreibt Jürgen Geuter in der Rubrik Netzwelt von Spiegel Online:

„Google und andere Suchmaschinen sind nicht neutral, sie nehmen Bewertungen vor. Nur so können wir im ständig wachsenden Internet noch sinnvoll etwas finden. Aber damit Nutzer den Suchdiensten vertrauen können, müssen die sich endlich an ein paar Spielregeln halten. Die ständig wachsenden Datenmengen im Internet sind heute ohne Suchmaschinen nicht mehr zu beherrschen. Dabei kommt ihnen eine besondere Bedeutung zu: Denn was nicht gefunden werden kann, existiert nicht. Die Suchmaschine ist heute für viele der direkte Zugang zum Netz, die Startseite. Nun werden die erfolgreichen Suchmaschinen, allen voran Google, nicht von am Gemeinwohl orientierten Organisationen betrieben, sondern von marktwirtschaftlich operierenden, globalen Konzernen.“

Geuter stellt daher Forderungen auf, an die sich Suchmaschinen halten sollten, damit Nutzerinnen und Nutzer  ihnen bzw. ihren Ergebnissen vertrauen können.

Zunächst: Suchmaschinen sind nicht neutral. Auch wenn die meisten User wahrscheinlich Gegenteiliges vermuten, nämlich dass eine Maschine „neutrale“ Ergebnisse liefert.  Im Gegenteil: Eine Suchmaschine liefert immer dann besonders brauchbare Ergebnisse, wenn sie meine Suchanfrage interpretieren kann. „Paris Hilton“ kann die Suchanfrage nach einem Pariser Hotel oder einem amerikanischen Star sein. Je mehr die Suchmaschine von mir weiß, desto besser kann sie interpretieren, was ich wirklich wissen will. Oft nehme ich es sogar nicht wahr, dass die Suchmaschine interpretiert.

Solch eine Interpretation an sich ist nicht verwerflich, allerdings müssen dabei Kriterien eingehalten werden.  Beworbene Webseiten zu bevorzugen, geht nicht.

Daher Geuters Forderung, Suchergebnissen und die Werbung der Suchmaschinen für Angebote aus dem eigenen Medienkonzern, streng zu trennen:

„So besteht immer die Gefahr, dass die Suchmaschinenanbieter die eigenen Dienste bevorzugen: Welches Interesse hätte Microsoft daran, Googles konkurrierenden Kartendienst oder gar das Community-Projekt Open Street Map zu mehr Popularität zu verhelfen? Google Maps wird bei Google immer prominent beworben, auch wenn Open Street Map mitunter die besseren Ergebnisse liefert.“

Die Kriterien für Interpretation bei der Auswahl der Treffer müssen daher offengelegt werden. Ebenso ist Transparenz  eine Forderung an Suchmaschinen, z.B. muss klar werden, wenn bestimmte Treffer aus rechtlichen Gründen nicht angezeigt werden. Geuter fordert auch die Offenlegung der benutzten Quellen der Suchmaschinen, da sie neben öffentlich zugänglichen Webseiten auch nur ihnen zugängliche Datenbanken anzapfen. Nachvollziehbarkeit bedeutet, dass allen Nutzerinnen und Nutzer sich informieren können müssen, wodurch die Suchergebnisse beeinflusst wurden. Welchen Einfluss haben meine Profildaten, mein Standort oder mein gespeichertes Suchverhalten auf ein konkretes Ergebnis. Als fünftes Kriterium hält Geuter den eigener Anspruch der Suchmaschine für wichtig, wie sie Relevanz bestimmt, also wie „gute“ von „schlechteren“ Ergebnissen unterschieden werden. Der vollständige Suchalgorithmus ist sicherlich ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis, würde er vollständig offengelegt, könnte er von Spammern missbraucht werden, die irrelevante Ergebnisse so hochpushen könnten,  aber Grundzüge des Algorithmus sollten offengelegt werden, damit man beurteilen kann, wie Treffer zustande kommen.

Man mag einzelne dieser Punkte vielleicht anders akzentuieren, aber sie decken für mich im Wesentlichen die Anforderungen an Suchmaschinen ab, die man von erwarten darf und erwarten können muss.

Ich hätte an dieser Stelle noch von Geuter den Vorschlag erwartet, dass Suchmaschinen gemäß obigen Forderungen reguliert werden müssen. Da es in Deutschland ein de-facto-Monopol von Google gibt, muss aufgrund solcher Marktmacht meines Ermessens auf jeden Fall über Regulierung nachgedacht werden. Dazu gibt es Vorschläge, einige mögen vielleicht unrealistisch klingen, zeigen aber die Notwendigkeit zu handeln. Es ist schon merkwürdig, dass EU-Wettbewerbshüter Microsoft Auflagen für das Betriebssystem Windows machen, aber Suchmaschinenbetreiber  bisher noch keine Auflagen erhalten haben.

Geuter schließt mit dem Ausblick, dass aufgrund der immer wichtiger werden Personalisierung bei Suchmaschinen die Einhaltung dieser Kriterien für die Zukunft noch wichtiger wird.

„Die Suchmaschine der Zukunft wird personalisiert sein, sie wird mit jeder Suche mehr über den Nutzer oder die Nutzerin lernen, sie wird auf immer größere Datenquellen zugreifen und sich immer tiefer in unsere Wahrnehmung der Welt einbetten. Diese Forderungen erlauben es uns trotzdem, die Suchergebnisse, die unsere Welt mitgestalten, kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls eine andere Suchmaschine zu benutzen.“

Nochmals: Ich halte die obigen Kriterien für Suchmaschinen für wichtig und richtig. Ich denke aber auch, dass es einer Regulierung bedarf, damit die Einhaltung solcher Kriterien auch überwacht werden kann.

Aufschlussreich  waren die ersten beiden Kommentare auf Geuters Artikel:

„1. Die Suchmaschine der Zukunft wird personalisiert sein – also unbrauchbar!

Emmi 22.5.2013, 10:00 Uhr

Wenn die Suchmaschine der Zukunft personalisiert sein wird, dann wird sie unbrauchbar sein. Das Wichtigste, das ich von einer SM erwarte, ist OBJEKTIVITÄT. M.a.W., egal wer, wann und wo eine Suchanfrage stellt, sollte das GLEICHE Ergebnis geliefert bekommen. Wie soll die Zusammenarbeit/Kommunikation von Menschen erfolgen, wenn jedem ein anderes „Wissen“ zur Verfügung gestellt wird? Weiterhin gehen einen SM-Betreiber meine persönlichen Vorlieben/vergangenen Suchen/Lokation einen feuchten Kehricht an!

2. Schon seltsam

OneTwoThree 22.5.2013, 10:31 Uhr

Wenn man seine Sicherheitseinstellung sehr restriktiv einstellt, Cookies etc. ausschaltet, sind bei mir die Suchergebnisse wesentlich besser als sie dies mit den Standard-Einstellungen (sprich: personalisierte Suche) wären.“

Wichtiger als die Regulierung von Suchmaschinen scheint mir nach diesen Kommentaren jedoch Aufklärung, wie Suchmaschinen funktionieren und wie sie sich entwickeln.  „OBJEKTIVITÄT m.a.W., egal wer, wann und wo eine Suchanfrage stellt, sollte das GLEICHE Ergebnis geliefert bekommen“  – wer dies fordert, trauert einer Zeit hinterher, die es sei  Jahren nicht mehr gibt.

Lokalisierte Trefferlisten machen gerade bei mobilen Endgeräten die Güte einer Suchmaschine aus.  Es ist Realität, dass je nach Kontext dieselbe Website für unterschiedliche Nutzer anders dargestellt wird, teilweise unterschiedliche Inhalte darbietet.  Das Web ist zum Social Web geworden, dies umfasst eben auch Personalisierung. Das Zeitalter des Web 1.0 ist vorbei, was wir brauchen, ist Medienkompetenz fürs Social Web, anstatt die vergangenen Zeiten zu verklären.

Es gibt Suchmaschinen wie z.B. ixquick, die keine persönlichen Informationen auswerten, dementsprechend schlechter sind auch deren Ergebnisse.  Wer mag, kann diese benutzen. Ich habe dies probiert, bin aber zu Google zurückgekehrt und nutze nun weiterhin hauptsächlich Google, so wie neun von zehn Deutschen.

Regulierung von Suchmaschinen: ja, aber noch viel wichtiger ist Medienkompetenz, also:  Was wir von Suchmaschinen wissen sollten….

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One Response to Was wir von Suchmaschinen wissen sollten….

  1. Generell halte ich es für problematisch, wenn man einer Suchmaschine einen zu hohen Stellenwert in der persönlichen Forschungs- und Recherchearbeit einräumt. Das wäre gebauso fragwürdig, als wenn man sein Wissen nur aus einem einzigen Buch ziehen wollte. Die Ergebnisse einer Suchmaschine sind nur ein Schritt beim Suchen. Das wird sich auch nicht ändern, wenn Google anders funktionieren würde und alle Ergebnisse gleich geschaltet sind. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, das Suchergebnisse einer Suchmaschine als Basis für eine Kooperation mit anderen zu nehmen. Dafür gibt es im Netz andere und bessere Dienste häufig gekoppelt mit sozialen Netzwerken und den Techniken, Informationen miteinander zu gewichten und zu bearbeiten. Wir brauchen neben den Suchergebnissen andere Quellen, vertraute und kompetente Personen, Netzwerke, Fachportale, … Dort finde nicht nur weiterreichende Informationen, sondern logischerweise auch eine andere Gewichtung. Aber nicht selten habe ich zu einem Thema über Google gute Fachportale und engagierte Communities gefunden. Wenn Google dabei meine persönlichen Vorlieben berücksichtigt hat, dann alle Achtung vor den Entwicklern.

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