Neuer Anfang statt würdevoller Abgang

New Beginnings

New Beginnings or Gracious Exit?

Die Mainline Churches in den USA (u.a. Lutheraner, Presbyterianer, Anglikaner, United Church of Christ, Disciples of Christ) kämpfen mit Mitgliederschwund. Dass Kirchen schließen, ist nichts Ungewöhnliches. Auch die Alterstruktur der Mainline Churches ist ungünstig. Während in der Gesamtbevölkerung der USA rund 60% der Bevölkerung unter 50 Jahre sind und nur 40% über 50, ist es bei den Mitgliedern der Mainline Churches genau andersrum. UCC und PCUSA nehmen die Spitzenposition bei den überalteten Gemeindegliedern ein. Ein Grund für die Schließung von Kirchen ist daher auch das Alter der Gemeindeglieder. Gemeinden sterben, wenn niemand mehr in sie hineinwächst und Gemeindeglieder aufgrund ihres Alters ausscheiden oder sterben. Auch eine Gemeinde hat ein Lebensalter oder einen Lebenszyklus, so die Erfahrung in den USA. Es gibt Gemeinden, die weit über einhundert Jahre alt sind, es gibt aber auch Gemeinden, die nach wenigen Dekaden aufgeben. Im Durchschnitt werden in den USA Gemeinden so alt, wie es der durchschnittlichen Lebenserwartung von Menschen entspricht. Das Sterben einer Gemeinde ist daher auch etwas Natürliches.

Gracious Exit als Option?

Da wäre es nur konsequent, eine Exit-Strategie für Gemeinden zu entwickeln, wenn sie aufgrund des hohen Alters ihrer Gemeindemitglieder nicht mehr zu retten sind. Es gibt natürlich auch andere Gründe, die umliegende Nachbarschaft hat sich geändert und entspricht nicht mehr der sozialen oder ethnischen Zusammensetzung der Gemeinde. Oder Gemeindeglieder sind weggezogen und auf Dauer ist ihnen das Pendeln zu aufwändig. Es gibt viele Gründe für das Auflösen von Gemeinden.

“Gracious Exit”- Abtreten in Würde – dies hätte ein Programm für sterbende Gemeinden bei den Disciples of Christ werden können. Eine Strategie, wie man Gemeinden ohne Verletzungen auflöst. Lieber ein Ende in Würde als ein Dahinsiechen einer Gemeinde ohne ein Ende zu finden. Solch ein Programm hätte jedenfalls eine große Nachfrage. Die Verantwortlichen der Disciples of Christ aber haben sich umentschieden, ein Programm aufgelegt, dass den Titel trägt “New Beginnings”- neue Anfänge. Die UCC hat diese Programm übernommen und bietet es nun ihren Gemeinden an.

Neu Orientieren

Es geht um Gemeindeberatung und das Erarbeiten von Szenarien, welche Zukunft eine Gemeinde haben könnte, wenn sie sich verändert.

Wie kann sie neue Zielgruppen erschließen? Oder ist ein Ortswechsel aus einer leeren Innenstadt vielleicht doch angezeigt? Muss sich die Liturgie ändern? Welches Profil braucht eine Gemeinde, um für Menschen in ihrem Wohnbezirk ansprechend zu sein? Oder die Gemeinde doch schließen und das Gebäude verkaufen und den Erlös spenden? Oder einer neuen Gemeinde übergeben? Das sind nur einige Fragen. Finanzen werden auch in die Gemeindeberatung einbezogen, sind aber nicht der maßgebliche Fokus. Es geht um die Vision, wie man Gemeinde Gottes sein kann, danach kommt das Budget. Was sind die Alternativen zu einer Neuorientierung? Eine Schließung bedeutet auch Rückzug aus der Nachbarschaft oder dem Ort.

Das deutsche Parochialsystem

Für Deutschland sind dies ungewöhnliche Fragen, das Parochialsystem deckt die Republik ab, es gibt keinen „unchurched“ Ort in Deutschland, die Geo-Koordinaten entscheiden über die Gemeindezugehörigkeit. Es gibt Schließungen von Kirchengebäuden, es gibt Fusionen von Gemeinden, aber keine Schließung einer Gemeinde, die einen weißen Fleck auf einer Karte hinterließe. Davor schützt uns das Parochialsystem. Es gibt aber auch keine Gemeindeneugründungen, um weiße Flecken auf der Kirchenkarte zu verkleinern.

New Beginnings

Dies als Einführung zum Programm „New Beginnings“ der UCC. Auch wenn einer Präsentation der Kontext des Vortrages fehlt, gibt es doch einen Einblick, wie Gemeinden neu anfangen können.

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One Response to Neuer Anfang statt würdevoller Abgang

  1. De Benny says:

    Wobei das Parochialsystem ja das Problem hat, daß es den Anschein erweckt, als gäbe es keine weißen Flecken. Theoretisch mag das ja so sein, aber wo eine Gemeinde auf große Bevölkerungsteile nicht einladend wirkt, bleibt auch die Möglichkeit aus, diese Bevölkerungsteile zu erreichen. In den USA würde man einfach eine weitere Gemeinde gründen. Hier muß man dafür mindestens die Konfession wechseln und Freikirchler werden, wobei die meisten Freikirchen ja auch gewisse theologische Standpunkte haben, die hießige „Mainliner“ nicht vertreten würden…

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