Gemeindeaufbau beginnt online

Freier WLAN-Zugang in einer amerikanischen Kirchengemeinde
Freier WLAN-Zugang in einer amerikanischen Kirchengemeinde
Freier WLAN-Zugang in einer amerikanischen Kirchengemeinde

Karfreitag wollte ich in den Gottesdienst gehen, war mir aber bei der Uhrzeit unsicher. Der Gemeindebrief lag längst im Altpapier, ich musste auf Google suchen. Ich finde die Homepage der Gemeinde, aber dort sind die Gottesdienste zunächst unauffindbar. Endlich finde ich den Gemeindebrief zum Download als PDF-Datei, lade ihn herunter und finde auf den letzten Seiten den Gottesdienstplan. Es war gut, dass ich nachgesehen habe, denn in einer Gottesdienstsstätte fiel der Gottesdienstes wegen eines Passionskonzertes am Nachmittag aus.

Unternehmen legen Wert darauf, die Öffnungszeiten ihrer Filialen online richtig abzubilden. Sie wissen, eine Kundin oder ein Kunde, die vor verschlossener Türen stehen, sind frustriert und kommen in der Regel nicht mehr wieder und kaufen künftig bei der Konkurrenz.

Kirchengemeinden haben keine direkte Konkurrenz wie Discounter oder Drogerie-Märkte, aber sie müssen sich auch darum kümmern, dass Kundinnen und Kunden zu ihnen kommen. Das nennt man dann nicht Marketing, sondern Gemeindeaufbau. Die Kerngemeinde sind Stammkunden. Diese erreicht man auch durch Kanzelabkündigungen oder Schaukästen vor dem Gemeindehaus. Neukundenakquise ist eine große Herausforderung; bestehende Kundenbeziehungen aufrecht zu erhalten, ist schwierig genug. Wie erreicht man Gemeindeglieder, die (noch) dabei sind, aber nicht in Veranstaltungen auftauchen?

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Online-Kirche neu denken


Manchmal mag es auch an den Begrifflichkeiten liegen, wenn man sieht, wie lange gerungen wurde, ob man von Online-Gemeinde sprechen darf oder doch nur von Online-Community. Auch wenn nun endlich die Terminologie theologisch und kirchenamtlich geklärt ist, entsteht dadurch keine Online-Gemeinde von selbst.
Die Erfahrungen beim Aufbau der amerikanischen Online-Gemeinde UCC Extravagance, von denen Lawrence T. Richardson, Digital Minister der United Church of Christ, auf der Loccumer Tagung „Mache den Raum deines Zeltes weit. Formen der Glaubenskommunikation im Social Web“ berichtete, lassen mich nun in eine andere Richtung denken.
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Kommunikative Kirche

Tagcloud
Tagcloud

Nächste Woche bin ich nach Warschau zu einem Medien-Workshop der evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses in Polen eingeladen.  Zur Vorbereitung einige Gedanken als Blogpost. Mich ehrt die Einladung, fertige Antworten habe ich nicht, aufgrund meiner Erfahrungen kann ich viele Fragen stellen, mit denen ich mich beschäftige, – und manchmal hat man als Außenstehender die Freiheit, etwas zu hinterfragen, was gesetzt scheint, aber vielleicht doch zu ändern wäre. „Kommunikative Kirche“ weiterlesen

Online-Gemeinde der United Church of Christ: Arche oder Auferstehung?

Schlagworte verkürzen immer, bringen es aber auf den Punkt. Letzte Woche durfte ich am LinK-Event der United Church of Christ (UCC) teilnehmen, wo der Launch einer Online-Gemeinde der UCC vorbereitet wurde.

Die Herangehensweise der UCC bei der Gründung einer Online-Gemeinde ist sicherlich pragmatischer, aber die Situation, in der sich die UCC befindet, lässt sich durchaus mit deutschen Landeskirchen vergleichen. Gemeinden sind überaltert, die Denomination muss massiv sparen, Mainline Churches verlieren Mitglieder, Gemeinden werden aufgelöst. Vor diesem Hintergrund hat die General Synod beschlossen, eine Online-Gemeinde aufzubauen. Welches Ziel verfolgt die UCC mit diesem Plan? Geht es darum, mit der Online-Gemeinde die UCC ins Internet-Zeitalter hinüberzuretten? Ist die Online-Gemeinde quasi eine moderne Arche Noah, die hilft, die gegenwärtigen Widrigkeiten zu überwinden, bis die Zeiten besser werden? Oder bedeutet die Gründung einer Online-Gemeinde, dass die UCC keine Hoffnung mehr in den traditionellen Gemeinden sieht, diese zum Sterben verurteilt sind und hofft, dass die Online-Gemeinde Auferstehung ist, dass etwas radikal Neues entsteht. Geht es um die Projektion des traditionellen Kirchenverständnisses in die Zukunft oder darum, den Weg für eine neue Art, Kirche zu sein zu bereiten? „Are we building an ark or are we hoping for the resurrection to take place“ – auf diese plakative Formel brachte es einer der Experten auf dem LinK Event. „Online-Gemeinde der United Church of Christ: Arche oder Auferstehung?“ weiterlesen

Worüber wollen wir sprechen?

God is still speaking
God is still speaking

God is still speaking – so lautet der Claim der United Church of Christ (UCC). Ich habe lange überlegt, wie die entsprechende deutsche Übersetzung lauten würde. “Gott spricht noch” – so würde Google-Translate übersetzen, aber dies klingt nicht so elegant wie das amerikanische Original, außerdem gibt es im Deutschen die Verlaufsform nicht.
Gott spricht – dann muss auch die Kirche die gute Nachricht kommunizieren, aussprechen und ins Gespräch bringen. Daher wiederholte Ann Posten, die Kommunikationsdirektorin der UCC, den Schlüsselbegriff „conversation“ mehrfach, als sie mir die Kommunikationsstrategie ihrer Kirche erläuterte. „Worüber wollen wir sprechen?“ weiterlesen

Neuer Anfang statt würdevoller Abgang

New Beginnings
New Beginnings or Gracious Exit?

Die Mainline Churches in den USA (u.a. Lutheraner, Presbyterianer, Anglikaner, United Church of Christ, Disciples of Christ) kämpfen mit Mitgliederschwund. Dass Kirchen schließen, ist nichts Ungewöhnliches. Auch die Alterstruktur der Mainline Churches ist ungünstig. Während in der Gesamtbevölkerung der USA rund 60% der Bevölkerung unter 50 Jahre sind und nur 40% über 50, ist es bei den Mitgliedern der Mainline Churches genau andersrum. UCC und PCUSA nehmen die Spitzenposition bei den überalteten Gemeindegliedern ein. Ein Grund für die Schließung von Kirchen ist daher auch das Alter der Gemeindeglieder. Gemeinden sterben, wenn niemand mehr in sie hineinwächst und Gemeindeglieder aufgrund ihres Alters ausscheiden oder sterben. Auch eine Gemeinde hat ein Lebensalter oder einen Lebenszyklus, so die Erfahrung in den USA. Es gibt Gemeinden, die weit über einhundert Jahre alt sind, es gibt aber auch Gemeinden, die nach wenigen Dekaden aufgeben. Im Durchschnitt werden in den USA Gemeinden so alt, wie es der durchschnittlichen Lebenserwartung von Menschen entspricht. Das Sterben einer Gemeinde ist daher auch etwas Natürliches. „Neuer Anfang statt würdevoller Abgang“ weiterlesen

Kirche ohne Commitment? Religiös, aber nicht kirchlich?

When "Spiritual but Not Religious" Is Not Enough: Seeing God in Surprising Places, Even the Church^
When “Spiritual but Not Religious” Is Not Enough: Seeing God in Surprising Places, Even the Church
Manchmal mischen sich  verschiedene Puzzles, erstaunlich, wenn die Teile dann trotzdem zusammenpassen. Ich lese gerade das Buch „When ‘Spiritual but Not Religious’ Is Not Enough: Seeing God in Surprising Places, Even the Church” – auf Deutsch müsste man vielleicht übersetzen: “Kirchlich, aber nicht religiös”. Lillian Daniel beklagt sich – sehr humorvoll -, dass viele Zeitgenossen Gott lieber in der Natur, im Wald, im Sonnenuntergang finden, als in der Kirche.Wenn Leute erfahren, dass sie Pfarrerin ist, rechtfertigen sie sich und erzählen, wie religiös sie sind und warum sie deshalb nicht in die Kirche zu gehen brauchen. „Kirche ohne Commitment? Religiös, aber nicht kirchlich?“ weiterlesen

We are Family

Mt Zion UCC Cleveland
Mt Zion UCC Cleveland

Während meiner Internship bei der UCC in Cleveland besuche ich sonntags verschiedene UCC-Gemeinden. Bei der Vielfalt ist die Auswahl nicht immer leicht, auf jeden Fall wurde mir aber die Mt. Zion Congregational Church UCC wärmstens empfohlen. Vorsichtig wie ich bin, frage ich nach dem Dresscode, da das Spektrum je nach Gemeinde von Shorts bis Anzug weit gefächert ist. Ich wolle ja nicht durch meine falsche Bekleidung direkt auffallen, scherze ich mit den Kolleginnen und Kollegen im Kirchenamt. Viele trügen Anzug, aber Kleidung sei kein Problem, “all are welcome”ist die Antwort  – und auffallen werde ich auf jeden Fall. In einer afro-amerikanischen Gemeinde kann man sich als weißer Mitteleuropäer eben nicht verstecken. Vor dem Besuch sehe ich mir natürlich die Website an , dort wird die Gemeinde als „inspirational, intelligent, and Spirit-filled ministry“ beschrieben. Ich bin gespannt. Gottesdienstbeginn ist elf Uhr, auch das ist mir sympathisch. „We are Family“ weiterlesen

Social Media in der UCC: Das Internet belohnt den "early bird".

Schulrucksack auf der UCC-Facebook-Page
Schulrucksack auf der UCC-Facebook-Page
63.684 Facebook-Usern gefällt die United Church of Christ (UCC) ,  zurzeit “sprechen”  4.348 über die UCC  und  710 Menschen haben online im Church House der UCC eingecheckt.  Nur zum Vergleich, die Facebook-Kennzahlen anderer Mainline Protestant Churches.

Young Evangelicals Are Getting High

Ein guter Einblick in die amerikanische Kirchenlandschaft, wie sich Erwartungen an evangelikale Gemeinden und die protestantischen Mainline-Kirchen ändern. Aufschlussreich auch die Diskussion dazu auf der UCC-Facebook-Fanpage.