Kommen Flüchtlinge in der Weihnachtsgeschichte vor?

Die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium erzählt von Maria, Josef, dem Kind in der Krippe, Hirten auf den Feldern und den Weisen oder Magiern (Μάγοι bzw. Magoi im griechischen Urtext), die im Laufe der Überlieferung zu drei Königen wurden. Flüchtlinge werden in der Weihnachtsgeschichte dem Wortlaut nach nicht erwähnt. Dennoch handelt die Weihnachtsgeschichte von Flüchtlingen.

Die Herbergssuche verbindet die Weihnachtsgeschichte mit Flüchtlingen

Die Herbergssuche ist ein zentrales Element in der Weihnachtsgeschichte. In Krippenspielen wird sie oft ausgeschmückt dargestellt. In Mexiko gibt es die Tradition der Posada.  Die Suche nach einer Herberge wird als Singspiel nachgespielt: Das Heilige Paar bittet um Herberge, der Wirt weist sie ab („Da könnte doch jeder daherkommen”). Erst als er Maria und Josef erkennt, lässt er sie ein, denn der Heiligen Familie muss man doch Unterkunft gewähren.

Ihre Zahl ist unbekannt, aber Tausende Flüchtlinge bitten zurzeit um Aufnahme in Deutschland und suchen Zuflucht in Europa. 2015 waren es überwiegend Flüchtlinge aus Syrien, in 2021 sind Geflüchtete in Belarus gestrandet und hoffen auf Aufnahme in der EU. Sind wir wie der Wirt im mexikanischen Singspiel, der zunächst alle Fremden abweist? Und nur diejenigen fremden Herbergssuchenden aufnimmt, die bestimmten Kriterien entsprechen? Und sie nur aufnimmt, weil er in Ihnen die Eltern des Jesuskindes erkennt? sind.

Geflüchteten heute gebührt Solidarität

Können wir uns die Weihnachtsgeschichte vergegenwärtigen und uns an die Herbergssuche von Jesu Eltern erinnern und gleichzeitig ausblenden, dass Tausende Flüchtlinge in Europa um Zuflucht bitten? Es geht nicht darum, jemandem die weihnachtliche Stimmung zu vermiesen oder die Weihnachtsfreude zu schmälern. Aber Weihnachten drängt uns dazu, unsere Haltung gegenüber Flüchtlingen neu zu bedenken. Die Lage der Flüchtlinge wirft ein neues Licht auf die Weihnachtsgeschichte und fordert uns heraus.

Während im Spätsommer 2015 Flüchtlinge noch überschwänglich willkommen geheißen wurden, sehen wir jetzt viel stärker die Probleme. Zelte sind im Winter keine optimale Unterbringungsmöglichkeit und die lange Bearbeitungszeit von Asylanträgen lässt Menschen viel zu lange im Unklaren über ihre Perspektive in Deutschland. Das politische Klima ändert sich. Rechte Parteien machen Stimmung gegen Flüchtlinge. Kirche und Diakonie engagieren sich in der Flüchtlingsarbeit. Gemeinden öffnen sich, aber ebenso gibt es Menschen, die sich selber als Christen verstehen und gegen Flüchtlinge wettern und rechte Parolen teilen.


Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“ Bonhoeffer kritisiert die Bekennende Kirche, die sich nur für die vom so genannten Arierparagraphen betroffenen Pfarrer jüdischer Herkunft einsetzte, aber nicht für alle verfolgten Juden. Wer sich auf den christlichen Glauben beruft, darf sein Engagement nicht auf von Not und Unrecht betroffene Christinnen und Christen begrenzen, so Bonhoeffer. Christenmenschen müssen sich für alle ein einsetzen, denen Ungerechtigkeit und Leid widerfährt.

Keine Unterscheidung der Flüchtlinge nach ihrer Religion

Die Weihnachtsgeschichte unterlegt mit Bildern von Flüchtlingen

Deshalb darf man – in Bonhoeffers Tradition – nicht zwischen christlichen, islamischen und anderen Religionen zugehörigen Flüchtlingen unterscheiden. Christliches Engagement gilt allen Flüchtlingen gleichermaßen.

Im Video ist die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium mit Bildern aus Nachrichten zur Flüchtlingskrise unterlegt. Die Flüchtlingskrise gibt uns einen Kontext, in dem die vertraute Weihnachtsgeschichte uns neu anspricht.
„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit,” heißt es im Prolog des Johannes-Evangeliums (Kap 1,14a). Gott wird Mensch, der allmächtige Gott wird ein ohnmächtiges Kind. Die Erhöhung Jesu Christi, von der das Johannes-Evangelium spricht, ist gleichzeitig eine Erniedrigung Gottes. Die Herrlichkeit Gottes entspricht das Elend der Menschen. Menschwerdung Gottes bedeutet auch, dass Gott uns im notleidenden Mitmenschen begegnet.

Ob Weihnachtsgeschichte des Lukas oder Prolog aus dem Johannes-Evangelium, die biblische Weihnachtsbotschaft weist uns an die Flüchtlinge. Gemeinsam mit ihnen hoffen wir darauf, dass endlich Friede werde, so wie der Engel es den Hirten verheißen hat:

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.”

Diese Botschaft gilt allen, Einheimischen und Flüchtlingen – in aller Welt.


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