Soll man mit AfD-Vertreterinnen und -Vertretern reden? Ja, muss man.

http___praesesblog-ekir-de_von-pluHauptthema der medialen Berichterstattung über die rheinische Landessynode war die Auseinandersetzung mit der AfD.  Kurz vor Synodenbeginn am 8. Januar hatte idea eine Vorabmeldung  zu einem Streitgespräch zwischen Präses Manfred Rekowski und AfD-Sprecherin Frauke Petry veröffentlicht, welches in der ersten Dezemberhälfte (nicht: Ende Januar wie von idea berichtet) auf Einladung von idea im Düsseldorfer Landeskirchenamt stattfand. Der vollständige Text des Doppelinterviews Rekowski / Petri wurde einige Tage später während der Synode veröffentlicht.

Die Tendenz in der Berichterstattung von idea ist bekannt, man darf und muss deshalb fragen, ob es richtig ist, dass die EKD idea bezuschusst, doch dies ist ein anderes Thema als der Umgang mit der AfD. Dass idea vor Veröffentlichung des Interviews eine Vorabmeldung lanciert, braucht man auch nicht zu mögen, ist aber eine gute Verkaufsstrategie. Um idea nicht die Deutungshoheit zu überlassen, hat Präses Rekowski umgehend mit einem Blogpost reagiert, in dem er rote Linien markiert, die Christenmenschen nicht überschreiten dürfen.

Nach ideas Vorabmeldung geht es in Social Media hoch her, es gibt Zustimmung und Kritik daran, dass sich Präses Manfred Rekowski auf das Sreitgespräch eingelassen hat. Empören kann man sich schnell, besonders dann, wenn der Text des Interviews noch nicht veröffentlicht ist.

idea versteht auch die Sprache der Bilder, indem es die AfD-Sprecherin und den Präses auf Augenhöhe nebeneinander stellt. Im Präsesblog wird bewusst ein anderes Bild gewählt. Der Präses schenkt der AfD-Sprecherin  eine Bibel. Deutlicher kann man nicht auf die Grundlage unseres Glaubens hinweisen. Manfred Rekowski argumentiert als Theologe. Im Interview und auch in seinem Blog.

Man braucht idea nicht zu mögen – die Ausrichtig von idea ist bekannt. Natürlich versucht idea, der Berichterstattung einen Spin zu geben, wählt andere Bilder aus und spitzt im eigenen Sinne zu. Aber wenn jemand schreibt „Wir müssen uns von Frauke Petry sagen lassen, was Kirche ist.“, kann ich das nicht so sehen, im Interview (nun ist es in idea-Spektrum veröffentlicht) weist Manfred Rekowski im Gespräch mit Frauke Petry immer wieder auf die Grundlage unseres Glaubens hin:

„Niemand ist verpflichtet, sich auf den christlichen Glauben zu berufen. Wer es jedoch tut, muss sich an das christliche Koordinatensystem halten. Ich glaube, dass alle Menschen nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. Da gibt es kein Wackeln und Vertun. Wer diese Positionen infrage stellt, bekommt es mit uns zu tun – ob er nun in der AfD oder in einer anderen Partei tätig ist.“

Wenn wir uns mit den Positionen der AfD auseinandersetzen wollen, geht das nur, wenn wir mit denen sprechen, die nicht unsere Positionen teilen.

Was wäre die Alternative? Sich dem Gespräch verweigern? Wegducken? Versuchen, die AfD totzuschweigen? Wir wissen, dass das nicht geht.

Präses Manfred Rekowski hat mehrfach zur argumentativen Auseinandersetzung mit den Positionen der AfD aufgerufen. Das tut und tat  er auf mehreren Kanälen, so z.B. auch auf der rheinischen Landessynode – und eben auch im Gespräch mit Frauke Petry bei idea.

Im Rückblick auf die Synode muss man m.E. sagen, es wäre nicht gegangen, im Präsesbericht die Auseinandersetzung mit der AfD und ihren Positionen anzumahnen und gleichzeitig ein Streitgespräch mit Frauke Petry zu verweigern.

Eingefleischte AfD-Anhängerinnen und –Anhänger wird man nicht durch ein Gespräch überzeugen können, aber es gibt viele, die nach einer Position suchen. Denen wollen wir unsere Argumente sagen. Wenn wir nicht in die Auseinandersetzung gehen, so wie es der Präses getan hat, stellen wir uns selber ins argumentative Abseits – und überlassen den Falschen das Feld.

Soll man mit AfD-Vertreterinnen und -Vertretern reden? Ja, man muss es!

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5 Responses to Soll man mit AfD-Vertreterinnen und -Vertretern reden? Ja, muss man.

  1. bieger1939 says:

    Steht es um den Dialog mit der AFD oder um Idea. Mich würde interessieren, wie die Landeskirche nach dem Gespräch den Dialog, seine Chncen und Risiken einschätzt.

  2. helmutbrodt says:

    Schon richtig. Aber muss man diesen „Dialog“ denn ausgerechnet bei idea führen und damit den ganzen „Resonanzboden“, die Bildsprache und die Deutungshoheit anderen überlassen?

    Ich meine, bei allem Respekt für Präses Rekoswskis persönlich eindeutige Stellungnahmen, nein.

    • Ralpe says:

      @Helmutbrodt: Man kann sich schlecht aussuchen, von wem man Anfragen bekommt. Man kann diese dann annehmen oder ablehnen.

    • don2alfredo says:

      Das Gespräch wurde „auf Einladung von idea im Düsseldorfer Landeskirchenamt“ geführt. Damit hat der Präses meiner Meinung nach zwei Treffer mit einem Ausholen gelandet: Die „wichtige“ Klientel dort wurde erreicht (auch darunter sind Positionsinteressentinnen, um die es zu ringen lohnt) und den AfD-nahen Sucherinnen und Suchern wurde ein bedenkenswertes Angebot gemacht.

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