Digitalisierung macht Milieuverengung deutlich und fragt, wie wir Kirche sein wollen

Arbeiten mit Personas und einer Empthy Map in Kleingruppen

Arbeiten mit Personas und einer Empthy Map in Kleingruppen

Wie kann eine Digitalstrategie für die evangelische Kirche aussehen? Es war spannend, gestern in einem Workshop dazu mitzuarbeiten. Ich hatte erwartet, die Tagesordnung würde schnell zu Apps, Infrastruktur, Websites, soziale Netzwerke und Kooperationen zwischen den Landeskirchen überleiten, und Fragen behandeln, wie man verhindern könne, dass das Rad mehrfach erfunden wird, dass alle alles machen, aber meistens dann nicht wirklich gut. Im Workshop wurde aber die Frage grundlegender gestellt: Wen will Kirche über Digitalisierung erreichen?

Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein, und dient auch nicht der Selbsterhaltung der Institution. Digitalisierung ist wichtig, um Menschen zu erreichen, zu denen wir offline keinen Zugang mehr haben. Menschen, die Kanzelabkündigungen hören, sind in der Kirche bereits analog präsent. Digitalisierung also deshalb, um Menschen zu erreichen, die den Weg in die Kirche vor Ort sonst nicht finden. Wer sind solche Menschen? In Kleingruppen haben wir mit Personas gearbeitet. Der Persona in meiner Kleingruppe haben wir den Namen Franca gegeben.

Franca, 31 Jahre alt, Entwicklerin, lebt in Köln und stammt aus der Eifel. Religion hat sie über ihre Großmutter erlebt, die vor Mahlzeiten ein Tischgebet spricht. Dies gibt Heimat, ist aber eng. Franca engagiert sich für Gerechtigkeit. Sie ist von Kirche enttäuscht, weil Handeln und Werte der Kirche für sie im Widerspruch stehen.  Franca liebt klare Kante und und klare Aussagen. Regelmäßig ist sie beim Chaos Computer Club. In der Flüchtlingskrise hatte sie sich an eine Kirchengemeinde in ihrer Nähe gewendet und angeboten, einem Freifunk-Router auf dem Kirchturm zu installieren, um für Flüchtlinge Kommuniktionsmöglichkeiten über WLAN zu schaffen. Die Kirchengemeinde hatte aber aber für sie nicht nachvollziehbar aus rechtlichen Gründen abgeleht.

 

Schnell wurde deutlich, wir haben keine Angebote für Franca, die ihre Bedürfnisse erfüllen. Franca ist nur eine Persona, aber hinter den im Workshop erarbeiteten  Personas stehen reale Menschen mit Biografien, die nicht in die klassischen kirchlichen Milieus passen, weder digital noch in der Kohlenstoffwelt.

Digitalisierung ist daher eine vordergründige Frage, hintergründig aber müssen wir fragen: wie können wir als Kirche für Menschen da sein, die keine Verbindung und keinen Anknüpfungspunkt zu uns (mehr) haben. Wie überwinden wir unsere Milieuverengung? Wo haben wir Kontaktfläche zu Menschen auerhalb unserer Gruppen, Kreise und Sonntagsgottesdienste, wo bieten wir Präsenz an jenseits unserer kirchlichen Milieus? Digitalisierung ist daher keine technische Frage, sondern stellt die Frage nach der Kirche neu. Wie können wir Menschen nahe bei Menschen sein? Wie können wir ihre Bedürfnisse erfüllen? Kennen wir Ihre Bedürfnisse überhaupt? Welche Kontaktflächen haben wir in unsere Gesellschaft? Ist der sonntägliche Gottesdienst der Mittelpunkt? Wie muss Mitgliedschaft in der Zunft aussehen? Hängt Mitgliedschaft an der Institution der Körperschaft des öffentlichen Rechtes oder ermöglichen wir Mitgliedschaften in der Kirche als Netzwerk? Digitalisierung stellt diese Fragen neu, es geht darum, was die Kirche ist.

Wie können Menschen reinschnuppern bei Kirche, zum Beispiel projektweise mitarbeiten? Mein Traum: Franca macht bei einem Hackathon für Ethical Coding mit, der von einer Kirchengemeinde veranstaltet wird. Wird dann ihre Membership-Journey beginnen?

 

 

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