Posadas – Herbergssuche nicht nur in Mexiko

Mexikanische Christbaumkugeln

Mexikanische Christbaumkugeln

 

Posadas sind vorweihnachtliche Feiern in Mexiko, die die Herbergssuche mit einem Wechselgesang nachspielen. Freunde und Verwandte treffen sich in einem Haus. Eine Gruppe steht vor der Eingangstür, sie stellen Maria und Joseph dar, die um eine Herberge bitten. Im Haus ist die andere Gruppe, der Gastwirt mit seinen Gästen. Der Gastwirt weist die Fremden ab, erst als er in ihnen Maria und Josef erkennt, lässt er sie ein.

Auf den Brauch der Posada habe ich in meiner Weihnachtspredigt Bezug genommen. Der Vergleich liegt auf derr Hand, Tausende Flüchtlinge bitten zurzeit um Aufnahme in Deutschland und suchen Zuflucht in Europa. Geht es ihnen wie Maria und Josef beim im mexikanischen Singespiel, weil der Wirt zunächst alle Fremden abweist? Und nur diejenigen fremden Herbergssuchenden aufnimmt, die bestimmten Kriterien entsprechen, in diesem Falle die Eltern Jesu sind.

Zum besseren Verständis nun eine Übersetzung des Posada-Gesanges, die deutsche Übersetzung stammt von mir, der englische aus Wikipedia und die Predigt vom ersten Weihnachtstag 2015.

 ***

 

Español

English

Deutsch

Afuera:

En nombre del cielo

Os pido posada

Pues no puede andar

Mi esposa amada

Outside – Joseph asks:

In the name of heaven

I request you grant us shelter

Given that she cannot walk

She my beloved wife

Draußen – Josef fragt

Im Namen des Himmels

bitte ich Euch um Herberge,

denn gehen kann sie nicht,

meine geliebte Frau

Adentro:

Aquí no es mesón

Sigan adelante

Yo no puedo abrir

No sea algún tunante

Inside – „Probable“ host answers:

This is not an inn

Please continue ahead

I can not open

You may be a robber

Drinnen – Gastgeber antwortet:

Hier ist kein Gasthaus,

gehet weiter!

Ich kann euch nicht öffnen,

vielleicht ist er ein Räuber?

Afuera:

No seas inhumano

Tennos caridad

Que el Rey de los cielos

Te lo premiará

Outside – Joseph replies:

Do not be inhumane

grant us charity

Since the King of heavens

Will prize you for that

Draußen – Josef antwortet:

Sei nicht unmenschlich,

erweist uns Barmherzigkeit,

dass des Himmels König

Dir es vergelten werde!

Adentro:

Ya se pueden ir

Y no molestar

porque si me enfado

Os voy a apalear

Inside – Still „probable“ host answers:

You can already go away

and do not bother

because if I get upset

I will beat you up

Drinnen – Gastgeber antwortet:

Ihr könnt fortgehen

und nicht weiter stören,

denn wenn ich mich aufrege,

werde ich Euch verprügeln

Afuera:

Venimos rendidos

Desde Nazaret

Yo soy carpintero

De nombre José

Outside – Joseph insists:

We come exhausted

From Nazareth

I am a carpenter

Named Joseph

Draußen – Josef beharrt:

Wir kommen ermüdet

aus Nazareth.

Ich bin ein Zimmermann

namens Josef.

Adentro:

No me importa el nombre

Déjenme dormir

Porque ya les digo

Que no hemos de abrir

Inside – Still unconvinced host replies:

I don’t care about your name

Let me go to sleep

Because, as I said

We shall not open

Drinnen – Gastgeber noch immer nicht überzeugt

Dein Name ist mir egal,

lasst mich schlafen,

denn wie ich gesagt habe,

wir werden nicht aufmachen.

Afuera:

Posada te pide

Amado casero

Por sólo una noche

La reina del cielo

Outside – Joseph expects reasoning:

She asks you shelter

Dear innkeeper

for just one night

She, the queen of heaven

Draußen – Josef bittet:

Herberge erbitte ich von Dir

lieber Wirt,

für nur eine Nacht,

für die Königin des Himmels

Adentro:

Pues si es una reina

Quien lo solicita

¿Cómo es que de noche

Anda tan solita?

Inside – Almost convinced host asks:

So, if it’s a queen

who’s asking for it,

how is it that at night

she travels so alone?

Drinnen – Gastgeber fast überzeugt:

So wenn sie eine Königin ist,

wer erbittet es dann?

Wie kommt es, dass des Nachts sie alleine reist?

Afuera:

Mi esposa es María

Es reina del cielo

Y madre va a ser

Del divino verbo

Outside – Joseph answers:

My wife is Mary

She’s the Heavenly Queen

And she’ll be mother

Of the divine word

Draußen – Josef antwortet:

Meine Frau ist Maria

Sie ist des Himmels Königin

und wird bald Mutter sein

des göttlichen Wortes.

Adentro:

¿Eres tú José?

¿Tu esposa es María?

Entren peregrinos

No los conocía

Inside – Convinced host finally offers shelter:

Are you Joseph?

Is your wife Mary?

Come in, pilgrims

I did not know you

Drinnen – Gastgeber gewährt Einlass

Bist du Josef?

Ist deine Frau Maria?

Kommt herein, Pilger

euch habe ich nicht erkannt

Afuera:

Dios pague, señores

Vuestra caridad

Y que os colme el cielo

De felicidad

Outside – Joseph gratefully says:

May God pay, sirs

your charity

And may heaven swamp you

With happiness

Draußen – Josef antwortet:

Gott vergelte euch, Herren,

eure Barmherzigkeit

und möge Euch der Himmel erfüllen

mit Fröhlichkeit

Adentro:

Dichosa la casa

Que alberga este día

A la virgen pura

La hermosa María

Inside – Host replies:

Joyful be the house

That this day hosts

The pure virgin

The beautiful Mary

Drinnen – Gastgeber antwortet:

Selig das Haus,

das an diesem Tag Herberge gewährt

der reinen Jungfrau

der schönen Maria

Todos:

¡Entren santos peregrinos!

¡Reciban éste rincón!

Que aunque es pobre la morada

¡Se las doy de corazón!

¡Cantemos con alegría!

¡Todos al considerar!

¡Que Jesús, José y María

nos vinieron hoy a honrar!

Everyone:

Come in, holy pilgrims!

Receive this corner!

Because, even though the place is poor

I offer it to you from my heart!

Let’s sing with joy!

Everyone at the thought!

That Jesus, Joseph and Mary

Came today to honour us!

Alle:

Kommt herein, heilige Pilger

Nehmet diese Nische,

obwohl diese Stätte ärmlich ist,

gebe ich sie euch von Herzen.

Lasst uns mit Freude singen!

Alle bedenken es,

dass Jesus, Josef und Maria

heute gekommen sind, uns zu ehren.

 ***

 

Weihnachten 25.12.2015

Liebe Gemeinde,

[Kanzelgruß]

ich erinnere mich noch gut an meine erste Weihnachtspredigt, die ich halten durfte, als Student nach Abschluss des Grundstudiums in meiner Heimatgemeinde.

Mit viel zu hohen Ansprüchen an die Predigthörerinnen und -hörer und an mich selbst bin ich an diese Predigt gegangen. Weihnachten – der Urgrund des Christentums –, also wollte ich umfänglich darlegen, was christlicher Glaube bedeutet. Auf die Hörerinnen und Hörer bezogen bedeutete dies, sie daran zu erinnern, was es heißt als Christenmenschen zu leben. Statt Weihnachtsfreude habe ich moralische Appelle verbreitet und dazu aufgefordert, mit Ernst in die Nachfolge Jesu zu treten.

Statt freundlich die einzuladen, die vielleicht nur einmal im Jahr zu Weihnachten in die Kirche gehen und ihnen ein Gefühl des Willkommens zu bereiten, erhielten sie das Gefühl, mehr leisten zu müssen für den Glauben. Eine Überforderung.

Eine Überforderung auch für mich als jungen Prediger. Seit diesem ersten Mal habe ich fast jedes Jahr Weihnachten predigen dürfen. Also nicht mehr die Versuchung, alles auf ein Mal sagen zu müssen, sondern eher die Herausforderung, jedes Jahr dieselbe Geschichte neu zu entdecken.

Für mich wichtig die Freude über den Weihnachtsgottesdienst, die volle Kirche am Heiligabend oder der kleinere Kreis am ersten Weihnachtstag festlich zum Gottesdienst versammelt.

Ich habe mir meine Weihnachtspredigt vom letzten Jahr gestern nochmals durchgelesen, theologisch kann ich mich noch sehr gut hinter die Predigt stellen, aber die Predigt passt nicht mehr in unsere Lage. Der Umgang mit Flüchtlingen beherrscht die Politik, unsere Gesellschaft sucht nach Antworten und bemüht sich, Lösungen zu finden. Auch in den Kirchen stehen wir vor der Herausforderung, wie wir uns der Flüchtlinge annehmen. Gleichzeitig aber auch die Angst vor Überforderung. Die einen, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren und sehen, was alles zu tun ist, die anderen, die meinen, es müssten endlich Grenzen gezogen werden, weil es bereits jetzt zu viel ist.

Was sagt die Weihnachtsgeschichte dazu?

In einer Facebook-Gruppe, in der sich Pfarrerinnen und Pfarrer zur Predigtvorbereitung austauschen, warnten einige Kolleginnen und Kollegen vor Plattitüden und legten direkt eine Sammlung an, was man in einer Weihnachtspredigt zu Flüchtlingen besser nicht sage. Einige Kolleginnen und Kollegen warnten, das Thema Flüchtlinge überhaupt anzusprechen, da es schon abgepredigt sei, andere wiesen darauf hin, dass manche Gottesdienstbesucherinnen und -besucher, die nicht regelmäßig zur Kirche gehen, eine Predigt zu diesem Thema vielleicht das erste Mal hören würden.

Auch die Pfarrerschaft ist nicht einer Meinung.

Wie lässt sich 2015 Weihnachten feiern? Ich glaube nicht, dass wir die Flüchtlinge ausblenden können, wenn wir heute über Weihnachten nachdenken und was es heute für uns bedeutet.
Statt Appellen ist es mir wichtig, dass die Freude über Weihnachten uns durch diesen Gottesdienst trägt.

Die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium erzählt von einer Herbergssuche. In Krippenspielen wird das oft ausgeschmückt dargestellt. In Mexiko gibt es die Tradition der Posada  – die Herbergssuche wird in einem Singespiel dargestellt: Das Heilige Paar bittet um Herberge, der Wirt weist sie ab („Da könnte doch jeder daherkommen”), erst als er sie als Maria und Josef erkennt, lässt er sie ein, denn der Heiligen Familie muss man doch Unterkunft gewähren.

Ihre Zahl ist unbekannt, aber Tausende Flüchtlinge bitten zurzeit um Aufnahme in Deutschland und suchen Zuflucht in Europa. Geht es ihnen wie Maria und Josef beim im mexikanischen Singespiel, weil der Wirt zunächst alle Fremden abweist? Und nur diejenigen fremden Herbergssuchenden aufnimmt, die bestimmten Kriterien entsprechen, in diesem Falle die Eltern Jesu sind.
Können wir uns heute die Weihnachtsgeschichte vergegenwärtigen und uns der Herbergssuche von Jesu Eltern erinnern und gleichzeitig ausblenden, dass Tausende Flüchtlinge in Europa auch um Aufnahme bitten?
Es geht nicht darum, jemandem die weihnachtliche Stimmung zu vermiesen oder die Weihnachtsfreude zu schmälern. Aber Weihnachten drängt uns dazu, uns über unsere Haltung gegenüber den Flüchtlingen zu verständigen. Die Lage der Flüchtlinge wirft dieses Jahr ein neues Licht auf die Weihnachtsgeschichte und fordert uns heraus.

[Video www.ChristmasStory.World zeigen, danach Orgelmeditation}

Wir haben dieses Video auch auf Facebook gepostet. Viele Menschen haben „Gefällt mir” geklickt und das Video geteilt. Von anderen kam aber auch Kritik. Einige rechnen generell mit der Kirche ab, werfen der Kirche Scheinheiligkeit vor oder sehen in jedwedem Glauben die Ursache für Unfrieden in der Welt. Andere aber verstehen sich selbst als Christen und kritisieren, dass wir die Weihnachtsgeschichte auf die Situation der Flüchtlinge übertragen haben – und das gibt mir zu denken,.

Sie schreiben beispielsweise:

Da heißt es, wenn ein Fremdling und nicht eine Million Fremdlinge mit Kulturen die unseren Herrn nicht anerkennen

Wir sollten trotz der mutmaßlichen Flüchlingseuphorie auch noch an deutsche Mitbürger denken.

wir müssen aber unterschielte machen zwischen Christen und Moslimen ,weil es ein unterschied ist zwischen Tag und Nacht , und weil die auch unsere Demokratie nicht anerkennen wollen die leben wie in der Steinzeit ,

Diese angeblichen Flüchtlinge bekommen alles was sie benötigen von unserer Regierung gestellt, Unterkunft, Kleidung und Essen. Das hat manch ein deutscher Christ nicht ! Kümmert euch lieber um diese Menschen und nehmt die bei euch auf ! … Aber es ist ja auch so schön einfach den Menschen gerade zu Weihnachten noch ein schlechtes Gewissen zu machen und der ärmsten Oma noch ein wenig von ihrer kleinen Rente aus der Tasche zu leiern. … und um gleich allen Anfeindungen die jetzt kommen den Wind aus den Segeln zu nehmen, ich feier mein Weihnachsfest lieber mit deutschen Obdachlosen und Menschen die es wirklich nötig haben, … In diesem Sinne, allen Christen ein friedvolles und gesegnetes Weihnachten

Evangelische Kirche Rheinland ,mir fällt seit längeren auf, das ihr Seite an Seite mit Regierenden, gegen Bürger wettert die sich gegen einen zu grossen Zuzug von Moslems wehren. Saudi Arabien sponsert in Deutschland den Bau von Moscheen. Wieviel Kirchen stehen wohl in Saudi Arabien oder einen anderen muslimischen Land. Wir sind verpflichtet, die in muslimischen Ländern verfolgten Christen zu schützen. Sie werden verfolgt, unterdrückt oder sogar ermordet und wir sollen auch noch diese Leute ,die Christen verfolgen in Massen hier aufnehmen? Warum nehmen die reichen Ölstaaten keine Muslime auf.
Bitte um eine Erklärung!

Aus diesen Kommentaren spricht Angst und Verunsicherung. Sicher, wir müssen politisch und gesellschaftlich diskutieren und Lösungen suchen. Aber es geht auch um Befindlichkeiten: Die Sorge, dass für deutsche Mitbürgerinnen und Mitbürger zu wenig übrigbleibt, wenn Flüchtlinge Unterstützung erhalten. Die Angst, dass sich unsere Kultur verändern wird, wenn wir zu viele Menschen aufnehmen. Die Furcht vor dem Islam als Religion.

Furcht und Angst sind nicht rational, daher lassen sie sich nur schwerlich durch Argumente widerlegen.

Aber zwei Anstöße ich möchte ich denen mitgeben, die so denken.

Erstens, von Dietrich Bonhoeffer ist der Satz „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“ überliefert. Bonhoeffer kritisierte die Bekennende Kirche während des Kirchenkampfes in der Nazizeit, die sich nur für die vom so genannten Arierparagrafen betroffenen Pfarrer jüdischer Herkunft einsetzt, aber nicht für alle verfolgten Juden. Wer sich auf den christlichen Glauben beruft, darf sein Engagement nicht auf von Not und Unrecht betroffene Christinnen und Christen begrenzen, so Bonhoeffer, sondern setzt sich für alle ein, denen Ungerechtigkeit und Leid widerfährt.

Deshalb darf man – in Bonhoeffers Tradition – nicht zwischen christlichen, islamischen und anderen Religionen zugehörigen Flüchtlingen unterscheiden, sondern christliches Engagement gilt allen Flüchtlingen gleichermaßen. Die Kirche muss sich an die Seite derjenigen stellen, die verfolgt sind, unabhängig von ihrem Glauben.

Zweitens, möchte ich an die Botschaft der Engel aus der Weihnachtsgeschichte erinnern:

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Wenn uns Weihnachten wichtig ist, wenn wir uns als Christen verstehen, dann gilt uns auch die Botschaft der Engel:

Fürchtet euch nicht – dass der Wohlstand unseres Landes nun nicht mehr für alle reichen wird, wenn wir ihn mit mehr Menschen teilen.

Fürchtet Euch nicht – dass andere Menschen ihre Kultur mitbringen

Fürchtet Euch nicht – dass andere Religionen an die Stelle des Christentums treten.

Weihnachten heißt, Gott wird Mensch, der allmächtige Gott wird ein ohnmächtiges Kind. Nicht Stärke, sondern Schwäche auszuhalten ist Gottes Weg.

Das Christentum braucht nicht mit Macht und Kraft verteidigt zu werden, Gott selbst hat einen anderen Weg gewählt, um in diese Welt zu kommen. „Er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein,“ heißt es in einem Weihnachtslied. Gott selbst begibt sich die die Niedrigkeit unserer Welt, da brauchen wir ihn nicht mit Macht für ihn zu streiten und das Christentum

Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren.

So die Engel, allem Volk gilt die Botschaft von Weihnachten, Einheimischen und Flüchtlingen.
Sie gilt allen Menschen, auch den Armen und den Reichen,
den Obdachlosen und denen, die eine Wohnung haben,
den Einsamen und denen, die Familie und Freunde haben,

Für uns alle ist der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids.

Zu diesem Heiland lassen Sie uns halten, er will uns das Heil bringen für uns und alle Welt.

Diese Weihnachtsbotschaft können wir nicht für uns behalten, sie ist darauf angelegt, weitergegeben zu werden. Mit Worten, und mit Taten. – so können wir Weihnachten in den Alltag bringen.
Amen.

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