Update: Wehrmachtssoldaten sind keine Helden

"Kriegerdenkmal" in Haidmühle

„Kriegerdenkmal“ in Haidmühle

Wie angekündigt, habe ich bei der Ortsgemeinde Haidmühle, dem Krieger- und Soldatenverein Haidmühle, der Pfarrgemeinde Haidmühle und dem Bistum Passau nachgefragt, wie sie die Inschrift des „Kriegerdenkmals“ verstehen und vorgeschlagen, dass eine Kommentierung und zeitgeschichtliche Einordung der Inschrift „Den Helden zur Ehr / die dankbare Pfarrgemeinde Haidmühle / 1914 – 1918 / 1939 – 1945“ vorgenommen wird.

Der Krieger- und Soldatenverein

An diesem Wochenende ist die letzte Antwort eingegangen. Erich Riedl, erster Vorsitzender des Krieger- und Soldatenvereins Haidmühle e.V., schrieb  mir folgenden Brief mit der Bitte um „wortwörtliche Einstellung“ im Blog, worin er mich einerseits als „‚Schlaumeier'“ bezeichnet, mir andererseits mangelnde Geschichtskenntnis vorwirft.

Den eigenwilligen Gebrauch von Ausrufezeichen, Fettdruck, Unterstreichung und Kursivsetzung habe ich bei der Wiedergabe beibehalten.

Haidmühle, 17. Januar 2018

Ihr Schreiben vom 9. 1. 2017

Sehr geehrter Herr Reimann,

9 [sic! Ziffer] Tage nach dem Jahreswechsel sollte schon bekannt sein, welches Jahr bereits angebrochen ist. Aber bei so manchen Personen nördlich des „Weißwurst-Äquators“ dauert es vielleicht etwas länger!!

Zu Ihrer Anfrage bzgl. der Inschrift in unserem Denkmal:

Unser Denkmal wurde 1923 erstellt; wer die Inschrift vor 95 Jahren in Auftrag gegeben hat [sic! kein Komma] werden weder Sie noch ich jemals in Erfahrung bringen können.

Sie werden mit mir darin übereinstimmen, daß [sic!] ein Denkmal nur dann Sinn und Wert hat, wenn er [sic!] vermittelt, wessen man gedenken soll.

Unser Denkmal ist uns Mahnung und Erinnerung zugleich, an unsere Großväter, Väter und Söhne, sowie an die schrecklichen Folgen von Kriegen.

Zu Ihrer Anspielung über die katholische Geistlichkeit:

Ihnen ist aber schon bewusst, daß [sic!] wir bereits im 21. Jahrhundert leben und die Zeit der Inquisition vorbei ist. Sollten Sie in der Schule zu diesem Thema gefehlt haben; hi hi, Google macht‘s möglich!!!!!!!!

Zum Abschluss möchte ich Ihnen sagen:

Tausende von Urlaubsgästen, die in den zurückliegenden Jahrzehnten bei uns ihren Urlaub verbrachten, noch keinen hat die Inschrift gestört!

Auch nach der Grenzöffnung 1990 hat sich noch kein tschechischer Besucher über die Inschrift „verstört“ gefühlt; einige ältere CZ-Bürger sprechen noch fließend deutsch und haben mir immer wieder bestätigt, bei zufälligen Zusammentreffen beim Denkmal, dass es eine sehr schöne Erinnerungsstätte ist. Und gerade diese Besucher könnten sich verstört fühlen.

Aber wie es so im richtigen Leben ist:

Wer kein eigenes Leben hat, der findet immer einen Grund bei anderen, um sich zu profilieren.

Empfehlung:

Ich halte mich immer an die Zeilen von Goethe [sic! ohne Komma] der einmal schrieb:

Nicht das Freuen, nicht das Leiden

stellt den Wert des Lenbens [sic!] dar,

immer nur wird das entscheiden,

wie der Mensch zum Menschen war.

So, sehr geehrter Herr „Schlaumeier“ [sic! ohne Satzzeichen]

An weiteren Diskussionen jeweder Art beteilige ich mich nicht mehr.

Bitte um wortwörtliche Einstellung in Ihrem Blog!!!!

M.f.G.

[Unterschrift]

Erich Riedl, 1. KSV-Vorsitzender

PS: Sollten Sie bei der Gemeinde einen Antrag auf Änderung der Inschrift stellen; [sic! Semikolon] Das Denkmal ist Eigentum des KSV-Haidmühle und bedarf unserer Zustimmung! [sic! Satzbau]

Anbei noch ein Scan des Briefes als PDF-Datei zum Beleg – da Herr Riedl auf korrekte Formalia Wert zu legen scheint (sonst hätte er nicht einen eigenen Abschnitt darauf verwendet, dass ich zum Jahresbeginn 2018 noch die Jahreszahl 2017 verwendete), erlaube ich mir den Hinweis, dass sich die Stadt Mülheim an der Ruhr in meiner Postanschrift nur mit einem H schreibt, also: Mülheim.

Die Ortgemeinde

Die Geschäftsleitung der Gemeinde Haidmühle bittet, das Antwortschreiben auf meine Anfrage nicht im Blog zu veröffentlichen, bietet aber ein persönliches Gespräch an. Mein Vorschlag der zeitgeschichtlichen Einordnung und Kommentierung der Inschrift wurde an das Pfarramt und den Krieger- und Soldatenverein weitergeleitet.

Die Pfarrgemeinde

Namens der Pfarrgemeinde antwortet der zuständige Ortspfarrer noch am selben Tag:

„Wenn es mir die Zeit erlaubt, werde ich auskundschaften, wie die Inschrift zeitgeschichtlich bzw. ortsgeschichtlich einzuordnen und zu verstehen ist.

Danke für Ihr „gutes Auge“!

Ihnen von Herzen alles Gute zum Neuen Jahr und dass sich unser Wunsch erfülle nach einem Frieden, den die Welt noch nicht kennt!“

Ich habe zwischenzeitlich nachgefragt, ob es weitere Erkenntisse gibt, aber noch keine Antwort erhalten.

Das Bistum

Vom Bistum Passau erhielt ich seitens der Pressestelle eine sehr differenzierte Antwort, die ich anbei dokumentiere:

Sehr geehrter Herr Reimann,

entschuldigen Sie bitte, dass die Beantwortung Ihrer Mail jetzt ein wenig länger gedauert hat, aber das Thema ist sehr groß und umfangreich.

Hier eine Antwort unserer stellvertret. Archivdirektorin, [Name von mir entfernt], die aufgrund der Tiefe der Thematik nur eine Annäherung sein kann:

Sie haben ganz Recht, die Inschrift auf dem Kriegerdenkmal in Haidmühle ist für sich stehend nicht zu rechtfertigen. Die Wehrmacht hat im Zweiten Weltkrieg unendlich viel Leid über Europa gebracht, sie hat vielfach fundamental gegen die Menschlichkeit gehandelt. Die Aufarbeitung, die seit den 1970er Jahren in der BRD und nun seit 1989 in Deutschland dazu erfolgt ist, hat dies offengelegt, ihre Ergebnisse gehen in die historische Bildungsarbeit und in den Geschichtsunterricht in den Schulen ein. Es ist davon auszugehen, dass die Einordnung der Wehrmacht in der Gesellschaft breit verankert ist.

Sieht man sich das Kriegerdenkmal in Haidmühle gesamt an, dann verändert sich etwas der Blick. Das Denkmal für sich stammt aus der Zeit der Verarbeitung des Ersten Weltkriegs. Es atmet in sich die Denkmalkultur der Zwischenkriegszeit und offenbart, wie traumatisch für die deutsche Bevölkerung – hier am Beispiel von Haidmühle – das Erlebnis des Krieges ab 1914 und der Niederlage 1918 gewesen ist. Dazu kam, dass viele Menschen damals nicht verstanden haben, warum beispielsweise die deutschen Soldatengräber in Frankreich nur mit dunklem Stein, diejenigen der Alliierten aber mit hellem Stein gestaltet hatten werden dürfen. Die Frage der Kriegsschuld, so schwierig sie selbst für heutige differenziert arbeitende HistorikerInnen zu beantworten ist, wurde damals in Deutschland nicht diskutiert und ausgesprochen einseitig, nach heutigen Wissen falsch beantwortet. Damit wurde gleichzeitig auch jede Auseinandersetzung mit dem Krieg vermieden. Das Kriegerdenkmal mit seinem Text ist damit aus dieser Zeit heraus zu verstehen; Denkmal und Inschrift dürften – ohne dies jetzt genau zu wissen – zudem dem Denkmalschutz unterliegen.

Nach 1945 hat man die Toten des Zweiten Weltkriegs in das Denkmal mit einbezogen. Da die Auseinandersetzung in Deutschland mit dem NS-Regime zögerlich begann und erst nach 1968 stark an Fahrt gewonnen hat – dies zeigt auch der erst in die Jahre nach 1968 fallende Sprachbruch – ist eine unkritische, unreflektierte Aufnahme des Inschriftenzusatzes wohl anzunehmen. Über die Jahrzehnte hat sich der Umgang mit dem „erweiterten“ Denkmal vermutlich so verfestigt, dass auch nach der Restaurierung hierüber wohl nicht vertieft diskutiert worden ist. Sie kennen ja sicher den Beitrag von Robert Musil, in dem er darauf verweist, dass nichts so unsichtbar und wenig wahrgenommen wird, wie ein Denkmal. Haidmühle scheint mir dafür in gewisser Weise ein Beispiel zu sein.

Nichtsdestoweniger haben Sie – der Sie das Denkmal wahrgenommen haben – absolut Recht, dass wir zum einen Gott sei Dank im Bezug auf den Krieg, aber auch sonst weitgehend auf die Bezeichnungen „Held“ und „Ehre“ verzichten und beide Begriffe in keiner Weise auf die Wehrmacht 1939-1945 anzuwenden sind. Von daher bricht sich unsere jetzige Sprachhaltung am Denkmal; eigentlich sollte die Inschrift für alle Menschen verstörend wirken. Es ist sicherlich sehr gut, dass Sie die Gemeindeverwaltung auf das sich Brechende zwischen Inschrift und Realität hingewiesen haben; ich gehe nichtsdestoweniger fest davon aus, dass im kollektiven Bewusstsein der Bürger von Haidmühle die demokratisch geprägte, wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit NS-Regime und Wehrmacht verankert ist.

[Grüße und Kontaktdaten]

Zuständigkeiten

Laut Schreiben des Bistums ist es „sicherlich sehr gut, dass Sie die Gemeindeverwaltung auf das sich Brechende zwischen Inschrift und Realität hingewiesen haben“; die hier genannte Ortsgemeinde verweist auf die Pfarrgemeinde, deren Pfarrer Zeit zur Recherche benötigt, sowie an den Krieger- und Soldatenverein, dessen erster Vorsitzender mir schreibt: „An weiteren Diskussionen jedweder Art beteilige ich mich nicht mehr.“

Die Situation

So stellt sich die Situation mir dar – bitte aber um Korrektur, sollte ich etwas falsch wiedergeben:

  1. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Namen verstorbener Soldaten auf dem Denkmal ergänzt.
  2. Im Jahre 2004 wurde das restaurierte Denkmal mit der ursprünglichen Inschrift („Den Helden zur Ehr / die dankbare Pfarrgemeinde Haidmühle / 1914 – 1918 / 1939 – 1945“, darunter Namen im Zweiten Weltkrieg verstorbener Soldaten) vom Ortspfarrer eingesegnet. Solch eine Einsegnung muss eher als Zustimmung denn als Distanzierung von der Inschrift verstanden werden.
  3. Im Zusammenhang mit der Restaurierung wurde eine Schautafel in der Nähe des Denkmals aufgestellt, hier wird auf Deutsch und Tschechisch die Geschichte des Denkmals wiedergegeben und die Namen der Sponsoren für die Restaurierung aufgelistet. Im Text des Schaukastens wird kein Bezug zur NS-Zeit, der NS-Gewaltherrschaft oder NS-Verbrechen genommen.

Da der Schaukasten bereits in Denkmalnähe steht, könnte ohne größeren Aufwand und Kosten eine zeitgeschichtliche Einordung des Denkmals vorgenommen werden. Man müsste nur den Text im Schaukasten ändern. Warum hat niemand im Antwortschreiben sich für eine solche Kommentierung und zeitgeschichtliche Einordung der Inschrift ausgesprochen?

Opfergedenken oder Heldenvereherung?

Der Vorsitzende des Krieger- und Soldatenvereins schreibt:

Unser Denkmal ist uns Mahnung und Erinnerung zugleich, an unsere Großväter, Väter und Söhne, sowie an die schrecklichen Folgen von Kriegen.

Wie kann ein Denkmal Mahnung und Erinnerung an die „schrecklichen Folgen von Kriegen“ sein, wenn es Frauen und Kinder ausnimmt und Männer nur als Helden erwähnt? Gab es keine Opfer unter der Zivilbevölkerung, deren Leiden die Schrecken des Krieges auch aufzeigen? Geht es um Erinnerung an Opfer oder doch um Heldengedenken? Im Plural „Kriegen“ werden Erster und Zweiter Weltkrieg gleichgestellt, die Opfer der NS-Gewaltherrschaft finden keine Erwähnung; ihrer erinnert man sich nicht.

Ich verstehe nicht, warum der erste Vorsitzende des Krieger- und Soldatenvereins an überkommener Heldenverehrung weiterhin festhalten will und jegliche Diskussion über eine mögliche Kommentierung des Denkmals im Schaukasten verweigert, die alle Opfer von Krieg und NS-Gewaltherrschaft ins Gedenken einbezöge.

Die stellvertretende Archivdirektorin des Bistums Passau schrieb:

„[I]ch gehe nichtsdestoweniger fest davon aus, dass im kollektiven Bewusstsein der Bürger von Haidmühle die demokratisch geprägte, wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit NS-Regime und Wehrmacht verankert ist.“

Solch eine demokratisch geprägte, wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit NS-Regime und Wehrmacht wünsche ich auch.


Findling zur Erinnerung an die Opfer von Krieg und NS-Gewaltherrschaft in Leer (hinter Baustellenzaun)

Findling zur Erinnerung an die Opfer von Krieg und NS-Gewaltherrschaft in Leer (zurzeit hinter Baustellenzaun)

Kriegerdenkmal mit Findling in Leer (Baustelle)

Kriegerdenkmal mit Findling in Leer (zurzeit Baustelle)

PS: Seit meinem Besuch in Haidmühle achte ich besonders auf „Kriegerdenkmäler“. Letzte Woche war ich in Leer, dort gibt es ein Kriegerdenkmal zum Deutsch-Französischen Krieg von 1871. Neben diesem Denkmal steht ein Findling, der an die Opfer von Nazi-Terror und Zweitem Weltkrieg erinnert. Für mich ein gelungenes Beispiel, wie man ein historisches Denkmal belassen kann, aber das Gedenken trotzdem in einen anderen Kontext stellen kann. Der Findling trägt die Inschrift:

1933 -1945

VON DEN BÜRGERN DER STADT LEER
ALLEN OPFERN ZUM GEDENKEN
SIE WURDEN ERMORDET
INFOLGE DES NAZISTISCHEN RASSENWAHNES
IN EINEM KRIEG FÜR DIE INTERESSEN ANDERER
IM WIDERSTAND FÜR EIN BESSERES DEUTSCHLAND
ALLEN LEBENDEN ZUR WARNUNG! NIE WIEDER KRIEG!
NIE WIEDER FASCHISMUS!

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11 Responses to Update: Wehrmachtssoldaten sind keine Helden

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  3. Notwende says:

    Vom Hass aufs eigene Volk zerfresssene, vom Schuldkult verkrüppelte und von den Dogmen der politischen Korrektheit entstellte, ehemals deutsche Geister, keifen, kleinen Kötern gleich, ihre Ahnen an, deren Größe sie nicht begreifen.und deren Erhabenheit über die heutige Geschichtsklitterung ein ewiger Dorn im wehleidigen Fleisch dieser Gutmenschen sein wird.
    Kläfft nur, ihr Luschen:
    Sie waren dennoch Helden!

    • Ralpe says:

      Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Kommentar freischalten soll, aber es dann getan, denn der Kommentar zeigt, wer heute in den Soldaten der Wehrmacht Helden sieht.

  4. dierkschaefer says:

    Eine Auswahl solcher Denkmäler unterschiedlicher Denkart: https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/albums/72157632548603352

  5. Bert van Burgh says:

    Schade, dass das Thema so polemisch und ohne die notwendige Sachkenntnis angegangen wird.

    Zunächst einmal ist klarzustellen, dass es sich nur dann um ein Kriegerdenkmal handelt, wenn es alle teilnehmenden Soldaten auflistet. Diese Kategorie Denkmal war nach dem Krieg 1870/71 üblich und war in fast jedem Dorf an zentraler Stelle (örtliche Kirche, Rathaus, Marktplatz) entweder als Säulendenkmal aufgestellt oder als Gedenktafel an öffentlichen Gebäuden. (Örtlich konnte das auch variieren, aber die Masse der Denkmale folgte einem gewissen Muster)
    Gelegentlich sind diese Denkmale um den Krieg 1866 ergänzt. Oft wurde bei den Auflistungen nicht unterschieden zwischen den Toten und den lebend/verwundet heimgekehrten Soldaten, sie wurden alle aufgelistet, meist sortiert nach der Einheit, in der sie gedient hatten.
    In manchen Orten sind sie nicht erhalten, weil sie entweder im 2. Weltkrieg zerstört wurden oder man das Material anderweitig verwendete.

    Mit Ende des 1 Weltkriegs gab es 2 Varianten: Entweder wurden die Kriegerdenkmale um eine Tafel mit den Gefallenen Soldaten des Krieges ergänzt (Das passierte in kleineren Orten, meist weil kein Geld für ein eigenes Denkmal da war).
    Wo es ging wurden – wieder nach vielerorts selbem Muster zusätzliche Denkmale errichtet. Die listeten fast ausschließlich die Toten und vermissten Soldaten aus dem Ort auf und waren natürlich wie das damals üblich war, nicht frei von einem Mix aus Heldenverehrung und Trauerarbeit. Die Ausgestaltung war abhängig von der Finanzlage der Initiatoren. Das hier in Frage stehende Denkmal ist ein vergleichsweise schlichtes. Es fehlen Attribute wie die trauernde Mutter, die ihren Toten Sohn in Händen hält. In einem kleinen Dorf wie Haidmühle ist sowas auch nicht zu erwarten, das wäre auch für damalige Vorstellungen überproportioniert gewesen. Und die aufrechtstehenden, martialisch wirkenden Soldaten kamen erst in den 1930er Jahren, da existierte das Haidmühler Denkmal bereits.
    Noch mal zur Klarstellung: Das sind KEINE Kriegerdenkmale, sondern Gefallenendenkmale!

    Der nächste Schritt erfolgte nach 1945. Vielerorts gleiches Spiel: Wo kein Geld da war für neue Werke, wurden bestehende um Namenstafeln und/ oder Jahreszahlen ergänzt und ansonsten nichts geändert. Die Denkmale standen weiterhin an prominenter Stelle im Ort. So ganz offensichtlich auch in Haidmühle. Da ging es nicht darum die Denkmale der neuen Weltsicht anzupassen, sondern darum, Kostengünstig die Namen der Toten und Vermissten zu nennen.
    Für Zivilopfer und/oder vor Ort gefallene Soldaten fremder Länder wurden nach und nach auf den Friedhöfen eigene Gedenktafeln geschaffen.

    Wo neue Denkmale geschaffen wurden, wurden sie in der Regel auf den örtlichen Friedhöfen gestellt. Sie waren in ihrer Gestaltung deutlich dezenter, ohne martialische Figuren und Texte.
    Je nach Ort und Zeit sind die Namen der Gefallenen gar nicht mehr genannt sondern einfach nur ein Sinnspruch, der auf beide Weltkriege angewandt wird. Ein einheitliches Muster wie früher gab es nicht.

    Als man begann, Kleinstädte und Dörfer so umzugestalten, dass der Autoverkehr rollen konnte, verschwanden Krieger-und Gefallenendenkmale vielfach auf den Ortsfriedhöfen. Manche erhielten einen zentralen Platz, andere wurden ins dunkelste Eck verschoben. Das wurde mancherorts später wieder revidiert.
    Manchmal wurden auch die alten Denkmale komplett zerstört und in neue umgewandelt (mir ist ein Fall aus dem Jahr 1985 bekannt) Oder sie wurden in ein Gesamt-Areal integriert, dass den Mahn-und Gedenk-Charakter hervorhob.

    Soweit eine (verknappte) Historie solcher Denkmale.

    In Haidmühl scheint also die billige Variante aus der Zeit nach WK1 um die billige Variante aus der Zeit nach WK2 ergänzt worden sein. Soweit so völlig normal.

    Was wir nicht wissen ist, ob es auf dem Haidmühler Friedhof ein entsprechendes Denkmal gibt.
    Was wir übrigens auch nicht wissen, oder ich habe s übersehen, ist der Text jener Mail, welche der Autor an die Adressaten gerichtet hat.
    Wir wissen auch nicht, ob und was der Pfarrer 2004 bei der Segnung gesagt hat. Das wäre zur Versachlichung der Debatte aber zwingend notwendig zu wissen.

    Was mir aufstößt ist an der Ganzen Sache etwas anderes: Da kommt jemand aus der Fremde, sieht etwas an dem er sich stört, informiert sich offensichtlich nicht richtig sondern mischt sich gleich mal in die Dinge, die ihn gar nicht betreffen. Die er, das lese ich aus dem Text heraus, gar nicht verstanden hat. Hauptsache mal draufgehauen. Das ist nicht die Art wie man Dinge sinnvoll verändern sollte.

    Da ist es auch nicht hilfreich, dass man sich über den Brief des KSV mokiert, wenn man selbst in einer Schiene drinnen ist, die keineswegs durchgängig sachlich ist.

    Was mich übrigens auch stört, ist der oberflächliche Umgang mit den Wehrmachtssoldaten. Sie hatten das Pech eine durch und durch verderbte oberste und mittlere Führungsriege zu haben. Die selben Soldaten wären aber 20 Jahre zuvor nicht so pauschalverurteilt worden.

    Meine beiden Großväter waren beides als junge Kerle im Krieg. Der eine bezahlte das mit jahrelanger Kriegsgefangenschaft, der andere aufgrund von Spätfolgen letztlich mit seinem Leben.
    Ob sie Helden waren, weiß ich nicht, Nazis waren beide jedoch nicht!

    Wehrmachtssoldaten waren definitv nicht pauschal alles Helden. Sie waren aber genauso wenig pauschal alles Verbrecher.

    Da also bitte etwas sensibler mit den Aussagen.

    • Ralpe says:

      Lieber Bert von Burt,

      danke für ihren usführlichen Kommentar. Anbei der Text des Briefes bzw. die Email, mit der ich nachgefragt habe:
      ****
      Sehr geehrte Damen und Herren,
      bei unserem Winterurlaub im Bayerischen Wald haben wir auch Haidmühle kurz besucht.
      Dort stießen wir auch auf das „Kriegerdenkmal“ mit folgender Inschrift:

      „Den Helden zur Ehr
      die dankbare Pfarrgemeinde Haidmühle
      1914 – 1918
      1939 – 1945“
      Diese Inschrift verstört mich sehr. Wehrmachtsoldaten als Helden zu bezeichnen und ihnen dankbar zu sein, bedeutet für mich, den Angriffskrieg der deutschen Wehrmacht unter Hitler gutzuheißen und zu billigen. Eine Nachfrage im Rathaus ergab keine für mich befriedigende Klärung. Ich bitte Sie, mir zu erklären, wie die Inschrift zu verstehen ist. Außerdem rege ich an, diese Inschrift zeitgeschichtlich einzuordnen und zu kommentieren. Wie stehen Sie zu diesem Vorschlag? Ich habe zum „Kriegerdenkmal“ gebloggt ( https://theonet.de/2018/01/05/wehrmachtssoldaten-sind-keine-helden/ ) und würde Ihre Antwort gerne auch in meinem Blog veröffentlichen.

      Mit freundlichen Grüßen
      ***

      „Opfergedenken oder Heldenverehrung?“ heißt eine Zwischenüberschrift. Ich halte es für problematisch, heutzutage Soldaten der Wehrmacht als Helden zu verehren, stattdessen rege ich an, der Opfer, besser aller Opfer zu gedenken. Zu den Opfern zähle ich auch Soldaten der Wehrmacht, die zur Führung eines Angriffskrieges missbraucht wurden, die für einen verbrecherischen Krieg starben oder mit seelischen oder körperlichen Wunden aus dem Krieg zurückkehrten. Mir geht es mir daum, öffentliches Gedenken nicht nur auf Soldaten zu beziehen, sondern aller Opfer der Nazidiktatur und des Krieges zu gedenken.

      Als Beispiel habe ich die Inschrift aus Leer angefügt:

      1933 -1945
      VON DEN BÜRGERN DER STADT LEER
      ALLEN OPFERN ZUM GEDENKEN
      SIE WURDEN ERMORDET
      INFOLGE DES NAZISTISCHEN RASSENWAHNES
      IN EINEM KRIEG FÜR DIE INTERESSEN ANDERER
      IM WIDERSTAND FÜR EIN BESSERES DEUTSCHLAND
      ALLEN LEBENDEN ZUR WARNUNG! NIE WIEDER KRIEG!
      NIE WIEDER FASCHISMUS!

      Ja. ich bin nur in der Haidmühe auf der Durchreise gewesen, mich hat aber das Denkmal verstört. Ich habe im Rathaus nachgefragt, mit zwei Personen gesprochen und keine befriedigende Antwort erhalten. Daraufhin habe ich den Blogpost geschrieben, Zitat: „Ich habe die Menschen in Haidmühle während unseres kurzen Aufenthaltes als sehr freundlich erlebt, bin aber erschrocken, dass anscheinend niemand bisher die Inschrift dieses ‚Kriegerdenkmals‘ in Frage gestellt hat.“

      Es steht neben dem Denkmal ein Schaukasten, man könnte ohne großen Aufwand die heldenverehrende Inschrift mit einem passenden Text in einen Kontext rücken, der die Opfer (dazu gehören auch Soldaten) in den Mittelpunkt des Gedenkens stellt.

      Ich verstehe nicht den Widerstand gegen diesen Vorschlag.

      • Bert van Burgh says:

        Meinerseits gibt es keinen Widerstand gegen den Vorschlag an sich, sondern die Artt und weise , wie der Vorschlag unterbreitet und wie damit umgegangen wird. Das lässt Reflexartig Widerstand aufkommen. Wie immer, wenn jemand etwas tut von dem er nicht genau weiß was er da tut. Das stötz mich im konkreten Fall.Die Idee an sich ist gut, aber es wurde aus meiner Sich kompolett falsch an sie herangegangen.

  6. Unser „Gefallenendenkmal“ wird ausdrücklich „Mahnmal“ genannt – nach dem Krieg als Kreuz mit der Inschrift „Schaffet Frieden“ aufgestellt. Als ich vor über 20 Jahren dort – wie ich fand: sehr vorsichtige – Reden zum Volkstrauertag hielt, bekam ich noch z.T. wütende Zuschriften. Eine Tochter fragte z.B., wie ich Andenken und Sinn des gefallenen Vaters infrage stellen könne. Und ist es nicht unbarmherzig, darauf zu antworten: Darin liegt kein Sinn. Im Gegenteil, Ihr Vater hat sich noch durch die Beteiligung an einem sinnlosen Angriffskrieg schuldig gemacht.
    Damit möchte ich die Reaktion eines Erich Riedl nicht rechtfertigen; sie ist mehr als 70 Jahre nach Ende des Krieges inakzeptabel. Aber vielleicht etwas verständlich?
    Wir haben es bei uns inzwischen etabliert, dass die Vereine und Verbände einen gemeinsamen Kranz zum Volkstrauertag niederlegen. Die Aufschrift: Gedenken der Toten, Mahnung zum Frieden. Die Rede hält ein Vertreter oder eine Vertreterin eines Vereins – der Behinderten-AG, der Freiw. Feuerwehr, der Sozialverbände, Kriegsgräberfürsorge, Reservisten etc. Mal sehr friedensbewegt, mal bundeswehrnah. Damit haben wir das Thema aus der rechten Ecke herausgeholt.
    Gruß, Erik Thiesen

  7. bcgie says:

    Der Brief des ersten Vorsitzenden des Krieger- und Soldatenvereins lässt mich wirklich sprachlos zurück. Von der Gesinnung her und sprachlich eine völlige Entgleisung …

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