Digitalisierung ist kein Allheilmittel, wir brauchen auch einen Kulturwandel

Am Montag in einer Sitzung zum Thema Digitalisierung eine angeregte und engagierte Diskussion, welche Projekte wir brauchen, um nahe bei den Menschen zu sein. Ja, wir brauchen auch in Deutschland einen Gemeindefinder wie z.B. A Church near you – aber was, wenn kirchenferne Menschen zur Gemeinde vor Ort kommen und auf eine Realität stoßen, die nicht wertschätzend ist. Wenn wir digitale Strukturen zur niederschwelligen Kontaktaufnahme wollen, müssen die dazu korrespondierenden Angebote vor Ort einladend sein. Sonst ist nichts gewonnen. Leider ist oft noch ein Kulturwandel notwendig, sonst hilft das beste Digitalisierungsprojekt nicht.

Mir kommt direkt die Konfimandenanmeldung für unsere Tochter in den Sinn.

Hier das Anschreiben:

Anmeldung-Konfi0002-anonym

 

Liebe Familien,

gemäß unseren Unterlagen kann Ihr Kind ab diesem Jahr den Konfirmandenunterricht bei uns besuchen.

In unserer Gemeinde beginnt die Kofirmandenzeit für alle angemeldeten Kinder gemeinsam mit verbindlichen Angeboten im Rahmen der Jugendarbeit ab Ende September diesen Jahres. […] Jede Gruppe lernt sich in Verbindung mit einer Freizeit in unserem **** Jugendheim in **** vorher kennen (140,- [Euro]/Ermäßigung erfragen).

[…]

Für alle Konfirmanden/innen gebinnt die Konfirmandenzeit mit einem Anmeldegottesdienst […]. BITTE GEBEN SIE DIE ANMELDUNG DANN BEI DEM ANMELDETERMIN AB.  NUR BEI VERHINDERUNG BITTE VORHER EINREICHEN.

[…]

Und hier ein weiteres Anmeldeformular:

Anmeldung-Konfi0006-anonym

Wir verpflichten uns, unser Kind anzuhalten, die Jugendangebote für Konfirmanden, den Unterricht und die von den Unterichtenden vorgeschlagenen Gottesdienste regelmäßig zu besuchen.

[…]

Unterschrift des Kindes
Unterschrift des bzw. der Erziehungsberechtigten

[…]

Warum die  unpersönliche Anrede „Liebe Familien“? Warum keine Anrede mit Namen, die Daten liegen doch der Gemeinde vor. Amtliche Sprache („gemäß unseren Unterlagen“, „bei Verhinderung“ – dies auch noch in größeren Buchstaben und in Fettdruck). Teilweise inklusive Sprache, dann wieder nicht. Auch altertümlicher Kirchensprech („Wir verpflichten uns, unser Kind anzuhalten“), eine Verpflichtung, die sich an die Eltern als angegesprochene richtet, die aber auch vom Kind unterzeichnet werden muss.

Ich gehe auf die Website der Gemeinde und finde dort auch einen Monat nach Versand dieses Briefes noch Informationen zur Konfirmandenanmeldung des Vorjahres. Welches Interesse zeigt die Gemeinde an neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden?

Wer nicht hochverbunden ist, für den ist oft die Konfirmation ein Kontaktpunkt mit Kirche nach längerer Zeit. Wie aber begegnet Kirche hier? Als unpersönliche Amtskirche, die nichtmals ihre Website aktualisiert.

Warum nicht eine Postkarte oder Kurzbrief an die Konfirmandinnen und Konfirmanden und ein Begleitschreiben an die Eltern?

Liebe Xyz,

Du gehst nun die die siebte Klasse und wir freuen uns, Dich zum Konfirmandenunterricht in unserer Gemeinde einzuladen. Wir möchten Dir unsere Gemeinde zeigen und haben dafür ein Programm zusammengestellt. Dazu gehört auch eine Freizeit in ****, wo Du Deine Konfirmandengruppe kennenlernen kannst.

Wir haben Informationen zum Konfirmandenunterricht für Deine Eltern zusammengestellt, die hier beiliegen.

Wenn Du oder Deine Eltern Fragen habt, meldet Euch gerne bei mir.

Wir freuen uns, wenn Du mit Deinen Eltern zum Anmeldegottesdienst kommst.

Falls Ihr an diesem Tag nicht könnt, dann können Deine Eltern die Anmeldung auch schriftlich abgeben.

Hoffentlich bis bald

Dein [Name des Pfarres]

 

#digitalekirche sind nicht nur große Digitalisierungsprojekte, sondern sie beginnt, wenn wir persönliche Serienbriefe schreiben und die Website pflegen. Digitalisierung ist aber kein Selbstzweck, sondern wir brauchen gleichzeitig einen Kulturwandel: als Kirche müssen wir einladend sein und Menschen freundlich ansprechen: online und offline.

 

 

 

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One Response to Digitalisierung ist kein Allheilmittel, wir brauchen auch einen Kulturwandel

  1. Simon says:

    Völlig richtig. Für viele ist das quasi der Erstkontakt mit Kirche. Und wenn man den versaut, kann man eigentlich einpacken.
    Im Bistum Essen haben wir uns über genau solche Dinge Gedanken gemacht: https://www.bistum-essen.de/presse/artikel/bistum-wirbt-mit-neuem-handbuch-fuer-willkommenskultur-in-kirchengemeinden/

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