Hybrid wird nun (hoffentlich) normal – Gottesdienste während der Corona-Pandemie

Während der Zeit, in der Präsenzgottesdienste ausfallen mussten, wurden digitale Gottesdienste zum Normalfall für viele Gemeinden. Natürlich gab es auch andere kreative Formen, den Gottesdienst zu den Menschen nach Hause zu bringen. Meine Eltern beispielsweise freuen sich über die ausgedruckte Predigt, die ihnen die Konfirmandinnen und Konfirmanden in den Briefkasten werfen.

Präsenzgottesdienste sind nichts für Risikogruppen

Wenn es wieder möglich ist, Präsenzgottesdienste zu feiern werden diese nicht für die gesamte Gemeinde zugänglich sein. Risikogruppen – also ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen – sollte eine andere Teilnahme am Gottesdienst als die vor Ort ermöglicht werden. Solange Kindertagesstätten geschlossen sind, gilt dies auch für Familien mit Kindern im entsprechenden Alter. Außerdem gibt es bei Präsenzgottesdiensten zahlenmäßige Beschränkungen aufgrund der Hygienevorschriften.

Niemand sollte vor der Alternative stehen: Kirchgang zum Gottesdienst vor Ort oder keine Teilnahme am Gottesdienst. Deshalb sollte ergänzend weiterhin eine Teilnahme am Gottesdienst angeboten werden, die keine körperliche Anwesenheit in der Kirche voraussetzt, so dass der Gottesdienst in diesem Sinne in hybrider Form gefeiert wird: als Präsenzgottesdienst vor Ort mit der Möglichkeit, auch digital daran teilzunehmen.

Twittergottesdienst als Vorreiter

Ein hybrider Gottesdienst folgt dabei dem Modell, das wir bei so genannten Twittergottesdiensten erprobt haben: Zwei Gottesdienstgemeinden verschmelzen zu einer, nämlich die Gottesdienstgemeinde vor Ort und die Gemeinde, die dem Stream folgt und auf Twitter interagiert. Dadurch, dass die Twitterwall gut sichtbar in der Kirche steht, werden so die beiden Gemeinden zu einer verküpft. Twittergottesdienste sind natürlich aufwändig. Die Frage ist: gelingt es, dieses Modell auf Gemeinden zu übertragen, die ihre Präsenzgottesdienste wieder aufnehmen und gleichzeitig mit dem Streamen fortfahren?

Am einfachsten ist es, wenn Gemeinden dabei ihre Erfahrungen berücksichtigen, die sie in den letzten Wochen bei digitalen Gottesdiensten gewonnen haben.

Hybride Gottesdienste

Im Folgenden einige Hinweise für unterschiedliche Gottesdienst-Settings , die auch auf der Website der rheinischen Kirche veröffentlicht sind.

Livestreaming

Wenn Gemeinden aus der Kirche bereits einen Livestream ohne Gottesdienstbesucherinnen und -besucher übertragen, lässt sich diese Form fortführen, wenn nun auch Gemeinde im Kirchenraum präsent ist. Liturgisch ist darauf zu achten, dass Beteiligungsformen, die sich entwickelt haben (z.B. via Kommentarfunktion eingereichte Fürbitten) weiterhin zum Tragen kommen.

Aufgezeichnete Gottesdienste

Wenn Gottesdienste vorab aufgezeichnet wurden, bietet es sich an, diese zeitgleich zum Präsenzgottesdienst freizuschalten. Wird dafür die so genannte Premiere-Funktionalität genutzt, sind auch beim aufgezeichneten Gottesdienst Live-Kommentare möglich. Über die Kommentarfunktion lassen sich beide Gottesdienste beispielsweise bei Fürbitten verknüpfen, so dass Gottesdienst im Kirchraum und im Video aufeinander bezogen sind. Bei der Premiere-Funktionalität sehen alle YouTube-Zuschauer während der Premiere die selbe Zeit des Gottesdienst-Videos. Startet ein Zuschauer das Premieren-Video, welches für 11:00 getimet war um 11:10, so sieht er das Video auch ab Minute 10. Es ist möglich in einem Premieren-Video zurück zu klicken, aber nicht nach vorne. Nach der Premiere ist das Video als normales on demand-Video verfügbar. Aufzeichnung live on tape Falls aufgrund der örtlichen Verhältnisse keine Liveübertragung möglich ist (z.B. kein Highspeed-Internet in der Kirche), bietet sich nun an, den Präsenzgottesdienst auf Video aufzuzeichnen und im Nachgang online zu Verfügung zu stellen. Um eine relativ zeitnahe Bereitstellung zu ermöglichen, bietet sich die Produktionsform live on tape an. Bei diesem Format ist keine nachträgliche Bearbeitung des Videos nötig, es muss nur zum Streaming-Dienst hochgeladen werden. Erfahrungsgemäß benötigen Streamingdienste Zeit für den Upload und die entsprechende Konvertierung, so dass ein Vormittagsgottesdienst dann zur Mittagszeit bereitstünde.

Videokonferenzen

Wenn Gottesdienste als Video-Konferenz durchgeführt werden, ist es auch denkbar, dass vom Präsenzgottesdienst in die Videokonferenz gestreamt wird und die Video-Konferenz per Beamer vor Ort sichtbar wird. Diese hybride Form fordert eine detaillierte Planung, die die örtlichen Verhältnisse und Kommunikationsformen angemessen aufgreift

Alternativen zu Videos / Livestream

Falls eine Gemeinde technisch nicht in der Lage ist, den Gottesdienst per Video aufzuzeichnen bzw. zu übertragen, können Predigt und beispielsweise Fürbitten per Smartphone als Audio aufgezeichnet werden und zum Download auf der Gemeindehomepage bereitgestellt werden bzw. per E-Mail oder Messenger-Dienst in der Gemeinde verteilt werden. Außerdem kann die Predigt als Manuskript bereitgestellt werden.

Herantasten

Werden hybride Gottesdienste der Normalfall? Das bleibt abzuwarten, denn sie sind komplexer als Präsenzgottesdienste oder digitale Gottesdienste. Es kann natürlich leicht zu einer Überforderung führen, die Hygienevorschriften für die Präsenzgottesdienste umzusetzen und gleichzeitig vom digitalen Gttesdienst zum hybriden überzugehen.

Daher der Plan für die Gemeinde, die ich beim digitalen Gottesdienst unterstützt habe: zunächst einen hybriden Gottesdienst als Trockenlauf durchzuführen. Die Mitwirkenden des Gottesdienstes führen den Gottesdienst wie einen hybriden Gottesdienst durch, aber die Gemeinde nimmt noch digital teil. Wenn alles gut läuft, ist beim folgenden Gottesdienst auch die Gemeinde im Kirchraum präsent – natürlich unter Befolgungung der Hygienevorschriften.

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