Soldatenfriedhöfe in der Normandie: Gedenken an Opfer, Täter oder Helden?

Sommerurlaub in der Normandie: Der Zweite Weltkrieg ist an vielen Orten noch sichtbar. Auch Touristen kommen daran nicht vorbei. Kriegsmuseen und Soldatenfriedhöfe gehören in der Normandie zum Besuchsprogramm.  Der Zweite Weltkrieg ist in der Öffentlichkeit viel präsenter als in Deutschland. In Frankreich gibt es eine andere Erinnerungskultur. Schon die Begriffe sind anders. Es geht nicht um die Invasion in der Normandie, sondern um die Befreiung Frankreichs, wie die Landung alliierter Truppen in der Normandie genannt wird. Die alliierten Soldaten waren keine Invasoren, sondern Befreier. An sie kann man sich dankbar erinnern.

Jeder Soldat hat ein Gesicht

Soldatenfriedhöfe Normandie: Bayeux War Cemetery
Erinnerung an den britischen Soldaten Robert Steen beim Bayeux War Cemetery

Unter dem Motto „Never Forget“ bzw. „Ne jamais oublier“ erinnern Portaitfotos an Laternenpfosten an einzelne Soldaten. Diese amerikanische, britischen und anderen alliierten Soldaten haben den Einsatz mit ihrem Leben bezahlt. Sie brachten ein Opfer und werden als Helden verehrt, die Europa befreit haben. Die Gestaltung der amerikanischen und britischen Soldatenfriedhöfe zeigt diese Sichtweise. Weiße Kreuze geben den Gefallenen Namen und drücken die Dankbarkeit ihrer Länder aus.

Die britische Kriegsgräberstätte in Bayeux

Der größte Kriegsgräberfriedhof in Frankreich für Soldaten aus Ländern des britischen Commonwealth ist Bayeux War Cemetery.  Auf dem Mahnmal dieses Ehrenfriedhofs sind die Namen der 1808 Soldaten aus dem Commonwealth eingraviert, die in der Schlacht um die Normandie gefallen sind und keine Grabstätte haben.

Normandy American Cemetery and Memorial

Der amerikanische  Soldatenfriedhof befindet sich bei Colleville-sur-Mer in der Nähe von Omaha-Beach. Auf dem Denkmal findet sich diese Inschrift:

„THIS EMBATTLED SHORE, PORTAL OF FREEDOM, IS FOREVER HALLOWED BY THE IDEALS, THE VALOR AND THE SACRIFICES OF OUR FELLOW COUNTRYMEN”. 

Am Fuß steht auf Englisch und Französisch:

“IN PROUD REMEMBRANCE OF THE ACHIEVEMENTS OF HER SONS AND IN HUMBLE TRIBUTE TO THEIR SACRIFICES THIS MEMORIAL HAS BEEN ERECTED BY THE UNITED STATES OF AMERICA”.  

Auf dem Friedhof finden sich 9.388 Gräber US-amerikanischer Soldaten. Die Grabsteine sind aus weißem Laaser Marmor.

La Cambe: Die deutsche Kriegsgräberstätte in der Normandie

Der Soldatenfriedhof von La Cambe  ist eine deutsche Kriegsgräberstätte in der Nähe von Bayeux. Dort ruhen mehr als 21.000 deutsche Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Auf diesem Friedhof in der Normandie sind auch tote Soldaten der Waffen-SS beigesetzt. Ebenso Soldaten, die am Massaker von Oradour beteiligt waren, haben hier ihren Ruheort.

In der Mitte des Kriegsgräberstätte La Cambe befindet sich ein Grabhügel, ein so genannter Tumulus. Er wird von zwei Statuen flankiert und ist durch ein großes dunkles Basaltlavakreuz markiert. Dort sind 207 unbekannte und 89 identifizierte deutsche Soldaten in einem Massengrab beigesetzt. Um den Tumulus angeordnet befinden sich 49 rechteckige Grabfelder mit jeweils bis zu 400 Gräbern, die auf einer grünen Rasenfläche durch Grabplatten gekennzeichnet sind. Vor dem Tumulus steht ein Gedenkstein. Das Gedenken an die deutschen Soldaten ist deutlich schwieriger als das an die Alliierten: Kein dankbares Erinnern an Befreier, sondern ein Wissen um das Leid, das durch sie geschah — und die Hoffnung auf Versöhnung über den Gräbern.

Inschrift unter dem Kreuz auf dem Hügel

DUNKEL WÖLBT SICH DER HÜGEL
ÜBER DEM GRAB DER SOLDATEN
DUNKEL STEHT GOTTES GEBOT
ÜBER DEN TOTEN DES KRIEGES
HELL ABER LEUCHTET DER HIMMEL
ÜBER DEN RAGENDEN KREUZEN
HELLER NOCH LEUCHTET IHR TROST
GOTT HAT DAS LETZTE WORT

Inschrift unter dem Kreuz auf dem Tumulus der Kriegsgräberstätte La Cambe


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