Datenschützer über Facebook-Fanpage: „Kommunikation auf der Seite soll nicht stattfinden“

Jetzt wird es absurd: das Land Rheinland-Pfalz beteibt eine Facebook-Fanpage, die gestern neu gewählte Ministerpräsidentin Malu Dreyer fordert auf, nun zur Kommunikation mit ihr die offizielle Facebook-Seite des Landes  anstelle ihres persönlichen Facebook-Kontos zu nutzen und Edgar Wagner, der Chef-Datenschützer des Landes Rheinland Pfalz, fordert noch am selben Tage im Interview das Gegenteil:

Kommunikation auf der Seite soll nicht stattfinden. Das Ziel ist, dass auf der Seite möglichst wenig Interaktion stattfindet, damit wenige Nutzungsdaten erzeugt werden.

via Interview: Wieso Landesdatenschützer Wagner der Facebook-Kompromiss gefällt – Regionales – Rhein-Zeitung.

Was nun – Hü oder Hott? Verstehe ich den rheinland-pfälzischen Datenschutzkompromiss richtig, wenn er sagt Facebook-Nutzung ja, aber Kommunikation über Facebook nein. Also, lasst die User auf Facebook ruhig Fragen stellen, aber Antworten kriegen sie keine. Das ist nun wirklich absurd.

Kein Rückkanal auf facebook.com/rlp.de

Kein Rückkanal auf facebook.com/rlp.de?

Ich konnte es nicht lassen, nun zu dieser Thematik auf der RLP-Facebook-Seite eine Frage dazu zu posten. Erhalte ich eine Antwort, setzen sich die Page-Admins über den Datenschützer hinweg, erhalte ich keine Antwort, zeigt sich, wie absurd die Regelung ist. Ich bin gespannt.

Wer das ganze Interview mit Edgar Wagner, der seit 2007 Landesbeauftragter für den Datenschutz in Rhinland-Pfalz ist, liest,  wird auch auf Passagen treffen, denen auf jeden Fall zuzustimmen ist. Zum Beispiel, keine Informationen exklusiv auf Facebook einzustellen und neben dem Zuckerbergs Imperium auch andere Netzwerke zu bedienen. Ebenso ist sinnvoll zu überprüfen, wer Facebook bedienen soll. Selbstredend ist, Facebook nicht für das Verwaltungshandeln zu verwenden. All dies ist sinnvoll. Bloß der Kompromiss, Facebook ja, aber Kommunikation über Facebook nein – der ist absurd.

Natürlich wirft Facebook datenschutzrechtliche Fragen auf. Wenn Facebook ein rechtswidirges Angebot wäre, dann gehörte es gesperrt. Aber solange man sich juristisch nicht sicher ist (oder sich nicht traut, die eigene Rechtsauffassung umzusetzen), solange muss man die Menschen Facebook nutzen lassen, anstatt sie ins Leere laufen zu lassen. Ein Kommunikationsangebot übr Social Media den Bürgerinnen und Bürgen eines Landes zu machen, aber dann darüber nicht kommunizeiren – das nimmt die Menschen nicht ernst.

Die Debatte in Rheinland-Pfalz zeigt aber auch, wie offen die Debatte um die Facebook-Nutzung ist. Falls es sich höchstrichterlich erweisen sollte, dass die Nutzung von Facebook deutschem Recht widersprechen sollte, muss man im Zweifelsfalle darauf verzichten könnnen. Oder wenn Datenschützer das Abschalten verlangen. Deshalb: Facebook darf also nicht die einzige Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit sein, es muss immer noch einen Plan B geben. Wir bestimmen die Regeln nicht. Wir sind nur Gast auf Facebook, nicht Hausherr oder Hausherrin. Nutzungsbedingungen von Facebook können sich auch schnell ändern. Dies hat vor kurzem auch die Diskussion über die neuen Nutzungsbedingungen von Instagram gezeigt. Es kann daher schneller kommen als man denkt, dass man als Einrichtung (und als Kirche) vielleicht Facebook dann auch nicht mehr nutzen kann oder will.

Eine Präsenz auf Facebook ist kein Selbstzweck, sondern dient der Kommunikation, die in Zeiten von Social Media immer bidirektional ist. Facebook muss daher auch ein Rückkanal sein und Interaktion zulassen. Geht das nicht, sollte man es besser lassen.

Aber in der Zwischenzeit gilt: Kaufet die Zeit aus. Facebook ist kein Allheilmittel, sondern ein Kommunikationsmittel, um das unter die Menschen zu bringen, was uns aufgetragen ist.

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