Person und Gemeinschaft im #Neuland: Chancen und Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft durch Digitalisierung und Social Media

Prezi zum Vortrag

Prezi zum Vortrag

Wie einfach wäre die Welt, wenn es nur Scharz und Weiß gäbe. Aber unsere Wirklichkeit ist komplexer. Das Internet und die Digitalisierung fordern uns heraus, sie verändern unseren Alltag und wir müssen uns dazu verhalten. Das gilt für die Gesellschaft, aber auch für uns als Kirche. Die Herausforderungen und Chancen sind vielfältig. So heißt es beispielsweise  in der Social Media-Handreichung der Protestantischen Kirche der Niederlande von 2012:

Ausgangspunkt ist, dass Social Media einen wertvollen Beitrag zur Arbeit leisten kann, wie EMail und Internet das auch bereits getan haben und noch stets tun. Bei neuen Entwicklungensieht man oft, dass eine Gruppe vor allem die Gefährdungen sieht und eine andere Gruppe vor allem die Chancen. Der Umgang ist Social Media ist nicht durch Regeln festzulegen. Diese Handreichung wurde entwickelt, damit Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter vor allem die Chancen wahrnehmen und die Gefahren umsegeln.

Ich möchte also versuchen, differenziert zu argumentieren, vielleicht gelingt es uns als Kirche, in dieser Welt auch zu agieren und nicht nur zu reagieren.

Terminologie verrät den Standpunkt

Je nachdem, welche Terminologie ich wähle, beziehe ich schon Position. Liegt nicht Aufgabe der Kirche in der „direkten“ („face-to-face“) Kommunikation des Evangeliums? Eignet sich Social Media überhaupt für Verkündigung und Seelsorge, wenn dort gezwitschert (Twitter) und gequatscht (Chat) wird? Als ob beim Kirchencafé nicht auch einfach nur geredet wird. Die Wahl der eigenen Terminologie zeigt dabei bereits den eigenen Standort. Spricht man von real versus virtuell? Von face-to-face Kommunikation versus computer-vermittelter Kommunikation? Oder von Kohlenstoffwelt versus Netzwelt? Oder von offline und online? Es geht also um die theologische Positionsbestimmung des Internets.

Die EKD-Synode 2014 hatte sich als Schwerpunkthema die  „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft“ gewählt. Diese Formulierung ist bereits eine Fokussierung auf das Kommunikationshandeln der Kirche, Digitalisierung umfasst natürlich mehr. Dabei geht es auch um die grundsätzliche Frage, was das Internet für uns ist.

Veränderungen durch Digitalisierung

Ist das Internet ein Instrument, ein Werkzeug oder ein Tool, das sich auch gut für die Kommunikation des Evangeliums nutzen lässt oder geht es um einen fundamentalen Veränderungsprozess in unserer Gesellschaft, um die Entstehung einer neuen digitalen Kultur, in der wir uns als Kirche zurecht finden müssen. Verändert es sogar Grundkonstanten unseres Menschseins?

Internet und Digitalisierung sind natürlich zu differenzieren, aber der Umgang mit dem Internet zeigt sehr deutlich, wie man Digitalisierung versteht.

Ist das Internet nur ein Tool, dann verstehen wir das Internet als ein weiteres Medium, neben Print, Radio oder Fernsehen. Dann tritt die Chatandacht zum Wort zum Sonntag und ergänzt das geistliche Wort im Gemeindebrief. Ein Instrument kann man einsetzen, auf bestimmte Bereiche beschränken oder den Einsatz bleiben lassen, wenn es nicht den angestrebten Erfolg bringt. Digitalisierung so verstanden fügt dem kirchlichen Repertoire einen neuen Kanal hinzu, den es zu bespielen gilt – am besten von Fachleuten, die man sich für diesen Zweig der Medienarbeit am besten holt, um das Feld professionell zu besetzen.

Oder ist Digitalisierung ein grundlegender Veränderungsprozess, in dem sich unsere Gesellschaft befindet, der unseren Alltag und die Struktur unserer Gesellschaft, die Wirtschaft, Unternehmen und Institutionen umfassend verändern wird, neue Wirtschafts- und Erwerbsmodelle hervorbringt und andere obsolet macht? Dann müssen wir uns als Kirche auf diesen gesellschaftlichen oder auch anthropologischen Wandel einstellen, dabei wird sich auch die Kirche verändern.

Oder noch pointierter: Wenn das Handy eine Extension unserer Gliedmaßen wird, ändert sich auch die Anthropologie. Was ist der Menschen, wenn Mikrochips unter der Haut eingepflanzt sind und den Menschen ergänzen?

Jede Veränderung erzeugt Angst

Bei jeder Diskussion des Themas Digitalisierung muss man auch bedenken, dass Veränderungsprozesse Verunsicherung erzeugen, schnell kommt es zu einer Abwehrhaltung, dazu Gunter Dueck, früherer Chefstratege von IBM und IT-Vordenker:

„Wir Deutschen neigen besonders dazu, zu vielen Megatrends zunächst eine Abwehrhaltung aufzubauen: ‘Nein, das wollen wir nicht’ ist die Haltung. Dabei lässt sich Digitalisierung nicht aufhalten. Durch kein Gesetz. Durch keine Blockade.“

Piotr Czerski, geboren 1981, ist ein polnischer Dichter, Autor, Musiker und Ex-Blogger, er schreibt:

„Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen. Darum sind wir anders. Das ist der entscheidende, aus unserer Sicht allerdings überraschende Unterschied: Wir „surfen“ nicht im Internet und das Internet ist für uns kein „Ort“ und kein „virtueller Raum“. Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung unserer Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist.

Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Wenn wir euch, den Analogen, unseren „Bildungsroman“ erzählen müssten, dann würden wir sagen, dass an allen wesentlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, das Internet als organisches Element beteiligt war. Wir haben online Freunde und Feinde gefunden, wir haben online unsere Spickzettel für Prüfungen vorbereitet, wir haben Partys und Lerntreffen online geplant, wir haben uns online verliebt und getrennt.

Das Internet ist für uns keine Technologie, deren Beherrschung wir erlernen mussten und die wir irgendwie verinnerlicht haben. Das Netz ist ein fortlaufender Prozess, der sich vor unseren Augen beständig verändert, mit uns und durch uns. Technologien entstehen und verschwinden in unserem Umfeld, Websites werden gebaut, sie erblühen und vergehen, aber das Netz bleibt bestehen, denn wir sind das Netz – wir, die wir darüber in einer Art kommunizieren, die uns ganz natürlich erscheint, intensiver und effizienter als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.“

Mit anderen Worten: Die digitale Zukunft kommt bzw. sie ist schon da, auch wenn es noch nicht alle gemerkt haben. Sie lässt sich nicht durch eine Verweigerungshaltung aufhalten. Als Kirche betreten wir Neuland. Angela Merkel hat für den Satz, dass Internet Neuland sei, viel Häme im Netz abbekommen, aber für uns als Kirche gilt er (noch) – so formuliert es auch der Kundgebungsentwurf, auch wenn hier das Wort Neuland nicht fällt:

„Wir erkennen, wie wenig wir von dem verstehen, was die Entwicklungen bewirken werden. Wir ahnen die Gestaltungsaufgabe, die die umfassende Digitalisierung mit sich bringt.“

Internet als Ersatzreligon?

Ulrich Schneider-Wedding kritisiert in der letzten Ausgabe des Korrespondenzblatts, dem Publikationsorgan des bayerischen Pfarrvereins,  in einem Aufsatz mit dem Titel „Digitalisierung als Ersatz-Religion“, dass die evangelische Kirche ihr Wesen zugunsten von Social Media und  Digitatliserung aufgibt, die quasie zu einer Ersatz-Religion werden, dem widerspricht der bayerische Social Media Pfarrer Christoph Breit im selben Heft mit einem weiteren Aufsatz „Es gibt kein analoges Leben im Digitalen“.

Es mutet an wie ein Kulturkampf: Bewahrer des echten Lebens und der menschlichen Autonomie gegen die Jünger der Digitalisierung. Unversöhnlich scheinen die Fronten und jeder Versuch, das Thema in Worte zu fassen oder gar in der digitalen Welt zu leben und zu arbeiten wird zum Verrat an Gott, am eigenen Ich, ja am Leben überhaupt.

Breit greift mit seinem Aufsatztitel Michael Seemann auf, der sagt »Es gibt kein analoges Leben im Digitalen. Ist man Teil der Welt, wird man Teil des Internets sein.«

Wenn wir im Rheinland schwierige Fragen zu klären haben, zitieren wir im Rheinland gerne die Barmer Theologische Erklärung.

These III der Barmer Theologischen Erklärung verortet die Kirche  „mit ihrer Botschaft … mitten in der Welt der Sünde“, These VI bestimmt den Auftrag der Kirche darin, „an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“ Volkskirche so verstanden koppelt den Auftrag der Glaubenskommunikation daran, an alle Menschen gewiesen zu sein.

Daraus leitet sich der Auftrag kirchlicher Präsenz in Social Media ab. In ihrer Leitvorstellung „Missionarisch Volkskirche sein“ versteht sich beispielsweise die Evangelische Kirche im Rheinland als eine Kirche, „die auf Menschen zugeht (Mt 28,19), um sie mit dem Evangelium in Kontakt zu bringen, sie zum Glauben einzuladen, ihnen zu dienen und sie zur Umkehr zu einem neuen Leben in Gerechtigkeit und Solidarität zu rufen.“ Die rheinische Kirche ist sich bewusst, dass neue Medien wie Internet oder mobile Kommunikation neue Lebenswelten, insbesondere für Jugendliche, entstehen lassen. Daher formuliert sie für sich eine Verpflichtung: ,,[w]ir sind im Dialog sensibel für unterschiedliche Sprachformen und suchen neue Wege der Verkündigung.“ Im Handlungsfeld 2.9 „Öffentlich und persönlich für den Glauben werben“ wird bekräftigt, die Volkskirche biete „eine Fülle von Möglichkeiten, mit dem Evangelium in Kontakt zu treten“. Daher lautet eine der Fragen zur Selbstkontrolle: Welche Einstiegsmöglichkeiten zum Glauben – besonders auch durch neue Medien – werden Suchenden eröffnet? Einen solchen niedrigschwelligen Einstieg bietet Social Media. Eine missionarische Volkskirche muss in sozialen Netzen mit eigenen angemessenen Angeboten präsent sein.

Dabei dürfen und müssen wir uns als Kirche auch in Netzwerke begeben, die uns nicht gefallen, um die Menschen zu erreichen, denen diese Netzwerke gefallen. Das heißt für mich: Auch wenn Facebook in der Welt der Sünde ist, hindert mich nichts, dort das Evangelium zu verkünden, dieses schulden wir nämlich allem Volk. Wenn über 30 Millionen Deutsche auf Facebook kommunizieren, dass richten wir auch dort das Evangelium aus. Täten wir dies nicht, zögen wir uns aus der sündigen Welt zurück und flüchteten uns ins Weltfremde hinter Kirchenmauern. Das aber ist nicht mein Bild von evangelischer Kirche. Bei aller Kritik an Facebook & Co: wir sind – so sehe ich das – von Gott auch in solche Netzwerke gestellt.

Theologisch geht es also um das Wie und nicht um das Ob. Zwei Punkte sind mir persönlich wichtig: Die Wahrung einer Privatsphäre und die unserer Leiblichkeit.

Auch im Netz brauchen wir Privatsphäre

 Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. (Gen. 3, 21)

Es gibt beim Menschen etwas, was den Blicken anderer entzogen werden soll. Kleidung verdeckt die körperliche Nacktheit, aber wir brauchen auch Schutz gegen die digitale Nacktheit, nicht alle Datenspuren unserer selbst sollen offengelegt werden. Dies müsste theologisch noch weiter begründet werden. Gerade gegenüber Post-Privacy-Vertreter, die zwar totale Informationsfreiheit nicht als Wunschvorstellung propagieren, sondern eher als technisch nicht verhinderbar, müssen wir betonen, dass aufgrund des christliches Menschenbildes es  auch im Netz es gibt Schutzräume geben muss.

Da dieser Schutz in den kommerziellen sozialen Netzwerken nicht gegeben ist, sagen die Social Media Guidelines der rheinischen Kirche klar: Keine Seelsorge auf Facebook.

Was ist öffentlich, was ist privat, was ist persönlich im Netz, dies verlangt einen eigenen Diskurs.

Der Mensch ist mehr als nur Geist

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns (Joh 1,14)

Das Wort – der Logos – Information – Bits und Bytes – Wisdom of the Crowds: Der Geist Gottes begegnet uns in seiner und unserer Körperlichkeit, der Mensch ist mehr als nur ein Geist. Wir sind als Menschen mit unserer Präsenz an einen Ort gebunden und können auch im Netz nicht losgelöst von unserem Körper existieren.

In Online-Welten, Second Life ist schon fast historisch, wenn man die Zeiträume ansieht, wie sich das Netz weiterentwickelt, wählen sich Menschen Avatare, mit denen sie in der Online-Umgebung agieren. Ob Second Life oder andere Online-Welten, in denen wir als Avatare leben, es besteht immer eine Differenz zwischen Avatar, der Online-Person, und dem Menschen, der sich den Avatar ausgesucht hat, denn dem Avatar fehlt die Körperlichkeit. Eine Studie der EKD-Internetarbeit zu Second Life zeigte, dass die meisten Menschen sich Avatare aussuchen, die zu ihrer Persönlichkeit im Real Life korrespondieren.

Inszenierung als Online-Person

In den christologischen Streitigkeiten der Alten Kirche Kirche und der Entwicklung der Trinitätslehre ging es auch um Begriffe, die ihre spezielle Bedeutung erst im Laufe der Auseinandersetzung entwickelten.  Der griechische Begriff prosopen bzw. das lateinische persona sind dabei zentral.

Persona bezeichnete ursprünglich eine im antiken griechischen Theater von den Schauspielern verwendete Maske, welche die Rolle des Schauspielers typisierte. Der Name ist abgeleitet aus dem Lateinischen (personare = hindurchtönen). Daraus entwickelte sich der Begriff der Person, wie wir ihn heute kennen. In der Trinitätslehre bedeutet der Begriff Person, dass Gott uns zwar als Einer aber in drei Personen als Vater, Sohn und Heiliger Geist begegnet. Wir können von Gott nicht anders sprechen, als dass wir den Begriff der Person verwenden.

In Bezug auf das Internet sprechen wir auch von der Online-Person. Häufig steht dahinter, dass wir online jemand anders sind als im Real Life, also die Online-Persona „fake“ sei. Diese Sicht trifft meines Ermessens aber nicht, was den komplexen Vorgang ausmacht, wenn jemand seine Online-Identität aufbaut. Natürlich geht es dabei um Inszenierung, aber das In-Szene-Gesetzte ist deswegen nicht weniger wirklich.  Die entscheidende Frage lautet daher, wie ich mich persönlich in Szene setze. Auch im Netz zeige ich mich als Person, auch wenn ich dies nur bedingt steuern kann. Auch andere können über mich im Netz schreiben, keinesfalls nur Positives. Im Blick auf die eigenen „Veröffentlichungen“ meiner selbst habe ich hier die Möglichkeit bewusster Inszenierung. Denn „persönlich“ ist eine Inszenierung immer. Hier macht auch die urspüngliche Bedeutung des Begriffs Persona oder Prosopon Sinn, nämlich als Maske oder die Rolle des Darstellers, der Darstellerin im griechischen Schauspiel. Ich inszeniere mich als Person, bewusst oder unbewusst. Als Leitlinie für Social Media gilt daher: Verhalte dich in den Sozialen Netzwerken nicht anders als in anderen Kontexten. So kann ich anderen auch im Netz persönlich begegnen. Inszenierung führt also nicht zum Fake, sondern auch zu personaler Begegnung.

Häufig wird – gerade bei Kirchens – eine face-toface-Begegnung als ein echtes Begegnen zeier Menschen gepriesen, während ein Online-Kontakt „nur“ virtuell sei. Abgesehen davon, dass virtuell ethymologisch etwas anderes bedeutet als unecht, nämlich kraftvoll, so nimmt diese abschätzige Wertung von Online-Begegnungen nicht wahr, wie sich der Aufbau einer Online-Identität vollzieht.

Manchmal ist online und offline auch nicht weit voneinander entfernt. Lange überlegte ich beispielsweise mit einem Pfarrer, welches Profilbild er von sich auf Facebook verwenden sollte. Nach langer Überlegung entschied er sich für eins mit Talar, damit machte er deutlich: Wer mich auf Facebook anspricht, begegnet mir als Pfarrer – und nicht als Privatperson. Er hat sich also als Pfarrer inszeniert. Genauso inszeniere ich mich auch als Pfarrer, wenn ich meine Kleidung für einen Geburtstagsbesuch auswähle, nämlich den Anzug und nicht die Jogging-Hose und Sweatshirt.

Online hat eigene Regeln

Die Cyberpsychology kennt den Begriff der „online inhibition“ bzw. „online disinhibition effect“:

„It’s well known that people say and do things in Cyberspace that they wouldn’t ordinarily say or do in the face-to-face world. They loosen up, feel more uninhibited, express themselves more openly. […] They reveal secret emotions, fears, wishes. Or they show unusual acts of kindness and generosity.“1

Diese so charakterisierte Verhaltensweise kennzeichnet auch Verhalten in sozialen Netzwerken, sie ist Ursache für den schnellen Like-Klick auf Facebook, aber auch den Rant auf Twitter. Die Hemmschwelle, sich emotional zu äußern ist im Internet deutlich geringer. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Anonymität

Online people feel they can’t be identified in the same way they can when they’re in public. It’s similar to going out in a costume at night with a mask on to cover the face. That sense of disconnection from our normal personality allows new ways of behaving. People may even consider their online behaviours to arise from an online alter ego.

  • Unsichtbarkeit

Because others can’t see us online, we don’t have to worry about how we look to others and what emotional signals we are sending through facial expressions.

  • Einfaches Beginnen und Beenden von Konversationen

Face-to-face we see people’s reactions to what we’ve said or done immediately. That tends to put us off upsetting them or risking their judgement.

Online there are no such restrictions: because of online asynchronicity it’s possible to say something and wait 24 hours before reading the response, or never read it at all.

  • Stimmen im Kopf

The very act of reading online can create a surprisingly intimate connection. Because other people’s words are in our heads, we may merge them with our own internal monologues.

While humans have been reading novels and letters for centuries, these are relatively formal modes of communication, and it’s only in the last decade that online communication has brought the intimacy of a letter to informal, everyday conversation.

  • Imaginäre Welt

The anonymity, invisibility and fantasy elements of online activities encourage us to think that the usual rules don’t apply. Like a science fiction escape fantasy, the net allows us to be who we want and do what we want, both good and bad.

  • Keine Polizei

We all fear disapproval and punishment, but this imaginary world appears to have no police and no authority figures. Although there are people with authority online, it’s difficult to tell who they are. There is no internet government, no one person in charge of it all. So people feel freer online: away from authority, social convention and conformity.

Online zeigen Menschen eher wer sie sind. Gehässige Kommentare sind eine Folge, aber es bieten sich auch Chancen. Im Netz spricht sich leichter über tabuisierte Themen, dazu gehört auch Religion. Fürbitten und Geetsanliegen sind persönlicher in Online-Gottesdiensten als bei Gottesdiensten einer an einem Ort versammelten Gemeinde. Eine Erfahrung von Chatseelsorge ist es, dass Menschen sich manchmal etwas von der Seele tippen, was man face-toface niemandem sagen würde.

Online-Kommunikation ist anders als face-to-face-Kommunikation, online gibt es Geschwätz und tiefe Gespräche, aber auch im RL kann man quatschen oder gehaltvoll miteinander reden.

Online-Gemeinden?

Der Begriff „Online-Gemeinde” war lange verpönt und wurde in kirchlichen Verlautbarungen vermieden. Nach einiger Diskussion ersetzte die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit dem Schwerpunktthema Digitalisierung im November 2014 das Wort „Community”, das noch im Kundgebungsentwurf stand, durch das Wort „Gemeinde” im beschlossenen Text der Kundgebung:

„Die Digitalisierung der Gesellschaft führt dazu, dass durch digitale Räume neue Formen von Gemeinde entstehen. Nicht physische Nähe, sondern Kommunikation ist für sie wesentlich. Die evangelische Kirche respektiert und fördert diese neuen Gestalten von Gemeinde.”

Bei der Begründung eines Pilotprojekts hieß es 2006 noch, es sei „ungeklärt”, ob Online-Gemeinschaften „auch Teil des lebendigen Miteinanders der Kirche sind.” Bei der theologischen Einordnung hat es zumindest in den Kirchenämtern ein Umdenken gegeben.

Religionssoziologisch lässt sich zwischen Religion online und Online-Religion unterscheiden. Religion online bezeichnet über Religion im Internet verfügbare Informationen, Online-Religion dagegen im Internet gelebte religiöse Praxis.

Das Internet ist  auch ein Ort spiritueller Erfahrungen und gelebter Frömmigkeit. Vom Morgengruß auf Twitter bis zum Schlusswort auf Facebook.

Solche religiösen Angbote im Netz sind oft komplentär zu dem, was Ortgemeinden anbietern. Wer online an einem Nachtgebet auf Twitter teilnehmen möchte, geht zur Twomplet (Twitter-Komplet). Nicht jede Gemeinde bietet ein Nachtgebet an, daher ist die Twomplet eine sinnvolle Ergänzung. Wer am Ewigkeitssonntag seiner Angehörigen namentlich gedenken möchte, kann dies über Chat auf Trauernetz.de tun. In einer Ortsgemeinde werden am Ewigkeitssonntag nur die Namen der im letzten Jahr in dieser Gemeinde Verstorbenen verlesen, möchte ich aber eines oder einer vor längerer Zeit Verstorbenen namentlich gedenken, geht dies nur in einer Online-Andacht. Im Netz finden sich daher Menschen zusammen, deren spezielle religiöse Bedürfnisse von Ortsgemeinden nicht abgedeckt werden können.

Reine Online-Gemeinden wird es vermutlich in Deutschland – anders als in den USA – nicht so bald gegeben. Denn Online-Gemeinden sind nicht kompatibel zum deutschen Parochial- und Kirchensteuersystem. Unsere amerikanische Partnerkirche United Church of Christ setzt auf eine Online-Gemeinde, weil die landesweite Präsenz in der Fläche nicht mehr gegeben ist. In Deutschland kann uns das nicht passieren, da jede Geo-Location einer Kirchengemeinde zugeordnet ist.

Internetgottesdienste

Reine Internetgemeinden werden natürlich auch Gottesdienste miteinander feiern. Dabei gibt es verschiedene Formate.

Aber es gibt auch Ortsgemeinden, die ihren Gottesdienst im Internet übertragen. Ein gutes Beispiel dafür ist die  evangelische Markuskirche in Wien. Regelmäßig werden Gemeindegottesdienste gestreamt, vorab lassen sich Gebetsanliegen in eine Online-Gebetbuch eintragen. Diese Diaspora-Gemeinde aus Wien holt sich so Gottesdienstteilnehmer aus dem gesamten deutschen Sprachraum in den Gemeindegottesdienst.

Natürlich macht der Videostream an den Parochialgrenzen keinen Halt, das Zentrum der Gemeindearbeit und des Gemeindelebens bleibt die Ortsgemeinde, aber das Internet weitet diese aus So öffnet das Internet auch konventionelle „brick and mortar churches“.

Neuzugezogene können niederschwellig den Stream ansehen und sich dann entscheiden, ob sie den nächsten Gottesdienst in der Kirche besuchen wollen oder lieber daheim bleiben. Ehemalige Gemeindeglieder, die sich vielleicht ihrer Gemeinde am neuen Wohnort nicht verbunden fühlen, können so Kontakt zu ihrer alten Gemeinde halten. Das globale Netz ist dann auch ganz lokal: Auch Bewohnerinnen und Bewohner eines Seniorenheims können statt einen wechselnden Pfarrer im Fernsehgottesdienst ihren Ortspfarrer oder ihre -pfarrerin predigen hören, denn Online-Streams lassen sich auch auf modernen TV-Geräten abspielen.

Bis an der Welt Ende

Einige sind bereits heimisch geworden in der Welt des Internet, andere fremdeln noch. Gott hat aber seine Gegenwart verheißen bis an der Welt Ende, das schließt mit Sicherheit auch das #Neuland ein.

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Blogpost zum Vortrag am Sonntag 29. März 2015, 18 Uhr, in der Annakirche, Aachen
im Rahmen der Aachener Ärztekanzel  in Kooperation mit dem Luisenhospital in Aachen und dem Universitätsklinikum Aachen

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Prezi zum Vortrag

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5 Responses to Person und Gemeinschaft im #Neuland: Chancen und Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft durch Digitalisierung und Social Media

  1. Pingback: Eine virtuelle Kirche gibt es nicht, aber Online-Gemeinden schon | Θ TheoNet.de

  2. Nur eine kleine Berichtigung zur unterstellten Ahnungslosigkeit unserer Kanzlerin.
    Das Zitat stammt aus einer Diskussion über die rechtlichen Dimensionen des Internets. In diesem Bereich sind wir wirklich weitgehend ahnungslos und haben einen Wildwuchs erster Klasse und ein Ende ist nicht abzusehen.

  3. Zur Privatsphäre im Netz hier ein Diskussionsbeitrag von mir:
    https://textschiff.wordpress.com/2015/01/15/facebook-klarnamen-und-identitatsnachweise-was-tun/

    Ein weiteres, m. E. gerade für Kirchen sehr wichtiges Thema ist der realtiv leichte Zugang zu Randgruppen und Personen, bei denen die face-to-face-Kommunikation aus verschiedenen Gründen problematisch ist.
    Hier ein paar Gedanken dazu am Beispiel einer ausgewählten Personengruppe:
    https://erdlingskunde.wordpress.com/2014/11/05/chat-als-chance/

  4. „Verhalte dich in den Sozialen Netzwerken nicht anders als in anderen Kontexten.“ – Da würde ich ein „grundsätzlich“ dazwischen setzen. Denn ich inszeniere mich je nach Kontext schon unterschiedlich als Person. Du meinst vermutlich, dass ich mich nicht verstellen soll/darf oder mit einer „gefakten“ Identität im Netz unterwegs bin.
    Das gilt für mich aber auch „nur“ für „Rollen“, in denen ich als Pfarrer erkennbar bin, oder als MJ. Es gibt ja auch die bewusst gespielte Rolle, mit denen ich Erfahrungen im Netz machen kann. Ich habe mich mal in einem Spiel als weiblich angemeldet und war entsetzt über die Anmache und manchen dummen Spruch. (Umgekehrt gibt es das im sog. „realen“ Leben auch: wenn ich mich zB im Urlaub nicht als Pfarrer zu erkennen gebe, reagieren Menschen anders auf mich. Auch eine Erfahrung. ^^ )

    • Ralpe says:

      Irgendwie ist das in Blogposts mit Fußnoten schiewrig, daher an dieser Stelle noch der Hinweis, dass der Abschnitt zur Inszenierung Gedanken aus dem Aufsatz „Social Media aus der Perspektive des Berufsfelds Pfarramt: Diesseits und jenseits der Parochie“ von Matthias Jung und mir im „Buch Ilona Nord | Swantje Luthe (Hg.), Social Media, christliche Religiosität und Kirche. Studien zur Praktischen Theologie mit religionspädagogischem Schwerpunkt, Garamond Wissenschaftsverlag, Jena 2014“ aufgreift.

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