@PastorInnen: Geht zu Facebook!

„Kann es eine missionarische Volkskirche ohne Facebook geben?“ lautete die Frage auf dem 4. Medientag der Landeskirche Hannovers zu Kirche und Social Media. Nein, wenn Kirche in sozialen Netzen kommunizieren will, muss sie  auch Facebook nutzen – und ohne Kommunikation kann man nicht missionarisch sein.

Da war unter den Podiumsgästen (unter denen ich auch sein durfte) schnell Einigkeit hergestellt.  Doch nach einer Runde hin und her kann man keine Diskussion beenden – daher stehen in den weiteren Runden dann nicht der Konsens, sondern die Meinungsunterschiede im Vordergrund.

Auf Wolfgang Lünenburger-Reidenbachs Forderung, alle Pastorinnen und Pastoren, alle Bischöfe und Bischöfinen müssten auf Facebook präsent sein, ergibt sich zwangsläufig die Frage an  Ralf Meister, warum er bei seiner Wahl zum Bischof sich aus Facebook zurückgezogen hat. Gegenteilig hat sein bayerischer Bischofskollege Bedford-Strom reagiert, der beim Amtsantritt als Bischof eine Facebook-Fanpage begonnen hat. Ralf Meister argumentiert differenziert, in einer neuen Funktion einfach so weiterzumachen mit Facebook, ohne vorher zu wissen, welche Ressourcen das kostet und was dies für das Amt bedeutet, das ginge nicht, deshalb habe er sich abgemeldet.

Dann kommt, was bei Protestanten unweigerlich kommen muss: eine Runde Medienkritik und Medienethik. Wenn mir persönlich Ralf Meister auch zu kulturpessimistisch argumentiert, war die Diskussion jedoch nicht flach und verkam nicht zum reinen Facebook-Bashing, wie leider sonst so oft.

Natürlich werfen soziale Netzwerke auch theologische Fragen auf, aber so Meister auf Nachfrage, dürfe die Klärung anthropologischer und ekklesiologischer Fragen nicht dazu führen, dass man in der Kirche untätig abwarte.

Persönlich spannend fand ich die Frage zum Verhältnis Person – Institution und Erinnerungskultur. Soziale Netzwerke bilden Kommunikation zwischen Personen ab, die Institution tritt in den Hintergrund. Andererseits haben sich Institutionen ausgebildet, um Inhalte über die einzelnen Personen hinaus weiterzugeben. Die Kirche als Institution ist auch Garantin der biblischen Überlieferung.  Wie verändert sich die Weitergabe der christlichen Botschaft, wenn sich die Kirche als Institution in soziale Netze verflüchtigen würde? Wie würde das unsere Erinnerungskultur verändern?

In der Social Media-Handreichung der Protestantischen Kirche der Niederlande heißt es, innerhalb der Kirche sehe eine Gruppe vor allem die Gefährdungen und eine andere Gruppe vor allem die Chancen. Wir brauchen aber einen realistischen Umgang mit Social Media in der Kirche. Wenn auch Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach vielleicht etwas zu enthusiastisch war und Ralf Meister vielleicht etwas zu kulturpessimistisch, der Medientag hat dazu beigetragen, einen realistischen Blick auf Social Media zu gewinnen.

Spannende theologische und anthropologischen Fragen sind noch zu klären, aber gleichzeitig können wir schon handeln, also: @PastorInnen: Geht zu Facebook!

Zur Dokumentation noch den Vortrag von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach und eine epd-Meldung von der Tagung.

Experten rufen Pastoren auf: Geht zu Facebook!

Osnabrück/Düsseldorf (epd). Der Internetbeauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland, Ralf Peter Reimann, plädiert dafür, Pastoren für soziale Netzwerke fitzumachen. Dafür müsse auch Geld bereitgestellt werden, forderte er am Montag auf einem Medientag der hannoverschen Landeskirche in Osnabrück. Die Kirchen in Skandinavien oder auch England lieferten dafür gute Beispiele.

Der Hamburger Medien-Experte Wolfgang Lünenburger-Reidenbach forderte die Pastoren in der evangelischen Kirche auf, über soziale Netzwerke zu kommunizieren. 50 Prozent der Erwachsenen und alle Jugendlichen seien bei Facebook, sagte der Blogger und Abteilungsleiter der Agentur „achtung!“. „Das ist die beste Arena für Mission.“

Landesbischof Ralf Meister zeigte sich dagegen skeptisch, ob er sein bei Amtsantritt abgemeldetes Facebook-Konto wieder aktivieren werde. Er wolle sich nicht vom „Kommunikations-Tsunami“ mitreißen lassen und Banalitäten verbreiten, sagte der evangelische Bischof. Er sei fasziniert von den Möglichkeiten sozialer Netzwerke und gleichzeitig zutiefst misstrauisch hinsichtlich der Gefahren. Es komme immer häufiger vor, dass Menschen in sozialen Netzwerken systematisch zerstört würden. Er halte deshalb zunächst eine Debatte über ethische Fragen mit Blick auf das Internet für unverzichtbar. Zudem vermisse er gerade bei Kindern eine Kommunikation von Angesicht zu Angesicht.

Lünenburger-Reidenbach, der auch Theologie studiert hat, widersprach dieser Wahrnehmung. Studien belegten, dass Menschen, die sich häufig in Facebook oder Twitter aufhielten, grundsätzlich kommunikative Typen seien. Es gebe bereits Pastoren, die Facebook etwa nutzten, um mit Konfirmanden im Gespräch zu bleiben. Anders seien die meisten Jugendlichen gar nicht mehr erreichbar.

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4 Responses to @PastorInnen: Geht zu Facebook!

  1. Ich kann der Ansicht und der Argumentation des Landesbischofs Ralf Meister nicht folgen. Ob er sich von einem “Kommunikations-Tsunami” mitreißen lässt oder „Banalitäten“ postet obliegt ja letztlich seiner Entscheidungsgewalt: damit lassen sich ja nicht pauschal soziale Netzwerke diskreditieren.
    Die Initiative, Geld für die Ausbildung von Pastoren in die Hand zu nehmen, halte ich nicht nur für sinnvoll sondern für notwendig. Ich helfe da in der Landeskirche Hannover auch gerne weiter @Ausbildung.
    Zu dem Artikel oben empfehle ich auch noch einen blog von mir aus dem Frühjahr 2012:

    http://chrishuebener.posterous.com/abgekoppelt-eine-bestandsaufnahme

  2. Heike says:

    Eine Institution lebt von Kommunikation der Personen untereinander. Schön, dass das jetzt mal ins Bewußtsein der Leute kommt …

  3. Reblogged this on blogmatthiasjung und kommentierte:
    Ich stimme Ralf in allen Punkten zu.
    Ja, es gibt noch viel zu tun und theologisch zu diskutieren.
    Ja, ohne Kommunikation kann Kirche nicht missionarisch sein.
    Ja, Facebook ist auch gefährlich. Ich sage mir uns anderen: Geh da rein und geh davon aus, dass Facebook im Blick auf Datenschutz und so weiter höchst kritisch zu sehen ist. Wenn du das aber berücksichtigst, dann ist das auch ein Ort für Christinnen und Christen, Pfarrerinnen und Pfarrer.

  4. Pingback: @PastorInnen: Geht zu Facebook! | Kirche 2.0 | Scoop.it

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