Snapchat und Facebook: Weniger ist manchmal mehr

Snapchat Post

Snapchat Post

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, außerdem ist weniger manchmal mehr. Dies hat Evan Spiegel beherzigt, herausgekommen ist 2011 Snapchat – ein Foto-Messenger-Dienst: Man nimmt mit dem Smartphone ein Foto auf, kann darauf noch etwas schreiben und sendet es an einen oder mehrere Empfänger. Der Clou: Man kann einstellen, wie viele Sekunden der Empfänger das Foto sehen kann, dann ist es für immer weg. Nicht nur carpe diem, sondern carpe momentum. Kein Speichern für die Ewigkeit wie bei Facebook, sondern nur für den Augenblick. Kürzer ist mehr in der User Experience.
Ein Foto aus dem Bett, mit einem handschriftlichen „Gute Nacht + HDL“ versehen, wer würde sich über einen solchen Gute-Nacht-Gruß nicht freuen? Ein Foto aus der Bar oder von einen Party, das nicht geteilt werden kann? Das auf jeden Fall weg ist, wenn der Rausch ausgeschlafen ist? So macht Social Media wieder Spaß, schreibt Forbes:

Snapchat then, is an effort to bring that fun back into the digital world. Users can take the ugliest, silliest, most compromising photos they want, usually in the form of a “selfie” or a self-taken picture of oneself. After sending them to friends, those photos then disappear, forever, in 1-10 seconds. It’s private, instant and fleeting, more an extension of texting than a social network rival to Instagram. “The main reason that people use Snapchat is that the content is so much better,” Spiegel says. “It’s funny to see your friend when they just woke up in the morning.”

Snapchat hat ein großen Potenzial, so sieht es zumindest auch Facebook und bot laut Medienberichten kürzlich drei Milliarden Dollar, jedoch lehnten die Snapchat-Gründer ab und ließen Facebook abblitzen.

Ob Snapchat oder auch WhatsApp, ich nehme war, dass sich Social Media Kommunikation von Plattformen weg hin zu Messenger-Diensten verlagert, die einzeln oder von Gruppen genutzt werden.

Die Kehrseite der Monetarisierung

Gerade bei Jugendlichen erlebe ich, sie melden sich zwar nicht von Facebook ab, nutzen es aber deutlich weniger.
Diese Abkehr von Facebook hat vermutlich sehr verschiedene Gründe. In meiner Einschätzung liegt es nicht an der Funktionalität des Facebook-Messengers – im Gegensatz zu WhatsApp funktioniert dieser auch auf stationären Endgeräten – sondern an der user experience. WhatsApp und auch Snapchat erlebe ich als direkte Kommunikation mit Freunden bzw. Gruppenmitgliedern, während Facebook mich in sein Netzwerk quasi hinzieht, das für mich Informationen filtert und gegen Bezahlung auch einblendet. Der ursprüngliche Reiz von Facebook, mit Menschen über ein Netzwerk zu kommunizieren, ist dem Drang zu Monetarisierung des Netzwerkes gewichen. Die Werbeeinblendungen – sponsored / related stories – zeigen mir, dass jemand anders meinen Newsstream bestückt. Dies nimmt der Kommunikation Intimität. Der Wunsch nach Monetarisierung lässt sich bei Facebooks Geschäftsmodell nur über Werbung realisieren. Facebook hat über die Werbung Firmen in sein Netzwerk geholt, dies zeigt sich unter anderem daran, dass Fanpages ermöglicht wurden.

Dies gilt natürlich auch die Präsenz für Institutionen auf Facebook. Dies nur als Nebensatz, wenn die These stimmt, dass sich Social Media Kommunikation weg von Plattformen hin zu Messenger-Diensten verlagert, müssen Firmen eine andere Marketing-Strategie einschlagen – und diese wird dann auch für die kirchliche Präsenz gelten, auch wir müssen dann neue Wege erkunden.
Damit Werbung passgenau ausgeliefert werden kann, muss Facebook möglichst viel über jeden Nutzer wissen, dies führt zu einer Datensammelwut. Dies kommt gerade in Deutschland – wir nehmen Datenschutz ernster als in den USA – nicht gut an. Was ich einmal bei Facebook poste, wird für immer gespeichert. Facebook will sich meine digitale Geschichte einverleiben. Diese Wahrnehmung zieht sich durch meine gesamte Facebook-Nutzung und löst Unbehagen bei mir aus.

Der zurzeit wichtigste Grund bei Facebook zu sein: das fast alle da sind. Facebook ist Mainstream geworden und hat damit gerade den Reiz für Jugendliche verloren. Der Spaßfaktor ist geringer geworden, dies ist die Lücke, die Facebook durch sein immenses Wachstumm eröffnet hat und die nun von anderen Diensten gefüllt wird.

Das Rennen bleibt offen

Es bleibt spannend, welches Geschäftsmodell Snapchat für sich entdecken wird. Es ist jedoch ein hoffnungsvolles Signal, dass die Snapchat-Gründer nicht schnell Kasse machen wollten und an Facebook verkauft haben, sondern eigene Wege gehen wollen.
So bleibt der Spaß erhalten und man kann Bilder posten, die man auf Facebook nicht in Ewigkeit seinen sehen wollte. Und es bleibt spannend, denn Facebook selbst ist auch nicht für die Ewigkeit gesetzt, sondern muss sich immer wieder behaupten.

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4 Responses to Snapchat und Facebook: Weniger ist manchmal mehr

  1. Pingback: Quo vadis, Facebook? (Update) | Θ TheoNet.de

  2. Pingback: Facebook will nicht gar sozial sein | Θ TheoNet.de

  3. schorsch says:

    Zwei Anmerkungen/Fragen:
    1. Findet sich wirklich niemand, die Sekundenbilder für uns (bzw. gegen uns) zu speichern?
    2. Wie lange wird der Drang zur Monetarisierung bei snapchat noch unbemerkt bleiben? Wer ein Angebot von drei Milliarden ablehnt, hat doch noch Großes vor, oder?
    Das geht doch immer gleich: Solche Foren kommen als „soziale“ Idee daher und irgendwann geht es nur noch ums Geldverdienen. Bzw. geht es von Anfang an – nur sollen wir es nicht gleich merken.

    • Ralpe says:

      ad 1) Natürlich lassen sich die Snapchat-Bilder speichern, jedeR EmpfängerIn kann einen Scrennshot anfertigen. Aber solche dannn zu verbreiten verstößt gegen Treu und Glauben.
      ad 2) Diese rage ist wirklich spannend, warten wir es ab.

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