Vom WhatsApp-Gottesdienst zum hybriden Streaming-Gottesdienst

Die spanischsprachige evangelische Gemeinde in Duisburg hat seit Inkrafttreten der Kontaktsperre ihre Gottesdienste als WhatsApp-Gruppenchat durchgeführt. Nun sind wieder Präsenzgottesdienste möglich. Da die digitalen Gottesdienste gut angenommen wurden, sollen WhatsApp-Gottesdienst und Präsenzgottesdienst miteinander verbunden werden. Der Gottesdienst wird hybrid.

Eine Gemeinde: digital und im Kirchengebäude

Der Übergang zu Vor-Ort-Gottesdiensten geschieht dabei schrittweise, d.h. die Präsenzgottesdienste gibt es zunächst zusätzlich zum Gottesdienst auf WhatsApp. Es wird also nicht zwei Gottesdienste geben. Den Gottesdienst werden die über WhatsApp teilnehmenden Menschen und die in der Kirche versammelten Menschen als eine Gemeinde feiern, so die Idee.

Der WhatsApp-Gottesdienst der vergangenen Wochen folgte einer etwas reduzierten Liturgie. Lieder wurden als MP3-Dateien im Chat gepostet, so dass Gemeineglieder mitsingen können. Die Predigt ist ein zuvor aufgenommenes YouTube-Video, das als Link gepostet und von den Chatteilnehmerinnen und -teilnehmern gleichzeitig angesehen wird. Bei den Gebeten werden im Chat Fürbitten getippt. Zeitlich dauert der digitale Gottesdienst nicht ganz so lange wie der Gottesdienst vor der Corona-Pandemie. Dies liegt aber hauptsächlich daran, dass die Predigt als Video deutlich kürzer ist und auch weniger Lieder über WhatsApp eingespielt werden. Aber auch die nun statfinden Präsenzgottesdienste werden in reduzierter Form stattfinden müssen, da kein Gemeindegesang erlaubt ist. Dies ermöglicht es, den digitalen Gottesdienst und den Gottesdienst im Kirchengebäude synchron abzuhalten, so zumindest der Plan.

Der Stream als Verbindung

Ein Live-Stream soll — so die Idee — die beiden Gemeinden verbinden. Der Split-Screen zeigt auf der einen Seite den Chat, die andere Hälfte zeigt das Geschehen — insbesondere die Predigt — aus der Kirche. Da bisher in der Gemeinde ein Beamer für Lieder und Lesungen in Gebrauch ist, kann darauf nun der Stream (ohne Ton) angezeigt werden. Die Gemeinde vor Ort sieht so auch den Chat. Wer bisher über WhatsApp teilgenommen hat, kann dies so tun wie bisher. Bei der Predigt wechselt er dann zu YouTube. Hat jemand ein Handy mit Mehrfenster-Darstellung, kann er auch den gesamten Gottesdienst zusätzlich als Stream verfolgen, So kann bei einer YouTube-Premium-Version der Stream im Hintergrund laufen und man kann so zuhören und sich gleichzeitig über WhatsApp beteiligen. Da bisher häufig mehrere Personen gemeinsam aus einem Haushalt am digitalen teilnehmen, kann eine Person WhatsApp laufen lassen, während jemand anders YouTube offen hat.

Benötigte Technik

Natürlich ist eine stabile Internetverbindung im Kirchenraum nötig, denn es wird sowohl aus der Kirche der Stream gesendet als auch für die Beamerdarstellung empfangen. Das unter Linux, macOS und Windows verfügbare Streaming-Programm OBS kann mit Splitscreen streamen. Der WhatsApp-Chat kann über WhatsApp-Web auf dem PC angezeigt und so über OBS eingebunden werden. Das obige Beispielsvideo wurde auf diese Weise über OBS mit Webcam im Arbeitszimmer aufgenommen. Hilfreiche Streaming-Tipps finden sich hier.

Ausblick: Vom WhatsApp-Chat zum Live-Chat auf YouTube

Soweit die Ideen für die Iglesia evangélica de habla hispana in Duisburg. Die Praxis wird zeigen, was sich bewährt.

Die Überlegungen zum WhatsApp-Chat kann man auch auf den YouTube-Live-Chat übertragen, wenn dieser in anderen Gemeinden aktiv genutzt wird. Dieser ließe er sich mit derselben Technik ebenfalls direkt in den Stream einbetten, so dass die dort stattfinden Interaktionen eine höhere Sichtbarkeit erhielten. Das Projizieren des Streams mit Kommentaren im Kirchraum verleiht der digitalen Gemeinde eine Präsenz im Kirchraum.

Wichtig: alle gehören zur Gemeinde und können so am selben Gottesdienst teilnehmen. So können Menschen aus Risikogruppen zu Hause Gottesdienst feiern, ohne sich durch den Kirchgang einem Risiko auszusetzen.

2 Antworten auf „Vom WhatsApp-Gottesdienst zum hybriden Streaming-Gottesdienst“

  1. Toll, dass ihr in die Richtung denkt. Das ist aber schon knallhart, wenn da Telefonnummern mit Namen und möglicherewise auch sehr persönlichen Äußerungen wie Gebetsanliegen veröffentlicht werden. Wenn es bei euch funktioniert, lasst euch davon aber nicht abhalten.
    ein Vikar aus Württemberg

    1. Die datenschutzrechtliche Problematik sehe ich natürlich.

      Für dieses Video (Oben) habe im Chat gefragt, ob ich es nutzen darf. Jeden Namen auszublurren habe ich zeitlich / technisch nicht geschafft. Das Video ist ungelistet, also nur im Kontext dieses Blogs aufrufbar. Alles sind Abwägungsentscheidungen….

      Ansonsten: Man kann den Livestream ungelistet durchführen und nach dem Gottesdienst löschen. Dann lässt sich die Verbreitung auf die Gottesdienstgemeinde beschränken (außer jemand gibt den Link weiter). Letztendlich dasselbe Problem, wie auf WhatsApp überhaupt Gottesdienst zu feiern. Aber WhatsApp ist/war das in der Gemeinde verbreitete Medium, z.B. für Gebetsgruppen. Da es eine internationale Gemeinde ist, sind auch die kulturellen Einstellungen zu Social Media etwas anders.

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