KI-Live-Übersetzung für internationale Gemeinden

Wir gehen in eine spanischsprachige Gemeinde in Duisburg, die Mitglied im Internationalen Kirchenkonvent Rheinland-Westfalen ist.

Mitglieder kommen aus über 20 Ländern, hauptsächlich aus dem spanischsprachigen Raum, aber auch Brasilianer*innen besuchen den Gottesdienst. Seit 60 Jahren besteht die Gemeinde, ursprünglich gegründet von spanischen Gastarbeiter*innen; heute stellen Lateinamerikaner*innen die Mehrheit der Mitglieder. Die spanische Sprache ist für viele wichtig – im Gebet, in der Predigt und in den Liedern.

Es gibt aber auch Gottesdienstbesucher*innen, die kein Spanisch sprechen, zum Beispiel deutsche Partner*innen von Gemeindegliedern. Bei Liedern, die per Beamer an die Wand projiziert werden, kann man sich vielleicht auch ohne Spanischkenntnisse beteiligen, aber bei einer Predigt, die auch mal länger als 20 Minuten dauert, wird das schwierig.

Entweder setzen sie sich an den Rand und jemand übersetzt die Predigt für sie in einer Flüsterübersetzung – das ist durchaus anstrengend für den/die Übersetzer*in – oder die nicht spanisch sprechenden Gottesdienstbesucher*innen schalten ab oder ziehen sich zurück.

Dadurch entsteht schnell eine Situation, in der Menschen zwar körperlich anwesend sind, aber inhaltlich kaum am Gottesdienst teilnehmen können.

Mischpult in der spanischsprachigen Gemeinde Duisburg
Mischpult in der spanischsprachigen Gemeinde Duisburg

Die Idee: Live-Übersetzung per Smartphone

Hier könnte eine KI-generierte Live-Übersetzung zumindest der Predigt helfen. Auf dem Beamer wird ein QR-Code eingeblendet (er kann auch vorher auf Kärtchen ausgelegt werden). Über den QR-Code kann man mit dem Smartphone die Predigt als Live-Übersetzung aufrufen. Die Übersetzung läuft dabei parallel zum gesprochenen Wort auf dem eigenen Gerät mit. Am besten hat man auch Kopfhörer dabei, damit man nicht das Handy ständig an sein Ohr halten muss.

Und neben Deutsch wären auch weitere Sprachen möglich – denn gerade internationale Gemeinden haben häufig Menschen mit unterschiedlichen Sprachhintergründen. So die Vision – und in Duisburg werden wir es ausprobieren.

Wie funktioniert das technisch?

Streamlingo hat sich auf KI-gestütztes Live-Übersetzen von Gottesdiensten spezialisiert. Als Übersetzungsprogramm kommt DeepL zum Einsatz, es lassen sich aber auch kirchenspezifische Begriffe ergänzen.

Das ist besonders wichtig, da religiöse Begriffe oder liturgische Formulierungen in allgemeinen Übersetzungen teilweise missverständlich übertragen werden können.

Vom Mischpult oder der Mikrofonanlage greift man den Ton über ein Notebook ab. Dieses Audiosignal schickt man per Webbrowser an den Streamlingo-Server, der den Audiostream übersetzt.

Ich konnte mir das in einer Demo ansehen, und die Übersetzung ist flüssig. Die Latenz beträgt acht bis zehn Sekunden – nur minimal länger als bei einer professionellen Simultanübersetzung.

Neben der Übersetzung gibt es auch eine Textdolmetschung des Audios in der Originalsprache – also auch gut nutzbar für Menschen, die auf Text statt Audio angewiesen sind.

Dadurch könnte die Technik auch Menschen mit Hörbeeinträchtigungen unterstützen.

Der Praxistest in Duisburg

Wir werden diese Art der Live-Dolmetschung ausprobieren, danach berichte ich gerne hier. Natürlich freue ich mich auf Erfahrungsberichte in den Kommentaren.

Wir werden es zunächst mit einem Notebook testen. Das in der Gemeinde verwendete Mischpult bietet sowohl XLR-Out als auch USB-Out an, sodass die Audio-Verbindung kein Problem sein sollte. WLAN ist in der Kirche leider nicht verfügbar, ein Handy-Hotspot sollte jedoch ausreichen.

Ich denke allerdings schon weiter: Man könnte entweder einen Raspberry Pi zum Streaming-Rechner umfunktionieren oder das Streaming über ein Handy realisieren. Dadurch würde der technische Aufwand weiter sinken, und der Einsatz wäre wirklich auch mobil möglich.


Transparenz-Hinweis: Auf Streamlingo wurde ich durch zwei Dienstleister hingewiesen, zu denen ich über das Barcamp Kirche Online Kontakt habe.

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