Gemeindeaufbau beginnt online

Freier WLAN-Zugang in einer amerikanischen Kirchengemeinde
Freier WLAN-Zugang in einer amerikanischen Kirchengemeinde
Freier WLAN-Zugang in einer amerikanischen Kirchengemeinde

Karfreitag wollte ich in den Gottesdienst gehen, war mir aber bei der Uhrzeit unsicher. Der Gemeindebrief lag längst im Altpapier, ich musste auf Google suchen. Ich finde die Homepage der Gemeinde, aber dort sind die Gottesdienste zunächst unauffindbar. Endlich finde ich den Gemeindebrief zum Download als PDF-Datei, lade ihn herunter und finde auf den letzten Seiten den Gottesdienstplan. Es war gut, dass ich nachgesehen habe, denn in einer Gottesdienstsstätte fiel der Gottesdienstes wegen eines Passionskonzertes am Nachmittag aus.

Unternehmen legen Wert darauf, die Öffnungszeiten ihrer Filialen online richtig abzubilden. Sie wissen, eine Kundin oder ein Kunde, die vor verschlossener Türen stehen, sind frustriert und kommen in der Regel nicht mehr wieder und kaufen künftig bei der Konkurrenz.

Kirchengemeinden haben keine direkte Konkurrenz wie Discounter oder Drogerie-Märkte, aber sie müssen sich auch darum kümmern, dass Kundinnen und Kunden zu ihnen kommen. Das nennt man dann nicht Marketing, sondern Gemeindeaufbau. Die Kerngemeinde sind Stammkunden. Diese erreicht man auch durch Kanzelabkündigungen oder Schaukästen vor dem Gemeindehaus. Neukundenakquise ist eine große Herausforderung; bestehende Kundenbeziehungen aufrecht zu erhalten, ist schwierig genug. Wie erreicht man Gemeindeglieder, die (noch) dabei sind, aber nicht in Veranstaltungen auftauchen?

„Gemeindeaufbau beginnt online“ weiterlesen

Traditionsabbruch am Karfreitag?

Karfreitag
Karfreitag
Karfreitag


Tanzverbote am Karfreitag, Polizeieinsätze gegen Autotuner, die lieber mit Rennen in ihren aufgemotzten Wagen den Car-Freitag begehen. Der Karfreitag ist ein stiller Feiertag, der bei uns in Deutschland  von Gesetzen und Ordnungshütern geschützt wird. Aber wir bemerken einen Traditionsabbruch.

Braucht die Gesellschaft den Karfreitag?

Bis zu Kaiser Konstantin war die christliche Gemeinde mehr oder weniger Untergrundkirche. Es gab für sie keine staatlich geschützten Feiertage. Weltweit leben heute vermutlich die meisten Christinnen und Christen auch ohne staatlichen Feiertagsschutz. Also lautet die Frage eher: Wollen wir als Gesellschaft den Karfreitag noch haben? Darüber sollten wir offen diskutieren. Um Autorennen zu veranstalten, braucht es den Karfreitag nicht. Auch nicht, um einen zusätzlichen Tag für Partys zu haben. In einer freiheitlichen Gesellschaft kann jeder natürlich einen Feiertag so begehen, wie er möchte, solange niemand gestört wird. Dies gilt auch für den Karfreitag. Die der Gesellschaft verordnete Ruhe unterstützt es, den Karfreitag als Tag des Gedenkens an Jesu Passion und Kreuzigung zu begehen. Der Karfreitag kann als Feiertag in unserer Gesellschaft aber nur Sinn haben, wenn Christinnen und Christen vorleben, was der Karfreitag für sie bedeutet.
Statt über eine Aushöhlung des Feiertagsschutzes zu lamentieren, müssen sie zeigen, was Karfreitag für sie heute bedeutet.

Der Kirchgang gehört zum Feiertag

Persönlich gehört der Kirchgang am Karfreitag für mich dazu. Erinnerungen aus Kinder- und Jugendtagen kommen hoch. Kirchenlieder kommen mir in den Sinn, die man nur an diesem Tage singt. Auch wenn ich – so meine Erinnerung – die Stille und Einkehr als Kind etwas langweilig fand, so gab es an diesem Tag aber eben doch den Freiraum, der Hektik des Alltags zu entkommen, zu lesen, Musik zu hören, Besinnliches zu tun. Auch, weil es keine bzw. nur deutlich eingeschränkte andere Unterhaltungsangebote gab. So die Tradition in meiner Kindheit, aber wie mache ich den Karfreitag positiv erlebbar für meine Kinder? Ich erlebe durchaus einen Traditionsabbruch.

Heute morgen am Karfreitag bitte ich meine Kinder, mich zum Gottesdienst zu begleiten. Die Elfjährige fragt, ob sie die Jeans mit Löchern anziehen dürfe. Sie hat das Gefühl, dass Karfreitag durchaus ein besonderer Feiertag ist, was sich auch im Dresscode auswirken könnte. Meine Antwort: Kinder dürften zur Kirche anziehen, was sie wollen. Ich will ihr nichts verordnen. Ich selber hatte aber schon ein schwarzes Hemd an. Heute trage ich keine Jeans, obwohl ich sonst oft so zur Kirche gehe.

„Traditionsabbruch am Karfreitag?“ weiterlesen

Karfreitag: Geht auch dunkles Lila?

Altar in der Lutherkirche Speldorf am Karfreitag 2021
Altar in der Lutherkirche Speldorf am Karfreitag 2021
Altar in der Lutherkirche Speldorf am Karfreitag 2021

Was sind die liturgischen Farben für den Karfreitag? Lila? Schwarz? Oder gar farblos? Für diesen Feiertag gibt es verschiedene Traditionen — und diese ändern sich mit der Zeit.

Die Frage nach den liturgischen Farben für den Karfreitag klärt sich übrigens laut der Liturgischen Konferenz der EKD schnell: „Violett ist als ‚Bußfarbe‘ im Advent und in der Fastenzeit zu sehen“. Karfreitag und Karsamstag haben als Abschluss der Passionszeit Violett (also: Lila) als Farbe. Aber Schwarz ist auch eine Option, so heißt es: „Schwarz ist – anstelle von Violett – am Karfreitag und Karsamstag auch möglich“. Meine Erfahrung ist: diese Möglichkeit ist jedoch in den meisten evangelischen Gemeinden die Regel. Am Karfreitag wird auf Blumenschmuck und Kerzen verzichtet — manchmal auch auf die Paramente oder Antependien (die Schmucktextilien des Altars). Und dann ist der Karfreitag quasi farblos.

„Karfreitag: Geht auch dunkles Lila?“ weiterlesen