Social Media in der UCC: Das Internet belohnt den „early bird“.

Schulrucksack auf der UCC-Facebook-Page

Schulrucksack auf der UCC-Facebook-Page

63.684 Facebook-Usern gefällt die United Church of Christ (UCC) ,  zurzeit “sprechen”  4.348 über die UCC  und  710 Menschen haben online im Church House der UCC eingecheckt.  Nur zum Vergleich, die Facebook-Kennzahlen anderer Mainline Protestant Churches.

Das sind nur Momentaufnahmen (Stand 23.8.2013), gerade die Interaktionsrate auf Facebook der einzelnen Seiten hängt von tagesaktuellen Ereignissen ab, z.B. halten die Lutheraner gerade die jährliche Churchwide Assembly ab. Die Mitgliederzahlen sind Wikipedia entnommen, die UCC hat 1,1 Millionen Gemeindeglieder.

Zum Vergleich folgende Zahlen aus Deutschland, die EKD hat 26,3 Millionen Mitglieder die westfälische und bayerische Landeskirche jeweils 2,5, die rheinische 2,8 Millionen Mitglieder laut der lezten EKD-Statistik.

Diese Zahlen für die größten Landeskirchen (Hannover hat keine Facebook-Seite), die EKD und evangelisch.de sind auch Momentaufnahmen, geben aber die Größenordnung an, welche Reichweite die Facebook-Pages der evangelischen Kirche  hat. Jeder Vergleich der kirchlichen Social-Media-Aktivitäten muss auch die unterschiedliche Facebook-Nutzung in Deutschland und den USA berücksichtigen. Die USA haben nach allfacebook.de vom Juni 168.000.000 Facebook-Nutzer bei 316.511.000 Einwohnern, dies entspricht 53% der Bevölkerung;  in Deutschland sind es 26.000.000 Facebook-Nutzer bei 80.493.000 Einwohnern, also 33% der Bevölkerung.

Die Firma mit der größten Anzahl von Facebook-Fans ist laut socialbakers.com Walmart mit 32 Millionen Fans, in Deutschland ist es Amazon.de  3,2 Millionen. Die am schnellsten wachsende Facebook-Seite in den USA generiert über 40.000 Likes täglich, in Deutschland sind es etwas über 3000. In den USA nutzen nicht nur sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen mehr Menschen Facebook als in Deutschland, sondern auch die Nutzung ist intensiver. Dies wird auch durch den sehr subjektiven Eindruck bestätigt. Nicht nur große, national agierende Marken haben eigene Facebook-Fanpages wie in Deutschland, sondern auch deren lokale Filialen. Selbst das Fitness-Studie mit vier Standorten hat eine eigene Facebook-Fanpage für jedes Gym.

Am schnellsten wachsende Facebook-Seiten von Firmen in den USA

Am schnellsten wachsende Facebook-Seiten von Firmen in den USA (socialbakers.com)

Im Vergleich mit den USA ist in Deutschland die Facebook-Nutzung noch entwicklungsfähig. Auch wenn es bei den Zuwachszahlen in Bezug auf Nutzer in Deutschland gewissen Stagnationstendenzen gibt, so dürfte trotz allem in der Nutzungsintensität noch wachsen. Daher lohnt sich ein Blick auf die Facebook-Strategie amerikanischer Kirchen und er Vergleich, da sie eine einen Erfahrungsvorsprung haben.

Facebook-Strategie der United Church of Christ

Ein großer Vorteil : die UCC ist seit über fünf Jahren auf Facebook, die rheinische Kirche dagegen etwas über ein Jahr. Wer früher dabei  war, konnte eine Fan-Basis aufbauen, als es noch weniger Konkurrenz-Angebote auf Facebook gab.  Dies erklärt auch die hohe Zahl von Fans der UCC gegenüber deutschen kirchlichen Facebook-Angeboten.  Je mehr Fanpages es auf Facebook gibt, desto schwieriger wird es für die einzelne Seite. Da Facebook-Pages ohne geschaltete Werbung immer seltener im Newsfeed einzelner Personen auftauchen, wird es immer wichtiger, dass Freunde mit den Seiten interagieren und darüber Traffic auf die eigene Page gezogen wird. Auch hier gilt, im Vorteil ist, wer bereits viele Fans hat.

Am schnellsten wachsende Facebook-Seiten von Firmen in Deutschland

Am schnellsten wachsende Facebook-Seiten von Firmen in Deutschland

Wie hat sich die Facebook-Seite der UCC im Laufe der fünf Jahre entwickelt? Am Anfang standen News von der eigenen Website im Vordergrund, die auf Facebook verlinkt wurden.  Dies hat sich gewandelt. Heute stehen News zu Themen aus Kirche und Gesellschaft im Vordergrund, die verlinkt werden. Die Redaktion setzt auf interessante Fundstücke aus dem Web. Diese Link-Recherche braucht Zeit, circa zwei bis drei Stunden verwendet die Social-Media-Redakteuerin täglich dafür. Die verlinkten Inhalte stellen auch nicht immer die Position der UCC dar, sondern sollen zur Diskussion führen.

Der Service-Aspekt ist nicht zu unterschätzen, auf der Facebook-Page erfährt man, was sich rings um die UCC und deren Theologie ereignet, man braucht nicht selber zu recherchieren, sondern bekommt Gedankenanstöße über die Facebook-Page. Der klassische Call-to-action am Ende eines Facebook-Posts ist hier oft eine offene Frage, die mitten in eine Diskussion führt.

Ein weiteres Markenzeichen: Grafiken mit einer Botschaft, die eigens für Facebook erstellt werden. Diese werden besonders gerne geteilt.

Außerdem: regelmäßige Auswertung und Kontrolle der Reichweite der Posts durch ein Online-Tool, denn Facebook verändert sich schnell. Was gestern ein Erfolgsrezept war, garantiert nicht den Erfolg für morgen.

Bis vor einiger Zeit investierte die Social-Media-Redakteurin in zielgruppengenaues Facebook-Marketing. Die UCC versteht sich als “open and affirming”, daher wurde die UCC-Facebook-Seite besonders in der LGBT-Community beworden. Das Facebook-Markting richtete sich an Menschen, die TV-Shows sahen  oder Bücher lasen, die in der LGBT-Community besonders populär sind. Zurzeit schaltet die Facebook-Redaktion aufgrund der gestiegenen Kosten fürs Markting auf Facebook zurzeit keine Anzeigen mehr.

Außerdem ist die Fanpage eine Möglichkeit der Vernetzung mit den Gemeinden der UCC, dies zeigt sich auch daran, dass Inhalte mit einem verhältnismäßig hohen Anteil geteilt werden.

Die Facebook-Strategie der UCC beruht auf Erfahrungswissen und der Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, das eigene Vorgehen zu reflektieren und den Erfordernissen anzupassen – und last but not least – genügend Personal-Ressourcen zur Verfügung zu stellen.  Die Redaktion formuliert zurzeit schriftlich ein Mission Statement für den Social-Media-Einsatz innerhalb UCC, wenn dies vorliegt, wird eine Auseinandersetzung damit auch für deutsche Kirchen interessant sein.

Lässt sich die UCC-Strategie auf deutsche Landeskirchen übertragen? Man wird sich die Einzelheiten ansehen müssen, die Facebook-Nutzung in Deutschland und den USA ist noch zu unterschiedlich. Von der UCC lässt sich aber eine Perspektive mitnehmen. Social Media wird auch in Deutschland wichtiger werden, Social Media wird sich bewegen weg von der Zweitverwertung der eigenen News-Inhalte zur Produktion eigener Social-Media-Inhalte. Dafür sind Ressourcen notwendig. Einige Landeskirchen haben sich schon positioniert, in Westfalen gibt es eine Social-Media-Redakteurin, in Bayern jetzt einen Social-Media-Pfarrer. Social-Media nebenbei zu betreiben, wird keinen Erfolg haben. Und je eher Ressourcen eingesetzt werden, desto effektiver ist ihr Nutzen. Denn das Internet belohnt den early bird, dies gilt auch für Social Media, wie es das Beispiel der UCC zeigt.

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5 Responses to Social Media in der UCC: Das Internet belohnt den „early bird“.

  1. Pingback: Evangelisch auf Instagram | Θ TheoNet.de

  2. Pingback: Quo vadis, Facebook? (Update) | Θ TheoNet.de

  3. Pingback: Worüber wollen wir sprechen? | Θ TheoNet.de

  4. Hat dies auf blogmatthiasjung rebloggt und kommentierte:
    Ralf-Peter Reimann´s „fremder“ Blick aus den USA tut gut. Der „early bird“ fängt den Wurm. Da haben wir in der evangelischen Kirche noch Nachholbedarf.

    Ralf-Peter tourt nach seiner Rückkehr demnächst weiter durch die Kirchenkreise der rheinischen Kirche und erzählt über Sinn und Unsinn von Social Media in Kirchengemeinden und Pfarrämtern. Das Interesse ist da – vom early bird kann trotzdem keine Rede sein, wenn ich seine Ausführungen zur UCC lese. Dazu wären ganz andere Massnahmen notwendig. Innvoation, Personaleinsatz – und das kostet Geld.

    Ich bin gespannt, ob in der Diskussion um das 35%-„Spar“-Ziel der EKiR (die im September richtig losgehen wird) die Fragestellung überhaupt eine Rolle spielen wird: Wo muss sich die evangelische Kirche mehr als bisher engagieren und dafür auch die Mittel bereit stellen? Social Media ist da nur ein Aspekt, es gibt sicher noch mehr zukunftsträchtige „Trends“. Wieivel Prozent wollen wir für Innovation zur Verfügung stellen, für Arbeitsfelder, die noch nicht erschlossen sind oder beackert werden könnten, sollten vielleicht aus theologischer Perspektive auch müssten?

    Das hieße aber im Umkehrschluss, dass im „Bestand“ noch mehr zu „kürzen“ wäre. Wenn diese Frage aber keine Rolle spielt, verabschieden wir uns auf lange Zeit von der Chance, hier und da den Wurm einmal fangen zu können.

  5. De Benny sagt:

    Danke für den Einblick. Ich denke, man wird vor allem erfolgreich sein können, wenn man bei alledem von Facebook abstrahiert. Nach myspace, studivz und wkw steht IMHO vor allem fest, daß es bei den sozialen Medien eine Fluktuation gibt. Das heißt, daß es immer neue Chancen gibt, early bird zu sein, aber auch immer neue Gefahrne, den Anschluß zu verlieren.

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