Seelsorge, Social Media und Schule

medium_cover-1485813555Letzte Woche durfte ich einen Vormittag auf einer Fortbildung für Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger zum Thema Social Media gestalten.

Zunächst Daten und Zahlen, die Online-Nutzung bei Jugendlichen steigt kontinuierlich,  ein guter Gradmesser ist die ARD/ZDF-Onlinestudie 2016:

„Je jünger die Befragungsteilnehmer der Onlinestudie, desto stärker steigt ihre
Nutzungsdauer . Bei den 14 – bis 29-Jährigen um eine gute halbe Stunde auf 4:05 Stunden pro Tag“

„Unter den Social Media-Angeboten rangiert Facebook vorne: Facebook
verzeichnet 34 Prozent mindestens wöchentliche Nutzung – mit einem Plus von
sieben Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Instagram steigert sich auf 9 Prozent wöchentliche Nutzung. Es sind vor allem die ganz Jungen, die das Netzwerk erreicht: 55 Prozent der 14-bis 19-Jährigen sind wöchentlich oder öfter auf Instagram, 27 Prozent der 20-bis 29-Jährigen. Snapchat liegt mit 5 Prozent wöchentlicher Nutzung auf Platz 3 in Deutschland. Das Besondere bei Snapchat ist, dass von den 14-bis 19-Jährigenjeder Zweite den Dienst auf wöchentlicher Basis nutzt(49Prozent).Von den 20-bis 29-Jährigen sind es nur 9 Prozent und in älteren Zielgruppen fast niemand. Twitter stagniert mit 4 Prozent wöchentlicher Nutzung auf niedrigem Niveau.“ (ARD/ZDF-Onlinestudie 2016)

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Die digitale Revolution stockt und stockt in der Schule – oder: Angst ist ein schlechter Ratgeber

Gestern Arbeitsgruppe der Schulkonferenz zum Thema Handynutzung in der Schule, heute bei Diskussion zum Thema „My Digital Revolution“ des Deutsch- Amerikanischen Institutes in Freiburg. Deutschland und Amerika – zwei unterschiedliche Welten in der Digitalisierung. Apple, Facebook, Google, Microsoft – alles amerikanische Unternehmen.
Es hat viele Gründe, warum es in Deutschland kein Silicon Valley gibt, aber eins hat mich beim Lesen von Thomas Schulz‘ Buch „Was Google wirklich will“ nachdenklich gemacht. Er beschreibt, wie die Google-Gründer auch die Motivation haben, die Welt durch ihre Produkte zu verbessern. Für europäische Ohren klingt dies wie naive Fortschrittsgläubigkeit, aber es drückt den amerikanischen Optimismus aus. Die Digitalisierung ist keine Bedrohung, sondern eine Chance, die Welt mit neuen Dienstleistungen und Produkten zu verbessern. Die Chance und Herausforderung, die Möglichkeit, etwas zu gestalten, Aktion steht im Vordergrund.
Gefahr und Reaktion dagegen in Deutschland. Ich bin Mitglied der Schulkonferenz eines ganz normalen Gymnasiums. Handy-Nutzung in der Schule steht auf der Tagesordnung. Der Entwurf für einen Handy-Nutzungsvertrag beschreibt die Zielsetzung:

Zielsetzung
Das Gymnasium [Name weggelassen] strebt eine positive Lernatmosphäre an. Dazu gehört auch, alles zu unterlassen, was beim Lernen und Arbeiten und im sozialen Umgang stören könnte. Da bei der Nutzung von modernen Kommunikationsmitteln vielfältige Probleme aufgetreten sind bzw. auftreten können, ist es notwendig, verbindliche Regeln zu vereinbaren und sie gleichermaßen verpflichtend einzuhalten.

Mein Vorschlag, den Entwurf der Nutzerordnung über ein Wiki zur Diskussion zu stellen wird als zu aufwändig abgelehnt, eine Arbeitsgruppe aus Lehrerschaft, Schülerschaft und Elternschaft soll es richten, ich melde mich für diese Gruppe. Also statt digitale Kommunikationsmittel zu nutzen und so eine größere Beteiligung und dann mehr Akzeptanz für die so verabredeten Kommunikationsformen zu gewinnen, lieber Old School per Arbeitsgruppe.

In der Arbeitsgruppe fühle ich mich als Störer, weil ich nicht sofort reglementieren will, sondern erstmal die Chancen beschreiben möchte. Im Entwurf wird die Handy-Nutzung ausnahmsweise „zur Recherche oder für Messungen“ zugelassen, „nur nach und im Rahmen der ausdrücklichen Aufforderung bzw. Erlaubnis der verantwortlichen Lehrkraft unter didaktischen Aspekten“ – das Bestreben, die Handy-Nutzung möglichst einzuschränken, ist offensichtlich. Meine Frage nach anderen Nutzungsszenarien ist nicht ergiebig, als Präsentationsmedium scheidet das Handy aus, weil die vorhandenen Beamer in der Schule keinen HDMI-Eingang haben, so dass sie sich nicht anschließen lassen. Ich wage gar nicht, OER und digitale Schulbücher zu erwähnen. Freies WLAN ist überhaupt nicht auf der Agenda. (Vor drei Jahren besuchte unsere Tochter für eine Woche eine Schule in Finnland – mit freiem WLAN, im selben Jahr ging ich zu einem Elternabend in unserer Schule und die Lehrerin nutze einen Overhead-Projektor, um Inhalte zu zeigen, die auch online verfügbar waren.)

Wenn Kinder die Zukunft ist und Schule auf das Leben vorbereiten soll, so ist Deutschlands Zukunft noch nicht sehr digital.

Abusus non tollit usum – Missbrauch hebt den richtigen Gebrauch nicht auf, das ist ein römischer Rechtsgrundsatz. Ein Recht darf nicht allein deshalb unterbunden werden, weil es missbraucht werden kann.

Um es deutlich zu sagen, es gibt Missbrauch sozialer Kommunikationsmittel, Cybermobbing kann brutaler sein als Mobbing auf dem Schulhof, da Handys Jugendliche den gesamten Tag über begleiten und nicht auf die Zeit in der Schule beschränkt sind. Solcher Missbrauch lässt sich jedoch damit nicht bekämpfen, indem man die Handy-Nutzung in der Schule möglichst untersagt, sondern lernt, wie man sich in Mobbing-Situation verhält,: wohin sich Opfer wenden können, wie man nein sagen kann, wenn eine Gruppe beginnt, jemanden über soziale Medien zu mobben, und transparent macht, welche Konsequenzen es für die Mobbenden gibt. Online fallen schnell Hemmschwellen in der Kommunikation (Online-Disinihbition), das muss ich wissen und lernen, wie ich damit umgehe, damit aus einem Ausgrenzen kein Mobbing wird.
Gerade um den Missbrauch zu bekämpfen, muss der rechte Gebrauch gelernt werden – und wo, wenn nicht in der Schule. Verbote aus Angst helfen nicht weiter.

Also: Medienkompetenz in der Schule fördern, Medientrainings durchführen anstatt aus Angst vor Missbrauch die Handys möglichst aus der Schule fern zu halten.

Ob der nächste Mark Zuckerberg oder Larry Page oder Bill Gates aus deutschen Schulen kommen wird? Wenn wir die Digitalisierung aus den Schulen fernhalten, wahrscheinlich nicht. Damit unsere Kinder Chancen haben, braucht es in den Schulen ein Umdenken, oder eine digitale Revolution.

Ist Open moralischer?

Augustinus: Advokat freier Software?

Korrekt formuliert müsste man von Ethik statt Moral sprechen, auf Software bezogen müsste man fragen: Ist Open Scource Software bzw. Free Software die ethisch bessere Software? Oder ist sie einfach nur besser? Gibt es ethische Gründe für Open Source Software?
Ich suche dabei nach einer Begründung für freie Software, die nicht auf einer Argumentation aus Informatik oder Ökonomie fußt, sondern ethische Begründungszusammenhänge anführt. Und wenn wir uns im kirchlichen Kontext bewegen, lässt sich präzisieren, welche theologischen Gründe gibt es für den Einsatz freier Software.
In der Kirche müssen wir dazu eine theologische Position entwickeln. Die Annahme bzw. der Hinweis, dass Open Source Software besser sei, mag sich aus der Informatik begründen oder wiederlegen lassen, genügt aber nicht den Grundsätzen theologischer Urteilsfindung. Mehr von diesem Beitrag lesen

Qualtitätsicherung bei offenen Bildungsressourcen

Ein Diskussionsbeitrag der Stiftung Digitale Chancen

Von Jutta Croll, Barbara Blum und Johanna Lambertz

Offene Bildungsressourcen sind nicht erst seit dem 21. Jahrhundert ein Gegenstand der Debatten. Aber durch die breite Verfügbarkeit digitaler Medien und die damit einhergehenden Möglichkeiten der Bearbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung von Inhalten haben diese Debatten eine neue und hohe Relevanz gewonnen. Gerade im Hinblick auf eine nach wie vor bestehende Spaltung der Gesellschaft in diejenigen, die Zugang zu Wissen und Informationen haben und sich diese zu Nutze machen, und diejenigen, die nicht oder nur in geringerem Maße auf Bildungs- und Informationsangebote zugreifen können oder wollen, erscheint es notwendig, einen freien und offenen Zugang zu Bildungsressourcen zu gewährleisten. Unter informationsethischen Gesichtspunkten besteht eine Verpflichtung, insbesondere Inhalte, die mittels öffentlicher Mittel entwickelt und erstellt wurden, frei zugänglich bereitzustellen. Zu welchen Bedingungen diese Bereitstellung erfolgt, kann durch die verschiedenen so genannten Creative Commons Lizenzen festgelegt werden. Bei der Entscheidung, welche Bedingungen für den jeweiligen Inhalteanbieter geeignet sind, spielen verschiedenen Gesichtspunkte eine Rolle. Im Folgenden werden diese aus der Perspektive einer gemeinnützigen Organisation, die ohne Absicht der Gewinnerzielung Inhalte entwickelt und erstellt, beleuchtet.

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OER: Biblisch-theologische Gedanken

Bildung im Alten Orient beruhte vor allem auf mündlicher Überlieferung. Im alten Israel wurden Erzählungen immer wieder wiederholt und über 20 bis 40 Generationen mündlich weitergegeben, bevor sie zum ersten Mal niedergeschrieben wurden. Später entstand das Bedürfnis, an diesen durch den Traditionsprozess gereiften Texten keine Veränderungen mehr zuzulassen. Deswegen wurden die Erzählungen des Alten Testaments weiterhin erzählt, aber parallel auch niedergeschrieben und der Text durch besondere Siglen in Bedeutung und Aussprache geschützt.

Offen waren die mündlichen Erzählungen am Lagerfeuer, zumindest für die eigene Sippe. Frei zugänglich auch, wenn man zur Sippe oder deren Gästen zählte und evtl. einen Marsch oder Kamelritt auf sich nahm. Als Quelle wurden diese Geschichten empfunden und genossen. Auch als „Bildungs“-Quelle, weil Erinnern, Erzählen,  Bildung und Gottesdienst zusammen gehören: „Höre Israel,…“ (Dtn 6,4) Mehr von diesem Beitrag lesen

Open Source, Open Content, Open Educational Resources – was bewegt die Kirche?

“Für die evangelische Kirche ist – auf der Grundlage ihres Glaubens- und Kirchenverständnisses – Bildung von der Reformationszeit an ein zentrales Thema.“ – so die EKD-Denkschrift Maße des Menschlichen, Evangelische Perspektiven zur Bildung in der Wissens- und Lerngesellschaft.

Was heißt aber Bildungsverantwortung in einer Gesellschaft, die sich durch die fortschreitende Digitalisierung verändert. Die evangelische Kirche ist eine Kirche des Buches, was aber, wenn das Buch zum eBook wird? Jedem ist einsichtig, dass ein gedrucktes Buch Geld kostet, aber was ist ein angemessener Preis für ein eBook, wo die Distributionskosten gegen Null gehen. Mehr von diesem Beitrag lesen

OER: Hintergründe und Meilensteine

OER – Open Educational Resources – überträgt die Idee von Open Scource Software bzw. Open Content auf Bildungsinhalte. OER ist eine Bewegung, die die Erstellung und Verbreitung freier Bildungsinhalte zum Ziel hat und so Bildungsrechtigkeit vorantreibt. Die UNESCO unterstützt OER, Länder wie Südkorea sehen in OER große Chancen, freie Bildungsinhalte digital zu verbreiten. Auch in Deutschland wird das Potenzial von OER zunehmend erkannt, das relevante Whitepaper zu OER wurde beispielsweise von Google mitfinanziert. Freie Bildungsmaterialien sind kein neues Thema, aber bei weitem noch nicht im regulären Schulalltag angekommen. Dies ändert sich jedoch zunehmen, beispielsweise veranstaltet die Stadt Köln ein so genanntes „OER Barcamp“ – also eine offene Fachkonferenz zu OER – im September dieses Jahres, zu der auch kirchliche Schulreferentinnen und –referentinnen gezielt eingeladen sind.

OER ist auch ein Thema, mit dem wir uns in der Kirche beschäftigen müssen. Die rebloggte Prezi von Frank Wessel gibt Hintergrundinformationen, was OER ist.

Vom Korrigierstift zum Cloud Learning: Analog trifft Digital auf der Bildungsmesse

Ein Gang über die Didacta hinterlässt viele unterschiedliche Bilder: Referendare und Referendarinnen, die sich mit großen Büchertüten auf Ständen der Schulbuchverlage zu Sonderkonditionen eindecken, ein Vortrag zu Trusted Apps für eLearning-Anbieter fast ohne Publikum, Gedränge vor Smartboards, deren Nutzung Interessierten erklärt wird, eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Inklusion, bei der es keinen freien Sitzplatz gibt, aber auf dem Podium sitzen fünf ältere Herren, die miteinander diskutieren, WLAN-Repeater fürs Klassenzimmer neben ergonimischen Kinderstühlen, „BYOD“ in der IT-Infrastruktur, wo man sich fragt, ob man auf der Cebit oder der Didacta ist. Kurz Analog trifft Digital Mehr von diesem Beitrag lesen