Gott – Freiheit – Welt: Jubileusz Reformacji in Polen

Festgottesdienst in der Warschauer Trinitatiskirche

Festgottesdienst in der Warschauer Trinitatiskirche
Festgottesdienst in der Warschauer Trinitatiskirche

Auf Polnisch und Englisch lädt dieses Motto zu den Reformationsfeierlichkeiten ein. Gegenüber dem sonst gebräuchlichen Dreiklang „Gott – Ehre – Vaterland“ setzt sich die polnische evangelische Kirche ab, statt Nation und Ehre setzt sie Freiheit und Weltverantwortung und gibt sich durch die englische Übersetzung europäisch.

Reformationsmotto
Reformationsmotto: Gott – Freiheit – Welt

Rund 70.000 Gemeindeglieder hat die evangelische Kirche Augsburger Bekenntnisses in Polen  (Kościół Ewangelicko-Augsburski w Rzeczypospolitej Polskiej), das sind rund 0,2 Prozent der polnischen Bevölkerung. Wenn auch zahlenmäßig klein, hat diese Kirche das 500-jährige Jubiläum der Kirche groß in Warschau gefeiert. Schon auf den Anzeigetafeln in Bussen und Straßenbahnen sah man das Logo des Jubiläums und die Einladungen zu den Veranstaltungen von Freitag, 27.10. bis Sonntag 29.10.2017. „Gott – Freiheit – Welt: Jubileusz Reformacji in Polen“ weiterlesen

Gesellschaft 4.0 – Leistung bestimmt nicht unseren Wert

Weinberg

Weinberg
Weinberg

Bei Software werden die Versionsnummern hochgezählt, je höher, desto aktueller die Software. Ein Sprung zur nächsten ganzen Zahl bedeutet einen Entwicklungssprung nach vorne. Vom Web 2.0 redet heute niemand mehr, wir bewegen uns nun in der vierten Stufe der Digitalisierung, zumindest was die Arbeit angeht. Der Begriff Arbeiten 4.0 schließt an die Diskussion über die vierte industrielle Revolution (Industrie 4.0) an, legt dabei aber den Schwerpunkt auf Arbeitsformen. Abgeleitet davon dann von Gesellschaft 4.0 zu sprechen, bedeutet, unsere Gesellschaft über die Arbeit zu definieren: Was Du als Mensch bist, hängt von deiner Arbeit ab. „Gesellschaft 4.0 – Leistung bestimmt nicht unseren Wert“ weiterlesen

Wir brauchen Chorbischöfinnen – oder Social Media gehört in die Ortsgemeinde

Zukunft der Parochie“Die Zukunft der Parochie in Zeiten von Social Media und Digitalisierung. Entdeckungen, Chancen, neue Landkarten.”
Ich habe noch für den Untertitel ergänzt: „wir brauchen neue Chorbischöfinnen und Chorbischöfe”, nachdem ich nochmals etwas in die Kirchengeschichte und die Entwicklung der Parochie  geschaut habe.
Bisher habe ich Vorträge gehalten und Aufsätze verfasst mit Titeln wie „Jenseits der Parochie“ – aber ich weiß nicht, ob ich mit solch einem Titel zu diesem Vortrag auf der EKBO-Fachtagung “Hyperlink zur Ewigkeit” am 17. Juli 2017 eingeladen worden wäre.
Daher wollte ich die Chancen der Parochie herausstellen. Dies hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe einige Positionen für mich neu gefunden.
Klar ist: Das Internet hält sich nicht an parochiale Grenzen, es legt sich in gewisser Weise über territoriale Abgrenzungen. Früher habe ich deshalb eingenständige Online-Gemeinde gefordert, heute sehe ich jedoch verstärkt Chancen im Social Media Engagement von Ortsgemeinden. Vor diesem Hintergrund bin ich einen Aufsatz durchgegangen, den ich vor vier Jahren mit Matthias Jung geschrieben habe.
Heute frage ich kritischer: Wollen (brauchen) wir reine Online-Gemeinden wirklich? Vor vier Jahren stand im Aufsatz noch ein Plädoyer dafür im Text. Heute sehe ich das kritischer. „Wir brauchen Chorbischöfinnen – oder Social Media gehört in die Ortsgemeinde“ weiterlesen

Gottesdienst: und alle twittern „Amen“


Eine Dialogpredigt zum Thema „Fake News“ und „Faith News“, die Predigthörerinnen und –hörer werden eingeladen, die Predigt abzuschließen, indem sie ihre Glaubensgeschichten mitteilen über Twitter, Facebook, Instagram oder Karteikarten. Diese Geschichten laufen auf eine Leinwand in der Kirche und im Videostream  ein. Am Ende schließen alle die Predigt mit Amen ab, in der Kirche sprechen es die Gemeindeglieder, wer online am Gottesdienst teilnimmt, twittert es. „Gottesdienst: und alle twittern „Amen““ weiterlesen

Freie Daten – Freies Teilen – Frei sein


Die Tweets unten im Post geben (zusammen mit dem Video) den Diskussionsverlauf der Veranstaltung gut wieder. Zwischen Harald Geywitz und Matthias Kirschner hatte ich im Vorfeld ein größeres Maß an Meinungsverschiedenheit erwartet, so dass ich angenehm überrascht war, wo sie übereinstimmten: Vertrauen ist notwendig, so müssen die Kundinnen und Kunden einem Mobilfunkunternehmen vertrauen, dass es ihre Daten mit höchster Sorgfalt behandelt. Ebenso will Freie Software Vertrauen herstellen, denn die Offenlegung des Quelltextes ermöglicht Transparenz, die Grundlage für Vertrauen ist. Beide wandten sich auch gegen eine Alles-Kostenlos-Kultur im Netz, hierfür gab es auch große Zustimmung in der nachfolgenden Diskussion. Wenn niemand bereit ist, für Dienstleistungen zu bezahlen, dann geht das nur, wenn Unternehmen die Daten ihrer User monetarisieren. Andersherum: Wer für difitle Dienstleitungen zahlt, kann auch Datenschutz erwarten. Auch Freie Software darf Geld kosten. Pointiert: Geiz ist geil führt dazu, dass User mit ihren Darten bezahlen. „Freie Daten – Freies Teilen – Frei sein“ weiterlesen

Kirche auf der #rp17: Nun im Programm, aber was ist ihr Programm?

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Eine gute Zusammenfassung der „christlichen Stunde“ auf der re:publica #rp17 bietet  Felix Neumann. Zuerst war evangelischerseits Professorin Johanna Haberer dran, dann katholischerseits Professor Andreas Büsch, mit ihm auf der gut gefüllten Bühne SPD-MdB Saskia Esken, Mitglied im Ausschuss “Digitale Agenda”.
Haberer verglich Google und Facebook mit der katholischen Kirche des Mittelalters. Ob durch Beichte oder exzessives Datensammeln, das Streben nach umfassenden Wissen über einen Menschen sei abzulehnen, da nur Gott unsere intimsten Geheimnisse kenne und kennen dürfe – so die Folgerung aus Psalm 139.
Die evangelische Kirche als Advokatin für Privacy, nur konsequent, dass Haberer selbst kein Facebook nutzt.
Büsch stellt das netzpolitischen Papier der (katholischen) Bischofskonferenz vor und konzentriert sich dabei auf Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit. Die SPD-Bundestagsabgeordnete kommentiert, aber Dissens kommt nicht auf. Büsch stellt abschließend fest, dass man nur in der Letztbegründung auseinanderliege, ob man “im Humanum bleiben will oder doch dieses Gott-Thema einbeziehen muss.”
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Erreicht man über eine Online-Gemeinde neue Zielgruppen? Impulse von der #ECIC22

Sanctuary First
Sanctuary First
Sanctuary First

Erstmalig wurden zwei Online-Gemeinden auf der Konferenz vorgestellt, die sich als offizielle Gemeinden ihrer Kirche verstehen. www.i-church.org ist eine Online-Gemeinde des anglikanischen Bistums Oxford. i-church ist als Kommunität aufgebaut und wendet die benediktinischen Mönchsregeln für den Aufbau der Gemeinde an.
Gegenüber der im Internet häufig vorkommenden Unverbindlichkeit setzt i-church darauf, dass Gemeindemitglieder verbindlich miteinander ihr Leben teilen und sich in ihrem Umfeld sozial engagieren. Die Website ist einfach gehalten, der Austausch der Gemeindeglieder erfolgt über Email und Foren.
Die Cyber-Gemeinde der dänisch-lutherischen Volkskirche ist unter www.cyberkirken.dk abrufbar. Die dänische Online-Gemeinde setzt auf modernste Technik. Über Webcam und Mikrofon kann man mit Webpastorinnen und -pastoren Verbindung aufnehmen, die zeitweise in der Cyberchurch Dienst tun, sonst aber in ganz normalen Kirchengemeinden arbeiten.
Die Technik ermöglicht der dänischen Online-Gemeinde, allen Gemeindegliedern ein virtuelles Gemeindehaus zur Verfügung zu stellen. In dem Haus gibt es verschiedene Gruppen, die sich zu bestimmten Zeiten treffen.

Vor zwölf Jahren waren dies Schlagzeilen von der Europäischen Christlichen Internet-Konferenz (ECIC), die sich 2005 zum zehnten Mal in Rom traf. Als dieses Jahr auf der ECIC in Warschau Vertreter der Kirche von Schottland eine schottische Internetgemeinde vorstellten, war dies nichts Außergewöhnliches mehr. Sanctuary First – so der Name der Gemeinde – zeigt, dass Online-Gemeinden in der Mitte des kirchlichen Lebens angekommen sind. „Erreicht man über eine Online-Gemeinde neue Zielgruppen? Impulse von der #ECIC22“ weiterlesen

Social-Media-Gottesdienst #unverzagt2017: Digitalisierung als Thema und Umsetzung

walls.io_unverzagt2017Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft und unseren Alltag. Angela Merkel hat für den Satz, dass Internet Neuland sei, viel Häme im Netz abbekommen. Für uns als Kirche ist die Digitalisierung in vielen Bereichen auch ein neues Land, in dem wir uns noch zurechtfinden müssen.
Zum Reformationsjubiläum feiert die Evangelische Kirche im Rheinland 95 Gottesdienste an besonderen Orten. Kirche macht sich auf in die Welt, sie zieht aus ihren Mauern aus und bewegt sich auf andere Lebensbereiche zu.
Kirche und Digitalisierung – wie geht das zusammen? An welchen Ort können wir uns aufmachen, um uns auch vom Ort inspirieren zu lassen? Ein Rechenzentrum war ein erster Gedanke, schied aber aus praktischen Gründen aus, da es Zugangskontollen gibt und ein Rechenzentrum nicht dafür ausgelegt ist, dass sich Menschen dort versammeln. Außerdem: ein Rechenzentrum ist ein Ort, wo Computer ihren Dienst verrichten, Digitalisierung wird aber von Menschen betrieben, Computer sind nur die Instrumente dafür. Also: dahin gehen, wo Menschen Digitalisierung umsetzen, zu einem IT-Dienstleister. „Social-Media-Gottesdienst #unverzagt2017: Digitalisierung als Thema und Umsetzung“ weiterlesen

#PrayforBerlin — ja das tun wir

#PrayforBerlin
#PrayforBerlin

„Micha 5,1-4 statt Hashtag-Keule” – so überschreibt knuuut seinen Blogpost, in dem er die kirchlichen Reaktionen auf den Anschlag in Berlin kritisiert:

„Die Stimmen, die eine „geistliche Rettungsgasse“ freihalten wollen sind selten. Wer als erster #prayforXXX brüllt, gilt als am Puls der Zeit. Ich möchte das nicht. Gaffern gleich wälzt sich die News-Desk-Redaktion durch den Stream. Flugs ein gepostetes Bildchen zur Anteilnahme und das Fürbittengebet aus der Cloud, schnell noch eine virtuelle Kerze auf einer Gedenkseite entzündet, fertig.”

Ja, noch in der späten Nacht – als in den deutschen Leitmedien noch diskutiert wurde, ob die Gewalttat in Berlin ein „Anschlag” sei – haben wir (EKiR-Online/Social Media Redaktion) ein Gebet auf Facebook gepostet (die Grafik dieses Posts übernimmt übrigens knuuut für seinen Blogpost). „#PrayforBerlin — ja das tun wir“ weiterlesen

Keine Angst vor Online-Gottesdiensten

fireshotcapture106-twompletSpiritualität im Internet – ist das heute noch ein Thema, mit dem sich eine Synode eigens beschäftigen muss?  Oder ist es einfach Realität für Menschen, die online leben und deren geistliches Leben sich auch im Netz vollzieht?
Vermutlich beides:  Daher hielt ich gerne auf der lippischen Landessynode heute einen Workshop über Spiritualität im Netz nach dem Hauptvortrag “Kommunikation der biblischen Botschaft in der digitalen Gesellschaft“.
Weil Synoden die Kirche leiten, müssen sie sich mit diesem Thema beschäftigen, denn Online-Spiritualität ist noch ein Randthema in unserer Kirche – während für die, die Online-Angebote nutzen, Spiritualität im Internet eine wichtige Möglichkeit ist, ihren Glauben zu leben.
„Keine Angst vor Online-Gottesdiensten“ weiterlesen